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Sunil Mann

Uferwechsel

Kriminalroman

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© 2012 by GRAFIT Verlag GmbH
Chemnitzer Str. 31, D-44139 Dortmund
Internet: www.grafit.de
E-Mail: info@grafit.de
Alle Rechte vorbehalten.
Umschlagillustration: Carsten Hardt, www.carsten-hardt.de
unter der Verwendung des Fotos ›Lone businessman walking through tunnel with briefcase‹, © Johnny Hetfield / istockphoto.com
eBook-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck
eISBN 978-3-89425-871-9

Der Autor

Sunil Mann wurde als Sohn indischer Einwanderer im Berner Oberland geboren. Er ist als Flugbegleiter tätig, ein Job, der ihm genügend Zeit zum Schreiben lässt. Viele seiner Kurzgeschichten wurden ausgezeichnet. Mit seinem Romandebüt Fangschuss, dem ersten Krimi mit Vijay Kumar, gewann er den Zürcher Krimipreis 2010. 2011 legte er mit Lichterfest einen weiteren humorvoll-spannenden Fall für den indisch-stämmigen Privatdetektiv nach. www.sunilmann.ch

Donnerstag

»Halt an! Da muss es sein!« Grob krallte José seine Finger in meinen Arm und deutete aufgeregt zu der Stelle im Wald, die so hell und unwirklich erstrahlte, als wäre dort hinter den Baumstämmen ein Raumschiff gelandet. Durch das dichte Schneetreiben waren Scheinwerfer auszumachen, ihr grelles Licht durchschnitt die Düsternis des frühen Morgens.

Jäh trat ich auf die Bremse und verlor dabei beinahe die Kontrolle über meinen hellblauen Käfer, der mit unvermindertem Tempo über die vereiste Straße schlitterte – einem bulligen Kastenwagen entgegen, dessen Umrisse unvermittelt aus dem Schneegestöber aufgetaucht waren.

»Pass auf!«, schrie José überflüssigerweise.

Im letzten Augenblick gelang es mir, das Steuer herumzureißen und einen Zusammenstoß zu vermeiden. Mein Wagen schleuderte um die eigene Achse und setzte gerade zu einer weiteren Pirouette an, als eine Schneewehe am Straßenrand unsere Rutschpartie knirschend stoppte.

»Das war knapp!«, keuchte José, doch mit einem Magen, der mir whiskysauer am Halszäpfchen klebte, sah ich mich außerstande, den Mund zu öffnen, geschweige denn zu antworten.

Ich schloss kurz die Augen und schickte ein knappes Dankesgebet an den Hindugott Vishnu, dem die nervenaufreibende Aufgabe zugefallen war, Menschen zu behüten. Dann holte ich tief Luft, öffnete die Augen und setzte den Käfer zurück.

Im Schritttempo umfuhr ich die offenbar in Eile zurückgelassenen Fahrzeuge, die kreuz und quer auf dem brachliegenden Feld neben der Landstraße standen, und peilte eine freie Fläche an. Noch bevor ich den Motor ausstellen konnte, hatte José die Beifahrertür aufgestoßen und war aus dem Wagen gesprungen.

»Verdammt! Warte gefälligst auf mich!«, schrie ich ihm hinterher, als ich bemerkte, dass er sich keineswegs übergeben musste, sondern zielstrebig Richtung Wald davonrannte.

Fluchend lehnte ich mich über den Beifahrersitz und zog die Tür zu. Dann stülpte ich meine fellgefütterte Mütze über, schlüpfte in die Handschuhe und rannte meinem Kumpel nach, über den Acker und ein Stück der Straße entlang zum schmalen Waldweg zurück, der in einer leichten Steigung zur Lichtung hinaufführte.

Ich holte José problemlos ein, schließlich trug er nicht nur eine schwere Fotoausrüstung bei sich, sondern auch einen Rucksack, in dem sich eine volle Thermoskanne befand, in der heißer, stark gezuckerter Kaffee schwappte – großzügig mit spanischem Brandy versetzt, wie ich bei einer ersten Kostprobe erfreut festgestellt hatte.

»Gib her!« Ich nahm José im Laufen eine der Fototaschen ab und schweigend hetzten wir durch das Waldstück bergauf. Inmitten der Bäume herrschte eine dumpfe Stille, die Stämme hielten den Sturm erfolgreich ab. Nur der hart gefrorene Boden knarrte verhalten unter unseren Schritten, vereinzelt schwebten Flocken in der Luft. An den letzten Baumreihen schlugen uns die eisigen Schneeböen erneut entgegen und der Sturm zerrte an unseren Jacken.

Die Lichtung war etwa halb so groß wie ein Fußballfeld und hell erleuchtet, ein ungenauer Halbkreis mit ausgefransten Rändern. Schemenhaft zeichnete sich nachwachsendes Buschwerk unter der Schneedecke ab und die kahlen Zweige junger Laubbäume ragten wie dürre, skelettartige Finger aus dem Weiß. Trotz des Schneetreibens waren die flatternden rot-weißen Bänder, mit denen man den Bereich um die Leiche weitläufig abgesperrt hatte, deutlich zu erkennen. Verwundert stellte ich fest, wie viele Leute sich im gleißenden Flutlicht tummelten. Etliche Uniformierte standen vor der Absperrung herum, die meisten wirkten etwas orientierungslos, ihre Augen waren glasig, die Haare – sofern sie nicht unter Mützen steckten – strähnig, die Gesichter aufgedunsen. Was auf den ersten Blick wie ein Mickey-Rourke-Lookalike-Contest aussah, war in Wahrheit wohl eher auf die Uhrzeit zurückzuführen: Es war kurz nach sieben in der Früh. Eine Zeit, die mir selbst nur vom Hörensagen bekannt war. Hätte mich José, der selbst kein Auto besaß, nicht mit penetrantem Klingeln aus dem Bett geholt, damit ich ihn unverzüglich zum Fundort der Leiche fuhr, befände ich mich noch selig schlummernd in demselben.

Stattdessen sah ich mich jetzt einer bissigen Kälte ausgesetzt, die mir die Tränen in die Augen trieb und allmählich unter meine Kleider kroch.

Ich schlang die Arme um meinen Oberkörper, während ich beobachtete, wie sich vier Polizisten damit abmühten, eines dieser weißen Zelte aufzurichten, wie man sie von verregneten Grillpartys kannte. Die Seitenwände blähten sich wie Segel im Wind, als die Männer jetzt versuchten, das Zelt über der Leiche zu platzieren, um sie vor dem Schneefall zu schützen. Ein Beamter leistete sich eine Unachtsamkeit und ließ kurz los, und schon riss der Sturm das Zelt wieder mit sich fort. Fluchend rannten ihm die Männer hinterher.

Auf der verzweifelten Suche nach brauchbaren Spuren wuselten derweil vermummte Gestalten in weißen Overalls um die Leiche herum. Ob sie etwas fanden, war im Schneegestöber nicht genau festzustellen, ich hielt es aber für eher unwahrscheinlich.

Außerhalb des abgesperrten Bereichs warteten Fotografen und Journalisten – unschwer an der Ausrüstung, den speckigen Lederjacken und den qualmenden Zigaretten auszumachen – und reckten die Köpfe, um das Geschehen besser verfolgen zu können. Kollegial verteilten sie untereinander Plastikbecher mit dampfendem Kaffee.

Nicht nur an der Landstraße unten, auch entlang des Waldweges waren mir die Streifenwagen aufgefallen und selbst auf der Lichtung waren etliche davon geparkt. Dem Aufmarsch an Personal nach zu urteilen, handelte es sich hier um einen äußerst wichtigen Fall.

Was auch Josés Eile erklärte. Während der Fahrt hatte er angespannt gewirkt und sich ungewohnt wortkarg gegeben. Erst auf mein hartnäckiges Nachfragen hin hatte er mir das Allernotwendigste verraten: junger Ausländer, tot, von Spaziergänger gefunden, im Wald bei Zumikon, außerhalb Zürichs.

An einen Unfall hatte von Anfang an niemand geglaubt, wie das Polizeiaufgebot deutlich machte, und wenn ich mir die immer stärker werdenden Rechtstendenzen in der Schweiz vor Augen führte, war wohl das Schlimmste zu befürchten.

Ein weiterer Wagen war jetzt zu hören, ein dunkler Mercedes, der in halsbrecherischem Tempo den Waldweg heraufpreschte und ruckartig vor der Absperrung anhielt. Als wäre es ein inszenierter Auftritt, ließ genau in diesem Augenblick der Sturm nach. Der Wind flaute ab, nur der Schnee fiel weiterhin in großen, flauschigen Flocken vom dämmrigen Himmel. Die Journalisten verstummten abrupt und wirkten mit einem Mal angespannt, während die Uniformierten entweder eine stramme Haltung annahmen oder beschäftigt guckten. Die ganze Welt schien den Atem anzuhalten.

Dann schwang die hintere Tür des Wagens auf und ein athletisch wirkender Mann mit grau melierter, perfekt sitzender Frisur entstieg ihm. Er blieb vor dem Fahrzeug stehen und blickte sich mit selbstgefälliger Miene nach allen Seiten um, als hätte er soeben unter frenetischem Beifall eine Bühne betreten. Mit einer geschmeidigen Bewegung schlug er den Kragen seines sandfarbenen Kamelhaarmantels hoch und schlüpfte unter dem Absperrband hindurch, das ein diensteifrig herbeigeeilter Beamter für ihn hochhielt. Gerade noch rechtzeitig entging er so der heranstürmenden Pressemeute, die ihm aufgeregt ihre Fragen hinterherbrüllte.

Nach wenigen Metern verlangsamte der Mann seine Schritte, als wäre ihm etwas Wichtiges eingefallen. Unvermittelt drehte er sich dann um und blickte mit pathetischem Gesichtsausdruck in die Kameras. Zeitgleich ging ein Blitzlichtgewitter über der Lichtung nieder.

»Kein Kommentar«, verkündete er mit fester Stimme, als die Fotografen ihre Bilder im Kasten hatten, und ließ sich von zwei Beamten zum Fundort der Leiche begleiten. Gereizt wedelte er die junge Frau zur Seite, die ihm Gummihandschuhe und einen weißen Overall entgegenstreckte, schüttelte flüchtig Hände und tauschte einige Worte mit den ranghöchsten Polizisten. Nachdem er alles Relevante registriert und gespeichert zu haben schien, trat er an den leblosen Körper heran, der seltsam zusammengekrümmt auf dem Boden lag.

Obwohl ich mich auf die Zehenspitzen stellte, konnte ich nichts Genaueres erkennen, der Tote befand sich zu weit von der Absperrung entfernt. Dafür entdeckte ich einen älteren Mann in einer dicken Winterjacke, der mit hochgeschlagenem Kragen etwas abseits stand und gerade von einer Polizistin mit Kaffee versorgt wurde. Der Spaziergänger, der die Leiche entdeckt hatte, nahm ich an. Er wirkte verdrossen, was seine vom dampfenden Heißgetränk beschlagene Brille noch verstärkte. Wahrscheinlich harrte er schon viel zu lange in der Kälte aus. Sein Hund, ein Beagle, stand schlotternd neben seinem Herrchen und beobachtete wachsam das Geschehen.

Ich stampfte mit den Füßen auf, um mich zu wärmen, während ich mich nach José umsah. Eben hatte er noch vor mir gestanden und wie alle anderen Fotos von dem Mann im Kamelhaarmantel geschossen, doch jetzt war er verschwunden. Merkwürdigerweise hatte er seinen Rucksack und die Fototasche zurückgelassen.

Allmählich hörte es ganz auf zu schneien. Hinter dem Absperrband hatten die Männer es endlich geschafft, das Zelt wieder einzufangen, etwas umständlich bewegten sie es jetzt zur Leiche hinüber. Zeitgleich zuckten von der gegenüberliegenden Seite grelle Lichtblitze über die Szene, worauf mehrere Beamte losrannten, um den Eindringling dingfest zu machen. Der Mann, den ich im folgenden Tumult nicht erkennen konnte, war offenbar auf einen Baum geklettert, um von dort die Leiche zu fotografieren. Sofort stellten sich einige Polizisten breitbeinig an die Absperrung, um mögliche Nachahmer einzuschüchtern, während ich jetzt im Scheinwerferlicht José erkannte, der von zwei Beamten unsanft durch den Schnee geschleift wurde. Ich war nicht wirklich überrascht. Erst als er aus der Sperrzone geschafft war, ließen die Polizisten ihn wieder los.

»Joder! Ich hatte es beinahe geschafft! Ein paar Sekunden länger auf dem Baum und ich hätte ein brauchbares Bild hingekriegt. Que mierda! Sieh dir das an! Alles komplett verwackelt!«, fluchte José, als er wieder neben mir stand. Verärgert presste er die Lippen zusammen und starrte auf das Display seines Fotoapparates.

»Wer ist es?«, fragte ich und reckte den Hals, um einen Blick auf die Anzeige zu erhaschen.

»Na gut, wenigstens eine Aufnahme ist halbwegs brauchbar.« José drehte die Kamera zu mir um, sodass ich mir das Bild angucken konnte. Etwas unscharf war darauf ein junger Mann zu sehen, fast noch ein Kind. Selbst in dieser Qualität war unübersehbar, dass er übel zugerichtet worden war. Seine Wangenknochen wirkten eingedrückt, beide Arme und ein Bein waren unnatürlich verrenkt. An der Stelle der Nase war nur noch blutiger Knorpel übrig. Der Junge trug eine fleckige Bluejeans und ein zerschlissenes orangefarbenes T-Shirt mit einem Totenkopf vor gekreuzten Knochen, darüber leuchtete ein riesiges Herz in knalligen Farben. Er hatte die Augen geschlossen, die Partie um den Mund war eingefallen, seine Lippen schimmerten bläulich. Zwanzig Jahre alt schätzte ich ihn etwa, die dunkle Haut war unnatürlich blass, sein Haar schwarz gekraust und kurz geschnitten.

»Bestimmt irgendeine Drogengeschichte«, sagte José tonlos und drehte die Kamera wieder um. »Oder er ist den Glatzköpfen in die Quere gekommen.«

»Dem Aussehen nach könnte er Araber sein«, mutmaßte ich.

»Wir werden sicher mehr erfahren, sobald sich der Oberguru ein Bild von der Sache gemacht hat.«

»Du meinst George Clooney?« Ich hob den Kopf und bemerkte, dass der grau melierte Mann mit dem Kamelhaarmantel argwöhnisch zu uns herüberblickte. Jetzt kniff er die Augen zusammen und kam mit raschen Schritten auf uns zu.

»Sag mal, hast du Sehstörungen? Der ähnelt George Clooney ungefähr so …«

»Halt die Klappe«, zischte ich José zu, doch der ließ sich nicht beirren.

»… wie ich Jennifer Lopez.«

»Wie ich sehe, amüsieren sich die Herren bestens.« George Clooneys schnarrender Tonfall erinnerte mich unangenehm an meinen alten Geografielehrer. Aus der Nähe betrachtet, schwand auch die Ähnlichkeit mit dem amerikanischen Schauspieler, einzig die Haarfarbe und die perfekt sitzende Frisur waren den beiden Herren gemeinsam. Mein Gegenüber hatte ein viel kantigeres Gesicht, das Kinn war vorgeschoben, wie man es oft bei sehr ehrgeizigen Leuten sieht, die Haut straff und gebräunt, die Augen stahlblau: Ein gut aussehender Mittvierziger, der zweifelsohne um seine Wirkung auf andere wusste. Ich fragte mich, ob er Josés letzte Bemerkung mitgehört hatte. Seine Miene jedenfalls war ernst. Auch das unterschied ihn von Mr. Clooney: Aus seinen Augen blitzte kein Funke Ironie.

»Sind Sie nicht Vijay Kumar, der Privatdetektiv?«, sprach mich der Mann an.

Etwas verdutzt bejahte ich. Ich konnte mich nicht entsinnen, ihm schon einmal begegnet zu sein.

»Tobler«, stellte er sich kurz angebunden vor und streckte mir die Hand entgegen. »Staatsanwalt von der Staatsanwaltschaft IV für Gewaltdelikte.«

»Und woher kennen wir uns?«, hakte ich vorsichtig nach. Ich hatte keine Ahnung, was der Mann von mir wollte.

»Ich lese die Zeitung, unter anderem«, erwiderte er mit einem dürren Lächeln. »Der indischstämmige Schweizer, so werden Sie häufig beschrieben. Sie waren im vergangenen Jahr maßgeblich daran beteiligt, dass der Mord am rechten Politiker Walter Graf aufgeklärt wurde, zuvor haben Sie einen bekannten Bankier abscheulichster Verbrechen überführt. Ein unbeschriebenes Blatt sind Sie in dieser Stadt jedenfalls nicht.«

Insgeheim fragte ich mich, ob das gut oder schlecht war. Für meine Detektei in Zürichs Kreis 4, die ich mittlerweile seit zwei Jahren mehr oder weniger erfolgreich führte, war eine gewisse Reputation sicher von Vorteil. Doch dieser Tobler wirkte alles andere als erfreut, mich hier zu sehen.

»Ich hoffe sehr, dass Sie aus rein privaten Gründen vor Ort sind …« Er beendete den Satz nicht und blickte mich abwartend an. Die unausgesprochene Drohung war deutlich genug.

»Natürlich«, beeilte ich mich, ihn zu beschwichtigen, »ich habe nur meinen Freund José hier …«

Blasiert winkte der Staatsanwalt ab. »Ob Sie’s glauben oder nicht: Ihre Lebensgeschichte interessiert mich nicht ansatzweise. Sparen Sie sich diese für Ihre Memoiren oder Ihren Therapeuten. Aber die Grenze verläuft für Sie entlang dieses Absperrbandes, nur damit das klar ist.«

Unsanft schob mich José zur Seite und trat, das Diktiergerät gezückt, auf Tobler zu. »Was haben Sie bisher über den Toten herausgefunden? Wissen Sie schon, wer er ist? Woher er kommt? Die Todesursache?«

Doch der Staatsanwalt bedachte ihn nur mit einem verächtlichen Blick. »Die Grenze, Kumar. Denken Sie daran!« Er nickte mir kühl zu und stapfte durch den Schnee zurück zu dem weißen Zelt, das endlich schützend über dem Toten stand.

»Arrogantes Arschloch«, kommentierte José halblaut und steckte das Diktafon wieder ein. »Aber ein hübsches Foto habe ich da gerade geschossen.« Grinsend blickte er auf das Display seines Fotoapparates. Dann hob er den Kopf und spähte zum Pulk der Journalisten, der mit gelangweilten Mienen auf der Lichtung herumlungerte. Rauchschwaden stiegen aus dem Grüppchen auf, als ließen sie ihren Redaktionen geheime Nachrichten zukommen.

»Ich frag mal bei den Aasgeiern nach, was sie herausgefunden haben«, brummte José. Während er sich zu seinen Berufskollegen begab, ging ich ein paar Schritte an der Absperrung entlang und lehnte mich immer wieder unauffällig vor, in der Hoffnung, erkennen zu können, was sich im Innern des Zeltes abspielte. Schließlich war ich Detektiv und Neugier die Grundlage meines Geschäfts.

Leider verdeckte mir der breite Rücken eines Beamten, der wie festgenagelt den Zelteingang bewachte, den Blick. Staatsangestellte, dachte ich ärgerlich, die rühren sich wirklich nur zur Mittagspause oder bei Feierabend. Leider stand gerade weder das eine noch das andere an.

Misslaunig lehnte ich mich an einen Baumstamm und brütete vor mich hin. Dabei packte mich die jähe Lust nach einer Zigarette, was in letzter Zeit immer wieder vorkam. Doch nachdem ich vor sechsundzwanzig Tagen und siebzehn Stunden mit dem Rauchen aufgehört hatte, verbat ich es mir, jeweils länger als ein paar Atemzüge daran zu denken. Tatsächlich war das anfängliche, sehr körperliche Zerren, das aus meinem tiefsten Innern heraus nach einem Glimmstängel zu gieren schien, im Verlauf der beinahe vier Wochen kontinuierlich schwächer geworden. Mit dem schwindenden Verlangen hatten auch meine Gedanken wieder andere Themen zugelassen. Einzig in Verbindung mit Alkohol sah ich mich gefährdet, das Kamel wurde dann schnell zur Loreley. Doch trotz des Zitterns, das mich dabei manchmal erfasste, hatte ich dem verführerischen Werben bislang noch nie nachgegeben.

Ich stopfte mir einen der Kaugummis in den Mund, die ich für solche Situationen mit mir herumtrug. Wild Cherry stand auf der Verpackung, eine Geschmacksrichtung, die mir in freier Natur noch nie begegnet war. Dem Hersteller wohl auch nicht, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass wilde Kirschen intensiv nach Weichspüler dufteten. Es schmeckte widerlich, doch es hielt mich wenigstens vom Rauchen ab.

Der Uniformierte hatte sich immer noch nicht bewegt und schien vor Ort auf seine Pension zu warten. Schnee rieselte plötzlich auf mich herunter, und als ich den Kopf hob, entdeckte ich einen Eichelhäher, der in der Baumkrone über mir von Ast zu Ast hüpfte und das Geschehen unter sich mit schräg gelegtem Kopf verfolgte. Ein hübscher Vogel mit hellbraunem, etwas ins Altrosa abdriftendem Federkleid, die Partie unter seiner Schulter leuchtete himmelblau gestreift vor der verschneiten Kulisse. Ich folgte dem Häher ein paar Schritte bis zum oberen Ende des abgesperrten Bereichs. Unvermittelt hielt der Vogel inne und schien zu lauschen. Dann duckte er sich leicht, spreizte die Flügel und erhob sich beinahe geräuschlos in die Luft. Pulvriger Schnee stob auf, und der Zweig, auf dem er gesessen hatte, wippte noch einen Atemzug lang nach. Ich stutzte und kniff die Augen zusammen. Die Bewegungen des Eichelhähers hatten große Teile des Geästs ringsherum vom Schnee befreit, und dabei enthüllt, was zuvor nicht sichtbar gewesen war: Die Spitze des längsten Astes war abgebrochen, die längliche, vorn zersplitterte Bruchstelle hob sich hell gegen die dunkle Rinde ab. Mein Blick wanderte nach unten, wo das weiße Zelt stand. Der Ast befand sich genau über dem Fundort der Leiche.

»Nada! Die haben rein gar nichts!« Verärgert schwenkte José die Thermoskanne in der Luft, bevor er Kaffee in einen Pappbecher goss und ihn mir unter die Nase hielt.

»Sekunde!« Ich klammerte mich gerade mit beiden Händen an das Steuer meines Käfers, der wegen der schneebedeckten Überlandstraße in den Kurven bedenklich schlingerte. Erst als wir sicher in die Forchstrasse eingebogen waren und kurz danach Zumikon hinter uns gelassen hatten, nahm ich den Becher entgegen. Die dunkle Brühe war nur noch lauwarm, trotzdem konnte ich nach dem ersten Schluck förmlich spüren, wie die Restwärme durch meinen Körper schoss und ihn allmählich wieder auftaute. Der Alkohol kümmerte sich derweil um den gemütlichen Teil und ließ mich entspannt in den Sitz zurücksinken, während Josés fortwährende Schimpferei an mir abperlte.

»Cabron! Ein Gewaltverbrechen! Das ist alles! Mehr Angaben konnte dieser Tobler nicht machen. So ein Gillipollas! Das war ja offensichtlich! Dafür hätten wir uns nicht stundenlang den Arsch abfrieren müssen!«

Ich wusste aus Erfahrung, dass es bei José in solchen Situationen länger dauern konnte, bis Puls und Ausdrucksweise wieder auf gesellschaftsfähiges Niveau absanken, denn wir hatten schon zusammen die Schule besucht. Zudem war er gebürtiger Spanier. Zwar grundsätzlich ein friedfertiger und eher träger Mensch, aber wenn er sich aufregte, vergaß er schnell seine gute Kinderstube.

Wobei er seit einiger Zeit ohnehin gereizt drauf war. Der Grund dafür musste seine Freundin Fiona sein. Denn diese drängte darauf, mit ihm zusammenzuziehen, wie er mir kürzlich mit banger Miene und schon nach einer besorgniserregend niedrigen Anzahl Drinks anvertraut hatte. Seither versuchte er mit allen Tricks, den Umzug hinauszuzögern, nachdem er Fiona noch im vergangenen Jahr auf der Stelle hatte heiraten wollen. Was wiederum sie abgelehnt hatte.

In Gedanken daran seufzte ich leise, während wir an säuberlich aufgereihten Einfamilienhäuschen vorbeifuhren. Links erhob sich der Zollikerberg, mehr ein bewaldeter Hügel als wirklich ein Berg. José kritzelte mit griesgrämiger Miene ein paar Stichworte in eine abgegriffene Kladde und schimpfte dazu halblaut vor sich hin.

Die Nacht nach Fionas Nein hatten José und ich auf meinem Sofa verbracht. Sie war gezeichnet gewesen von einer beachtlichen Menge Amrut, meinem indischen Lieblingswhisky, und einem schier endlosen Monolog Josés, an den ich mich nur noch bruchstückhaft erinnern konnte. Nicht zuletzt weil ich wohl phasenweise eingenickt war, die etwas einseitige Thematik vertrug sich schlecht mit meiner alkoholbedingt eingeschränkten Aufmerksamkeit. José schien das in seinem Eifer jedoch nicht bemerkt zu haben und hatte sich am nächsten Morgen überschwänglich fürs Zuhören bedankt.

Aber dazu sind Freunde ja da.

»Joder! Was soll ich jetzt bloß schreiben?« José hatte sich noch nicht ganz beruhigt, immerhin unterbrach er jetzt sein Gemotze, um einen Becher Kaffee hinunterzustürzen.

»Dir wird schon was einfallen«, brummte ich beschwichtigend. »Tut es doch immer. Das ist doch das wahre Talent von euch Gratisblatt-Journalisten: Ihr macht aus nichts … mehr.« Ich grinste schief.

»Warum sagst du nicht gleich aus Mücken Enten!« José schob beleidigt die Unterlippe vor.

»Diesmal hoffentlich nicht. Und ein paar Informationen sind ja doch zusammengekommen«, bemühte ich mich hastig, ihn zu besänftigen. »Das reicht sicher für einen weiteren fesselnden Artikel von dir.«

»Schleimer!« José guckte mich mit gespielter Schroffheit an, aber ich sah, dass er geschmeichelt war. Ziel erreicht. Wir kannten uns mittlerweile so gut, dass jeder wusste, was im anderen vorging, unsere Macken waren uns vertraut, und es kam nicht selten vor, dass wir in einem Moment den gleichen Gedanken aussprachen. Wie ein seit Urzeiten verheiratetes Ehepaar. Schrecklich eigentlich, wenn man so darüber nachdachte. Ich leerte meinen Becher und zerknüllte ihn in der Hand.

»Der Junge war tiefgefroren und trug weder Ausweise noch Geld bei sich. Nicht einmal ein Mobiltelefon. Der Spaziergänger hat angegeben, dass er mit seinem Hund jeden Tag dieselbe Route läuft, aber am Vortag sei ihm nichts aufgefallen. Und Spuren wird man keine gefunden haben bei dem Schneesturm!«

José stöhnte. »Das sind wirklich erbärmlich wenig Informationen.«

Er holte die Kamera hervor und betrachtete erneut das verwackelte Bild der Leiche auf dem Display.

»Ich frage mich schon die ganze Zeit, wer zu so was fähig ist. Der Ärmste wurde wirklich übel zugerichtet. Da ist jemand mit äußerster Brutalität vorgegangen, die Knochenbrüche sind sogar mit bloßem Auge zu erkennen. Und sein Gesicht scheint unter einen Lastwagen geraten zu sein.«

»Das ist mir vorhin auch aufgefallen. Als hätte der Täter vor Wut die Kontrolle verloren und blindlings zugeschlagen. Allerdings …« Ich brach ab.

»Was?«

»Nichts.«

Wir hatten Witikon erreicht, ein abgeschiedenes Quartier am Stadtrand. Unter uns, am Fuße des Abhangs, lag das Zürichhorn, daneben das verwaiste Strandbad Tiefenbrunnen. Nachdenklich blickte ich auf den schiefergrauen See. Möwen kreisten über einer kleinen Gestalt am Uferweg, ein paar Schwäne näherten sich in gesetztem Tempo. Über dem Hirzel, dem Hügelzug auf der anderen Seeseite, hing eine fahle Wintersonne. Endlich war mir wieder wärmer. Ich entledigte mich der Fellmütze und öffnete den Reißverschluss meiner Jacke. Dabei dachte ich über den Fundort der Leiche nach. Der abgebrochene Ast direkt darüber ging mir einfach nicht aus dem Sinn.

Während sich auf dem Weg zur Arbeit und zurück täglich Tausende von Agglomerationsbewohnern in den S-Bahnen so eng zusammendrängten, dass sie bei jeder Bremsung unabsichtlich den Ohrenschmalz des Nebenmannes mit der Nasenspitze rauspulten, genoss ich das Privileg, in einer multifunktionalen Wohnung zu leben, die je nach Auftragslage als Büro oder Heim fungierte. Wenn ich pendelte, war es einzig vom Bett zum Schreibtisch oder vice versa. Ich brauchte dazu auch keinen Limousinenservice, denn – anders als bei vielen Neubauten im Quartier – in meiner heruntergekommenen Zweizimmerunterkunft an der Dienerstrasse waren Bett und Tisch in Sichtweite voneinander entfernt. Natürlich hätte ich nichts gegen eines dieser hangargroßen Lofts oder eine pompös umgebaute Altbauwohnung einzuwenden gehabt, wie sie seit geraumer Zeit überall in der Stadt zu horrenden Preisen angeboten und erstaunlicherweise auch vermietet wurden. Ein Umzug hätte jedoch eine wesentlich umfassendere Kundenkartei erfordert. Wahrscheinlich wäre mir selbst dann das Geld schon nach der Überweisung der Kaution ausgegangen, obwohl ich mittlerweile wirtschaftlich etwas besser dastand als zu Beginn meiner Karriere. Was mich glücklicherweise davor bewahrte, im indischen Lebensmittelgeschäft meiner Mutter Regale aufzufüllen oder mit einem gefühligen RAV-Berater meine beruflichen Perspektiven abzutasten.

Ein Wohnungswechsel kam aber keinesfalls infrage, nicht einmal in erster Linie wegen meiner finanziellen Unzulänglichkeit. Vielmehr fühlte ich mich im Kreis 4 zu Hause, der einst verruchtesten Gegend Zürichs, auf welche die Bourgeoisie – war sie auf der Suche nach erotischen oder bewusstseinsverändernden Vergnügungen nicht gerade in den billigen Kaschemmen und schmuddeligen Hinterzimmern unterwegs – stets abfällig hinuntergeblickt hatte. Im Gegenzug hatten sich hier Immigranten wie meine Eltern vor allem wegen der billigen Mietpreise und der weltoffenen Stimmung niedergelassen. In diesem Stadtteil war ich aufgewachsen und ich hatte keineswegs vor, mich von der Invasion finanzstarker Zuzügler, deren opulenten Wohnbedürfnissen eine zahlbare Unterkunft nach der anderen zum Opfer fiel, vertreiben zu lassen. Und so lange mein Vermieter sich standhaft weigerte, die Immobilie zu verkaufen, in der sich meine Wohnung befand, würde ich auch daran festhalten.

Ein dunkler Schreibtisch bildete den Mittelpunkt meines Büros, das gleichzeitig als Wohnzimmer diente. Neben der Eingangstür stand ein abgewetztes Sofa, das ursprünglich für die wartende Klientel gedacht war, wegen mangelnden Bedarfs aber häufig anderweitig benutzt wurde, sei es für eines meiner Inspirationsnickerchen zwischendurch. Oder als rettende Sitzgelegenheit, wenn jemandem das Geradestehen während einem der Apéros schwerfiel, die ich zusammen mit meinen besten Freunden José und Miranda – regelmäßiger als vernünftig gewesen wäre – veranstaltete. Der niedrige Beistelltisch davor war mit Illustrierten und Magazinen übersät, und an der Wand gegenüber befand sich eine mit orientalischen Schnitzereien verzierte Truhe, auf der eine rosafarbene Ganesha-Statue thronte, ein Abbild des bekannten hinduistischen Gottes mit dem Elefantenkopf.

Diesen fixierte ich jetzt, während ich grübelte, was dem Jungen widerfahren sein mochte. Es war vor allem die Art, wie er wahrscheinlich ums Leben gekommen war, die mich bestürzte. Die Gewaltbereitschaft hatte gerade in jugendlichen Kreisen in den letzten Jahren erschreckende Ausmaße angenommen. Immer wieder berichteten die Zeitungen darüber, dass Passanten auf Bahnhöfen, vor Klubs oder sogar in Fußgängerzonen Opfer von brutalen Übergriffen wurden.

Auch bei meinem letzten größeren Fall war ein junger Mann von einer Gang mitleidlos ins Koma geprügelt worden. In der Zwischenzeit hatte er sich glücklicherweise erholt und besuchte die Hotelfachschule. Doch noch immer wurde Fernando medikamentös behandelt, ihn plagten Albträume und er litt unter Angstzuständen, wie er mir bei unserem letzten Aufeinandertreffen an der Langstrasse verraten hatte.

Ich erhob mich und schaute auf die Straße hinunter. Das Quartier wirkte verlassen. Schmutziger Schnee häufte sich an den Rändern der Gehsteige, in den Wohnungen gegenüber waren die rauchvergilbten Gardinen zugezogen, einzig im Frisiersalon weiter vorn brannte Licht. Zwei Kondensstreifen kreuzten sich am Himmel über dem Stadtteil Höngg. Der Verkehr schleppte sich im Schritttempo über die Langstrasse und das Leuchtschild der Lambada Bar vorn an der Kreuzung schimmerte mattrot. Die zwei in dicke Jacken vermummten Männer, die darunter standen, sahen mehr gelangweilt als verschlagen aus, beiden hing eine glimmende Kippe im Mundwinkel.

Statt ebenfalls zur Zigarette zu greifen, schob ich mir einen Wild Cherry – Kaugummi in den Mund und malmte angewidert.

José war an der Josefstrasse ausgestiegen, wo er in einer Mansarde unter dem Dach wohnte. Noch jedenfalls, solange es Fiona nicht gelang, ihre Wünsche durchzusetzen. Was wohl nur eine Frage der Zeit war. Ich nahm an, dass sich mein Freund gerade einen reißerischen Bericht über den Leichenfund aus den Fingern sog.

Das malträtierte Gesicht des Jungen im Schnee ließ mich nicht los, noch immer sah ich seine unnatürlich verrenkten Glieder vor mir.

Die Einsamkeit, die von dem leblosen Körper ausgegangen war, konnte ich mir vernunftmäßig nicht erklären. Trotzdem hatte ich sie überdeutlich gespürt. Ein junger Mensch, der von allen im Stich gelassen worden war. Der allein auf sich gestellt dem Tod ins Auge blicken musste. Was für eine schreckliche und gleichzeitig unsäglich traurige Art zu sterben.

Ich war sonst nicht so empfänglich für derartige Dinge, dazu war ich zu rational veranlagt, zu sarkastisch auch, doch in diesem Fall war es anders. Vielleicht lag es auch am Alter und ich wurde mit meinen vierunddreißig Jahren allmählich sentimental.

Ich grübelte erneut über den abgebrochenen Ast nach, der mir über der Fundstelle der Leiche aufgefallen war. Es konnte gut sein, dass er überhaupt nichts mit dem Tod des Jungen zu tun hatte, doch in der Zwischenzeit war ich zu lang im Geschäft, um noch an Zufälle zu glauben. Ich setzte mich wieder hinter meinen Schreibtisch und schenkte mir zur Unterstützung meiner Hirntätigkeit ein Glas Amrut ein. Ausnahmsweise trank ich ihn ohne Eis, mir war immer noch kalt von unserem morgendlichen Ausflug.

Der Ast war erst kürzlich abgebrochen, das noch helle Holz sprach eindeutig dafür. Auch an einigen benachbarten Bäumen hatten Zweigspitzen gefehlt. Was den Gedanken ausschloss, der mir als Erstes durch den Kopf geschossen war – nämlich dass sich der Mann erhängt hatte und das trockene Holz seinem Gewicht nicht hatte standhalten können. Ebenso unwahrscheinlich war, dass es ein Fremder getan hatte. In beiden Fällen hätte man selbst auf Josés mittelmäßiger Aufnahme Einschnitte des Strangs an seinem Hals sehen müssen. Diese Theorie konnte ich also getrost verwerfen.

Ohnehin hätte das auch nicht die schweren Verletzungen im Gesicht des Jungen erklärt. Das sah aus, als hätte jemand in blinder Wut mit einem Baseballschläger darauf eingeprügelt.

Ich fragte mich jedes Mal, wenn ich von solchen Fällen las, was für Menschen das waren, was für ein Leben sie wohl führen mochten, mit wem sie zusammen waren. Was brauchte es, um solchen Hass zu empfinden? Was musste in so einem Leben schiefgelaufen sein, damit man auf einen anderen derart eindrosch, dass er daran starb?

Natürlich gab es keine befriedigenden Antworten darauf. In den Interviews mit Tätern, die ich gelesen hatte, zeigten viele keine Reue. Als würden sich diese jungen Menschen in einer Parallelwelt bewegen, in der es keine Moral, keine Verantwortung und auch keine Konsequenzen gab, als würde einen dort nichts tangieren und man notfalls mit einem Tastendruck ungeschehen machen könnte, was aus dem Ruder gelaufen war.

Manchmal machte mich das richtig wütend. An Tagen wie heute, an denen ich mich müde und ausgelaugt fühlte, verspürte ich nur Abscheu und Beklemmung.

Das Aroma der laborerzeugten Wildkirschen hatte sich längst verflüchtigt, trotzdem bearbeitete ich meinen Kaugummi, der sich in Konsistenz und Geschmack allmählich Fensterkitt annäherte, unermüdlich weiter. Das Knurren meines Magens ließ mich in meine selten benutzte Küche hinübergehen, wo ich den Kühlschrank durchsuchte, außer einer fleckigen Tube Tomatenmark und ein paar Dosen Bier jedoch nichts Verwertbares fand. In den Schränken über der Spüle brauchte ich gar nicht erst nachzugucken, ich wusste, dass sie leer waren bis auf Geschirr aus dem Brockenhaus sowie einer Auswahl edler Whiskygläser, die ich vor Jahren zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Immerhin fand sich eine Büchse Sardinen und eine angefangene Packung Spaghetti in einem Fach unter der Anrichte, doch der Blick auf das Verfallsdatum der Fischkonserve ließ mich sogleich nostalgisch werden. Das war die Zeit gewesen, als die Twin Towers noch standen, RTL auf die famose Idee kam, bescheuerte Mitmenschen in Container zu sperren und rund um die Uhr beim Bescheuertsein zu filmen, Lolo Ferrari unter ihren gewaltigen Silikonbrüsten erstickte und im Kino ein kleiner Junge mit sechstem Sinn tote Leute sah. Es war auch die Zeit gewesen, als ich noch allen Ernstes eine akademische Laufbahn in Betracht gezogen und nicht weniger ernsthaft auf die einzig wahre Liebe im Leben gehofft hatte, während ich mir das Warten mit Corinne, Susanne und Regula versüßte.

Verträumt strich ich mit dem Finger über die Sardinendose, doch ein unangenehmes Rumpeln im Magen katapultierte mich in die Gegenwart zurück. Der Deckel der Konserve war verdächtig gewölbt und etwas wehmütig schmiss ich sie in den Abfall.

Die Idee, wie damals in den Wohngemeinschaften Spaghetti mit Tomatensoße zu kochen, verwarf ich auf der Stelle und schlüpfte stattdessen in meine Winterjacke. Glücklicherweise gab es kulinarisch verlockendere Möglichkeiten, um mich vor dem Verhungern zu bewahren.

Der Hähnchenschenkel war, wie er sein musste: außen kross und stellenweise sogar leicht verkohlt, innen saftig. Ich mochte den dezenten Zitronengeschmack, das leicht rauchige Aroma, die säuerliche Frische des Joghurts und die milde Schärfe, die sich erst allmählich im Mund ausbreitete. Wenn jemand die perfekte Tandoorimarinade hinkriegte, dann war das meine Mutter.

»Lecker!«, schmatzte ich begeistert und beugte mich wieder über den üppig gefüllten Teller, den sie mir hingestellt hatte. Seit ich nicht mehr rauchte, eröffneten mir meine Geschmacksknospen in lukullischer Hinsicht ganz neue Welten. Früher war Essen eine fürs Überleben unverzichtbare Notwendigkeit gewesen, die ich hastig hinter mich gebracht und oft sogar zugunsten von ein paar Gläsern Amrut ausgelassen hatte.

Doch seit ich auf Zigaretten verzichtete, lernte ich den vielschichtigen Geschmack nicht nur der indischen Küche neu schätzen: Die einst simple Nahrungsaufnahme war für mich zum lustvollen Genuss geworden. Was sich leider auch im Gürtelbereich abzuzeichnen begann.

Nebst dem Hähnchenschenkel aus dem Ofen, den ich schon fast vertilgt hatte, hatte mir meine Mutter eine stattliche Portion Pilaw aufgeladen, mit Kardamom und Zimt gewürzten Reis, kombiniert mit zarten Lammstückchen, daneben einen großen Löffel des traditionellen indischen Linsengerichts Daal und einen grellgrünen Klacks des unvermeidlichen Minzchutneys. Auf einem zweiten Teller türmten sich hauchdünne und knusprige Papadams, frittierte Linsenfladen, nebst scharf eingelegten Mangostücken. Ich hatte es vorgezogen, mich an einem der Stehtische zu verpflegen, die seitlich neben dem Tresen standen, denn ich wollte nicht lange bleiben.

Der Laden lief mit jedem Jahr besser. Mittlerweile hatte meine Mutter, eine etwas untersetzte, aber umso energischere Frau, Stühle und Tische angeschafft, damit die Kundschaft sich zum Essen auch setzen konnte.

Zusätzlich zu den indischen Stammkunden, was viele Schweizer als Ritterschlag für die Küche deuteten, sah man vermehrt auch Geschäftsleute, welche vielleicht schon zu viele der überkandidelten Restaurants in der Stadt besucht hatten und gerade deswegen die Einfachheit des Lokals schätzten. Daneben kamen aber auch Prominente, Polizisten und Prostituierte vorbei, die einen manchmal sogar in Begleitung der anderen, vegetarische Esoterikerinnen, Yogalehrer und Künstler aus dem Quartier. Eine bunt gemischte Gästeschar.

Was einst ein Lebensmittelladen gewesen war, hatte meine Mutter den Bedürfnissen der Gäste angepasst. Und so war aus dem Geschäft mit kleiner Take-away-Theke ein Restaurant mit täglich wechselnden Menüs geworden, in dem man sich nebenbei mit Currymischungen, gefrorenem Fisch und frisch aus Mumbai importiertem Gemüse und Kräutern eindecken konnte.

»Was hast du gesagt?«, fragte meine Mutter, die gerade einen leer gewordenen Tisch abgeräumt hatte und nun mit einem Stapel schmutzigen Geschirrs an mir vorbeilief.

»Lecker«, wiederholte ich, worauf sie mir einen überraschten Blick zuwarf.

»Wirklich? Ich hab ihr noch gesagt, dass sie nicht so viel Knoblauch drangeben soll …« Sie sah sich mit hochgezogenen Augenbrauen um.

»Es ist perfekt, glaub mir, Ma«, bekräftigte ich mein Lob.

»Manju hat sie zubereitet«, erklärte sie unwillig und begab sich hinter den Tresen, wo sie das Geschirr etwas zu scheppernd auf der Spülmaschine platzierte, die sie sich ebenfalls neu angeschafft hatte.

Sofort blickte ich mich nach Manju um und entdeckte sie an einem der hinteren Tische, wo sie gerade kassierte. Vier hellhäutige, nicht mehr ganz taufrische Frauen in weiten, indisch anmutenden Gewändern, die auffälligen Ethnoschmuck, Hennaverzierungen auf den Händen und zu viel Wimperntusche trugen. Zwei von ihnen hatten sich kunstvoll gewickelte Turbane aufgesetzt. Die Damen stellten sich gerade äußerst umständlich an, weil die eine den Tee der anderen bezahlen wollte, diese aber gern die Hälfte der Mineralwasserflasche, die sie geteilt hatten, zudem konnte sich keine erinnern, Paneer Karahi bestellt zu haben. Und sowieso musste jemand noch die andere Hälfte des Wassers übernehmen.

Manju, die eine helle Seidenbluse und einen goldenen Gürtel zu engen schwarzen Hosen trug, wandte ungeduldig den Kopf, während die Frauen zischelnd darüber stritten, wer welchen Betrag berappen musste. Unsere Blicke trafen sich kurz. Manju zwinkerte mir zu, bevor sie sich wieder zu den Damen hinunterbeugte und darauf hinwies, dass Paneer das vegetarische Tagesmenü sei. Worauf erleichterte Rufe hörbar wurden. Manju sah mich an und rollte unauffällig mit den Augen. Dann regelte sie die Verteilung des Betrags mit der beängstigend ruhigen Stimme einer Kindergärtnerin am Rande des Nervenzusammenbruchs.

»Du kochst fabelhaft«, sagte ich zu ihr, als sie gleich darauf an meinen Stehtisch kam. Ich hatte mittlerweile beide Teller restlos leer gegessen.

Sie errötete und machte eine abwehrende Bewegung. »Chup kar, Vijay!«

»Doch, doch, das Tandoorihähnchen war so toll …«, ich überlegte angestrengt, »… so toll wie …«, der passende Vergleich fiel mir einfach nicht ein.

»… wie wenn es deine Mutter gemacht hätte?«, ergänzte Manju spöttisch lächelnd. Wie auf Kommando richtete sich meine Mutter auf, welche die Maschine mit Geschirr befüllte, und musterte uns misstrauisch.

»Nun ja …«, murmelte ich halblaut und verzichtete darauf, den Satz zu beenden.

Manjus Lächeln wurde noch einen Tick spöttischer. Sie ließ mich stehen, kam aber mit zwei Tassen dampfenden Chais zurück. Eine stellte sie vor mich hin, um die andere legte sie beide Hände und blies vorsichtig hinein. »Und du?«

»Was?«

»Aré, kochst du?«

Ich zuckte mit den Schultern.

»Ich wette, du kannst nicht kochen«, neckte sie mich und kicherte.

Beleidigt richtete ich mich auf. »Ich hab meine Geheimrezepte. Da gehen die Leute scharenweise auf die Knie!«

»Weil ihnen sterbenselend wird?«

»Mach dich nur lustig über mich!« Eingeschnappt trank ich einen Schluck Tee.

War Manju vor zwei Jahren noch ein verhuschtes Mädchen gewesen, das meine Mutter aus der alten Heimat zu sich geholt hatte, weil sie dringend eine billige Aushilfe für den Laden und noch dringender eine zukünftige Ehefrau für mich gebraucht hatte, so hatte sie sich in der Zwischenzeit zu einer selbstbewussten jungen Frau entwickelt. Sie hatte nicht nur eigenständig einen branchenüblichen Lohn ausgehandelt, den ihr meine Mutter zähneknirschend auszahlte, sondern – für mich unverständlich – auch kaum auf mein Werben reagiert. Und doch knisterte die Luft, wenn wir uns sahen. Zumindest hatte ich das Gefühl.

»Ach Vijay, das war doch nur Spaß. Lad mich mal ein, und ich werde dir verraten, was ich von deinen geheimen Delikatessen halte.« Sie zwinkerte mir nochmals zu und ließ mich allein am Tisch zurück.

Beinahe wäre sie mit einer der umständlichen Damen zusammengestoßen, die sich, in dicke Wintermäntel vermummt, an uns vorbei zum Ausgang drängten. Sie sahen aus, wie man sich wohl ein Rudel sibirischer Tarotlegerinnen vorstellte.

»Ich schaff dieses Tittibhasana einfach nicht!«, jammerte eine der Turbanträgerinnen. Sie hatte sich ein Bindi auf die Stirn gemalt, den traditionellen roten Punkt, der auch ›das dritte Auge‹ genannt wurde. »Letztes Mal habe ich das Gleichgewicht verloren und brauchte die Hilfe beider Lehrer, um mich wieder zu entknoten.«

»O je, die Firefly-Pose, das Glühwürmchen. Da musst du dich voll auf dein Mula-Bandha konzentrieren, sonst geht gar nichts«, hielt eine ihrer Freundinnen entgegen.

»Ha, mein Beckenboden! Wenn sich bloß Klaus ein bisschen mehr damit beschäftigen würde …«, seufzte die mit dem Bindi und rollte die Augen. Beide Frauen kicherten anzüglich, worauf sich neugierig eine dritte einmischte: »Wovon redet ihr?«

»Mein Gott, Marieclaire, was verstehst denn du schon von Yoga. Bleib bloß bei deinem Pilates!«

Wieder zu Hause, schenkte ich mir einen gut gemeinten Amrut ein, dann drehte ich meinen Stuhl zum Fenster und blickte hinaus.

Erste Schatten lagen auf der Dienerstrasse, der Schnee wirkte jetzt grau und schlierig. Immer noch durchkreuzten Kondensstreifen den dunkelrosa gefärbten Himmel. Da oben herrschte ein Verkehrsaufkommen wie freitags um siebzehn Uhr vor dem Gubristtunnel. Deswegen führten Flughafenanrainer wegen der entstehenden Lärmemissionen auch seit Jahren eine hitzige Debatte, die sich bis nach Süddeutschland ausgeweitet hatte. Ich vertrat die Meinung: Wer einen Metzgerteller bestellt, bekommt automatisch auch Sauerkraut. Anstatt hinterher zu jammern, lohnt es sich auf jeden Fall, erst mal auf die Karte zu gucken. Dasselbe galt bei der Wahl des Wohnorts.

Mit einem Mal erinnerte ich mich vage an einen Zeitungsbericht, den ich vor längerer Zeit in einem ähnlichen Zusammenhang gelesen hatte. Schwungvoll drehte ich mich samt Stuhl hinter den Schreibtisch zurück und weckte mein brandneues MacBook Pro, das ich mir von meinem letzten Honorar geleistet hatte, aus dem Stand-by-Modus. Eine Suchanfrage später hatte ich den gesuchten Artikel vom Frühling des letzten Jahres auf dem Bildschirm. Mit angehaltenem Atem starrte ich darauf und spürte nur noch mein Herz, das kräftig und regelmäßig schlug.

Der Bericht über den Toten, den man damals in der Nähe des Flughafens gefunden hatte, war kurz gehalten und mit Vermutungen gespickt, doch die Parallelen zum heutigen Leichenfund waren nicht von der Hand zu weisen. Seine Kleidung, der malträtierte Körper, die abgebrochenen Zweigspitzen – für all das gab es eine plausible Erklärung. Ich fragte mich nur, weshalb niemand darauf gekommen war.

Rasch verschaffte ich mir eine Luftansicht von Zumikon und der umliegenden Gegend. Einige Klicks später wusste ich auch, dass wegen des Schneesturms der Flughafen Zürich heute Morgen bis um neun Uhr geschlossen gewesen war. Damit wurde mir schlagartig klar, weshalb das Offensichtliche niemand gesehen hatte!

Wie elektrisiert sprang ich auf, schlüpfte in meine Schuhe und riss beim Hinausstürmen die Winterjacke vom Haken. Kurz nach vier. Wenn ich mich beeilte, würde ich ihn gerade noch erwischen.

Die Staatsanwaltschaft IV befand sich nur wenige Gehminuten entfernt an der Molkenstrasse. Der etwas zurückversetzte Eingang des länglichen fünfstöckigen Gebäudes aus den Achtzigerjahren lag direkt am Helvetiaplatz. Die Fassade bestand aus quadratischen taubengrauen Platten und verfügte über derart auffällige Jalousienschienen, dass der Bau von Weitem an den Gefängnistrakt in einem futuristischen Film erinnerte.

Keuchend blieb ich im überdachten Eingangsbereich stehen und überprüfte die Namen auf den Klingelschildern.

Dr. iur. Frank R. Tobler, der leitende Staatsanwalt, residierte in einem Büro im ersten Stock.

Ich verzichtete darauf zu rätseln, was das ›R.‹ bedeuten mochte. Wahrscheinlich steckte wie so oft simple Wichtigtuerei dahinter. Ohnehin waren mir Menschen suspekt, die auf ihren zweiten Vornamen zwar unbedingt hinweisen, ihn aber nicht ausschreiben wollten – der ehemalige amerikanische Präsident war mir dabei Beweis genug.

Der Aufgang zur Staatsanwaltschaft über die Treppe war nicht möglich, da eine abgesperrte, weiß gestrichene Gittertür dies verhinderte. Also nahm ich den Aufzug. Der verwaiste Empfangsbereich und der abgetretene Bodenbelag aus graubraunem Kunststoff strahlten eine düstere Tristesse aus. Auf einem zwischen zwei Wartesesseln eingeklemmten Tischchen stand eine grünlich schimmernde Glasschale, die bis zur Hälfte mit eingepackten Bonbons gefüllt war. An einem Kleiderständer hing eine vergessene Windjacke.

Als ich in den Korridor einbog, war Tobler gerade im Begriff, einen der Räume am Ende des Flurs zu verlassen. Er trug einen zweifelsohne maßgeschneiderten Anzug, den Kamelhaarmantel hatte er locker über den Arm gehängt. Seit dem Morgen hatte sich auf den ersten Blick kein Härchen seiner perfekt sitzenden Frisur verschoben.

»Dr. Tobler! Warten Sie!«, rief ich ihm zu, doch er schien mich nicht gehört zu haben, denn er wählte unbeirrt den passenden Schlüssel an seinem Bund und schloss ab. Ich rannte auf ihn zu. Erst als ich erneut seinen Namen rief, hob er den Kopf und sofort wechselte sein Gesichtsausdruck von irritiert zu abweisend.

»Was wollen denn Sie hier?«

»Ich habe eine Entdeckung gemacht! Ich weiß nicht, ob es Ihnen auch aufgefallen ist …« Ich blieb vor ihm stehen und wählte die folgenden Worte mit größter Diplomatie aus: »Nun, ich bin mir eigentlich sicher, dass Sie es auch bemerkt haben, schließlich sind Sie Staatsanwalt …«

Er blickte mich unverwandt kühl an. »Erinnern Sie sich an heute Morgen, Kumar? Auch wenn hier kein Absperrband zu sehen ist, die Weisung gilt trotzdem: Halten Sie sich verdammt noch mal raus!« Er presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und sein Kiefer schob sich nach vorn, der Blick wurde hart. »Und jetzt machen Sie, dass Sie hier rauskommen!«

»Ich habe eine Erklärung dafür, was mit dem Toten geschehen sein könnte!«

»Was Sie nicht sagen.« Dr. Tobler warf einen Blick auf seine betont schlichte Armbanduhr, die gerade deswegen wohl ziemlich teuer gewesen sein musste.

»Da waren Äste abgebrochen, direkt über dem Fundort der Leiche.«

Überrascht blickte er auf und sah mich prüfend an. Dann drehte er sich wieder zur Tür um und schloss sie auf. »Aber fassen Sie sich kurz, Kumar!«

Ich atmete auf. Immerhin zeigte er einen Funken Interesse. Was andererseits wohl bedeutete, dass er selbst nicht wirklich weitergekommen war.

»Es könnte gut sein, dass der junge Mann keinem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist …« Ich trat ein und verschaffte mir rasch einen Überblick, während er um den Schreibtisch herumging und den Mantel über die Lehne seines schwarzen ledergepolsterten Bürostuhls legte, ein Designerstück, ohne Zweifel.