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Titel

Der Autor

Jan Zweyer, geboren 1953 in Frankfurt am Main, lebt schon seit vielen Jahren in Herne. Sein halbes Leben war er in unterschiedlichen Funktionen bei verschiedenen Industrieunternehmen beschäftigt, heute ist Zweyer freier Schriftsteller.

Nach zahlreichen zeitgenössischen Kriminalromanen und -kurzgeschichten erschien 2007 das erste Buch der Trilogie um Peter Goldstein, das zur Zeit der Weimarer Republik spielt: Franzosenliebchen. In Goldfasan ermittelt Peter Goldstein unter Naziherrschaft und nun in Persilschein im Nachkriegsdeutschland.

www.jan-zweyer.de

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Kapitel 57

Kapitel 58

Kapitel 59

Kapitel 60

Kapitel 61

Kapitel 62

Kapitel 63

Kapitel 64

Kapitel 65

Kapitel 66

Kapitel 67

Kapitel 68

Kapitel 69

Kapitel 70

Nachbemerkung

1

Mittwoch, 20. September 1950

Ihr Mann war in Russland geblieben. Lange Zeit hatte Mechthild Krafzyk geglaubt, er sei gefallen und irgendwo in dem riesigen Land verscharrt worden. Das Grab ohne Kreuz und Inschrift. Ein namenloser Toter, so wie Millionen andere auch. Ihre Suchanfragen beim Roten Kreuz endeten immer gleich: mit einem kurzen, lapidaren Antwortschreiben, welches alle Hoffnungen zerstörte. Uns liegen leider keine Hinweise auf den Verbleib des Vermissten vor. Immer wieder dieser eine Satz. Irgendwann hatte sie sich damit abgefunden, zukünftig allein für ihr Kind sorgen zu müssen.

Doch dann war eine Postkarte von ihrem Liebsten eingetroffen. Ich lebe. Mir geht es gut. Ich liebe dich. Ohne Absender, lediglich mit einer Ortsangabe in kyrillischer Schrift, daneben in deutschen Großbuchstaben: Karabasch. Sie hatte im Atlas nachgeschaut. Westsibirien, südlicher Ural. Ein Kriegsgefangenenlager.

Diese neun Worte gaben ihr neue Zuversicht. Aber leichter wurde ihr Schicksal deshalb nicht. Zur Ungewissheit gesellte sich nun das Warten.

Ein halbes Jahr später hatte sie die nächste Karte erreicht. Auf ihr stand endlich eine Adresse. Sie hatte geantwortet, lange Briefe geschrieben. Briefe, von denen sie nicht wusste, ob sie ihren Mann je erreichen würden. So ging es Jahr für Jahr. Zwei Karten. Ihre Briefe. Die Ungewissheit. Und das Warten.

Mechthild Krafzyk arbeitete als Verkäuferin in einem Bochumer Kaufhaus. Sie war froh, diese Stelle gefunden zu haben, sicherte sie ihr doch ein bescheidenes Auskommen. Sie war mit ihrer Situation zufrieden. Andere Frauen mussten für weniger Geld als Ziegelsteinputzerinnen arbeiten. Sie waren Wind und Wetter ausgesetzt, trugen alte Arbeitskleidung und reinigten die Steine der Trümmergrundstücke.

Während sie tagsüber arbeiten war, musste ihre Tochter Ursula allein zurechtkommen. Morgens ging sie zur Schule, kam mittags nach Hause zurück und wärmte sich das vorbereitete Essen auf. Danach erledigte sie ihre Schularbeiten und blieb den Rest des Tages allein. Ein Schlüsselkind ohne Vater. Wie so viele.

Noch einsamer wurde der Tagesablauf des Mädchens, wenn im Kaufhaus, in dem Mechthild beschäftigt war, die monatliche Inventur anstand. Dann endete ihr Arbeitstag erst spät und Ursula war auch in den Abendstunden sich selbst überlassen. So wie heute.

Mechthild war zunächst mit der Straßenbahn von der Bochumer Innenstadt Richtung Wanne-Eickel gefahren. Dann stieg sie in Nähe der Stadtgrenze aus, um zu ihrer Wohnung im Stadtteil Hordel zu gelangen. Dazu musste sie einige Hundert Meter Straße passieren, deren Häuser fast vollständig durch Bomben zerstört worden waren. Die Trümmer türmten sich links und rechts ihres Weges zu beachtlichen Bergen auf. Dazwischen verblieben schmale Wege, die auf die Grundstücke führten.

Der Herbst kam früh in diesem Jahr. Es war bereits dunkel. Immer wieder riss der auffrischende Wind die Wolkendecke auf, sodass die Trümmerberge in fahles Mondlicht getaucht wurden. Die Ruinen der Wohnhäuser schienen jeden Moment auf die Straße stürzen zu wollen, um alles unter sich zu begraben. Ein leises Heulen war zu vernehmen, wenn der Wind durch die verbliebenen Maueröffnungen blies.

Sie beschleunigte den Schritt, um die ihr bedrohlich vorkommende Umgebung möglichst schnell hinter sich zu lassen. Ihr fröstelte und sie schlug ihren Mantelkragen höher.

Plötzlich vernahm sie ein Geräusch. Was war das? Sie blieb stehen und spitzte die Ohren. Nichts – sie musste sich geirrt haben. Einige Meter weiter hörte sie es wieder. Lauter, deutlicher. Es klang wie … Sie lauschte erneut in die Dunkelheit. Ja, jetzt war sie sicher, da war ein dumpfes Röcheln! Ein Tier?

Mechthild machte einige Schritte von der Straße fort auf einen der Wege, die die Schutthaufen trennten. Das Röcheln war nun unüberhörbar. Das konnte kein Tier sein – diese Geräusche stammten von einem Menschen!

Sie fasste sich ein Herz und ging weiter. Als sie die Reste einer Hausecke erreichte, verharrte sie für einen Moment und lugte in den dunklen Garten. Zunächst waren nur Schemen auszumachen. Dann aber fegte der Wind die Wolken beiseite und Mechthild konnte die Szene im Mondlicht deutlich erkennen. Im Garten stand ein Mann, der sich mit einem blitzenden Messer in der Hand über einen Körper beugte.

Die junge Frau wich entsetzt zurück und stieß einen erstickten Schrei aus. Sofort presste sie ihre Hand auf den Mund, aber es war zu spät.

Der Mann fuhr herum. Für einen Moment sah sie sein Gesicht. Und er ihres. Sie kannte ihn. Und er, das wurde ihr mit Schrecken klar, kannte sie auch. Ihr schien, als ob er sich nach kurzem Zögern auf sie zubewegte. Mechthild stockte der Atem. Dann hörte sie von der Straße her Stimmen, die sich unterhielten. Andere Passanten. Schutz! Rettung! Sie drehte sich um und rannte so schnell sie konnte. Nur weg von hier!

Die Gestalt, die das Geschehen aus dem Dunkel der Ruine beobachtet hatte, blieb von beiden unbemerkt.

2

Freitag, 22. September 1950

Wer hat den Toten gefunden?« Hauptkommissar Peter Goldstein wandte sich seinem Kollegen Heinz Schönberger zu.

»Spielende Kinder. Heute Mittag.«

Die beiden Polizisten grüßten den uniformierten Beamten, der den Zugang zum Grundstück sicherte, mit einem Kopfnicken.

»Genau genommen war es kurz nach ein Uhr, als der Anruf bei uns einging. Die Kinder mussten erst zu einer Gaststätte laufen, die glücklicherweise über ein Telefon verfügte. Der Wirt hat uns dann benachrichtigt.«

»Haben wir die Namen der Kinder?«

»Ja.«

Der fünfundfünfzigjährige Goldstein blieb stehen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Links und rechts befanden sich Hausruinen, vor ihnen lag ein verwilderter Garten von beachtlicher Größe. In der Mitte des Gartens wuchs ein Busch, unter dem eine leblose Person lag. In einiger Entfernung standen zwei weitere Polizisten und rauchten.

Goldstein ging zu ihnen. »Guten Tag. Ist die Spurensicherung schon verständigt?«

»Ja. Müsste jeden Moment hier sein«, antwortete einer der Männer. »Und die Gerichtsmedizin ist auch informiert.«

»Prima.« Goldstein nahm den Toten näher in Augenschein und achtete darauf, wohin er seine Füße setzte. Der Mann lag auf dem Rücken, war etwa fünfzig Jahre alt, von untersetztem Körperbau und hatte volles, dunkles Haar. Seine Augen waren geschlossen, der Mund weit aufgerissen. Die Goldzähne waren nicht zu übersehen. Der Tote trug einen teuer aussehenden Mantel mit Pelzbesatz, einen grauen, scheinbar neuen Anzug und schwarze Lederschuhe. Zwei Finger seiner rechten Hand schmückten protzige Ringe. Am auffälligsten jedoch war der breite Schnitt, der seine Kehle von einem bis zum anderen Ohr durchtrennt hatte. Sein Blut hatte Anzug und Mantel durchtränkt und rotbraune Spuren in der Erde hinterlassen.

Der Hauptkommissar richtete sich mit einem leichten Stöhnen wieder auf. Obwohl er immer noch schlank war und von Zeit zu Zeit sogar Sport betrieb, plagten ihn immer häufiger Rückenschmerzen. Das Alter, dachte er. Wenigstens konnte er sich noch seiner vollen Haarpracht erfreuen. Es gab jüngere Kollegen, deren Mittelscheitel halb so breit waren wie ihre Köpfe. »Was können Sie mir sonst noch mitteilen?«, fragte er die Beamten.

»Wir haben die Tatwaffe entdeckt«, antwortete der zweite Polizist und trat seine Zigarette im hohen Gras aus. »Ein Messer.«

Goldstein warf ihm einen missbilligenden Blick zu. Der Mann verstand sofort, bückte sich und schob die Kippe in die Uniformjacke. »Verzeihung«, murmelte er.

Goldstein ignorierte die Entschuldigung. »Wo?«

Der Beamte zeigte auf einen Reisighaufen. »Da hinten. Soll ich Ihnen den Fundort zeigen?«

»Damit wir noch mehr hier herumtrampeln? Natürlich nicht. Erst lassen wir die Spurensicherung ihre Arbeit tun.« Goldstein schüttelte den Kopf. »Haben Sie das Messer angefasst?«

Die beiden verneinten. »Spuren sind jedenfalls keine mehr zu finden«, ergänzte der Beamte diensteifrig.

»Hm. Die Suche nach Spuren sollten wir doch besser den Experten überlassen, meinen Sie nicht?«

»Selbstverständlich.«

»Gut. Sorgen Sie dafür, dass das Grundstück gesichert bleibt. Ich will hier keine Schaulustigen sehen.« Als die Uniformierten außer Hörweite waren, warf Goldstein einen Blick auf seine Armbanduhr und drehte sich zu Schönberger um. »So wie es aussieht, wirst du diese Sache allein weiter bearbeiten müssen.«

»Warum?«

»Es ist gleich drei Uhr. Feierabend.«

»Seit wann hältst du dich an geregelte Arbeitszeiten?«

»Heute ist mein letzter Tag. Ab Montag bin ich wieder in Herne.«

Drei Wochen zuvor hatte sein Vorgesetzter Wilfried Saborski, Kriminalrat in Bochum, Goldsteins zeitweilige Versetzung von Herne nach Bochum angeordnet. Grund für diese Maßnahme war akuter Personalmangel in der dortigen Dienststelle gewesen. Zu viele Bochumer Kollegen hatte eine ansteckende Magen-Darm-Erkrankung außer Gefecht gesetzt. Goldstein musste diese Entscheidung Saborskis zähneknirschend akzeptieren. Mittlerweile hatte sich die Personalsituation wieder entspannt und Goldstein konnte in sein vertrautes Büro in Herne zurückkehren.

»Na und?«, erwiderte Schönberger. »Ich wette eine Kiste Bier, dass du diesen Fall behalten wirst. Herne hin oder her.«

Goldstein grinste und hielt ihm die Hand hin. »Einverstanden.«

Schönberger schlug ein.

Motorengeräusch war von der Straße zu hören, Türen schlugen. Kurz darauf standen zwei Beamte der Spurensicherung im Garten. Goldstein wies sie ein und sein uniformierter Kollege zeigte ihnen die vermutliche Tatwaffe.

Dann begannen die Männer mit ihrer Arbeit. Sie stellten kleine Metallschilder mit Nummern neben den Spuren auf, die sie meinten gefunden zu haben, fotografierten alles, nahmen Gipsabdrücke diverser Fußspuren, durchsuchten die Bekleidung der Leiche, ohne diese in ihrer Lage zu verändern, sicherten das Messer nebst anderen Fundstücken in Beuteln aus Pergaminpapier und hielten ihre Erkenntnisse schriftlich fest.

Etwa dreißig Minuten später erstattete einer der beiden Bericht: »Das Messer ist anscheinend tatsächlich die Tatwaffe. Ein handelsübliches Haushaltsmesser würde ich sagen. Wir haben bei dem Toten keine Papiere gefunden. Auch keine Schlüssel. Absolut nichts. Das ist sehr ungewöhnlich. Ein Raubmörder nimmt so etwas in der Regel nicht mit. Das spricht meines Erachtens dafür, dass der Täter uns über die Identität des Toten möglichst lange im Unklaren lassen will. Vielleicht wusste er auch, wo der Tote gewohnt hat und möchte sich dort in aller Ruhe und vor allem ungestört umsehen. Nur ein Streichholzbriefchen haben wir in seiner Manteltasche gefunden. Anscheinend war das für den Täter uninteressant.« Der Mann öffnete einen der Beutel. »Ein Werbegeschenk von einer Gaststätte namens Die Ritze.«

Goldstein kannte den Laden. Eine ziemlich schlecht beleumundete Kaschemme in der Nähe des Herner Hauptbahnhofs, die sich großspurig als Nachtklub bezeichnete.

»Ansonsten mit Ausnahme des Messers kaum Brauchbares. Nach unseren ersten Untersuchungen sind an der Tatwaffe keine Fingerabdrücke zu finden. Wir werden das Messer allerdings im Labor noch einmal genauer unter die Lupe nehmen. Auf jeden Fall scheint der Täter ziemlich umsichtig vorgegangen zu sein.«

»Handschuhe?«, vermutete Goldstein.

Sein Kollege nickte. »Wir wären dann fertig.«

»Danke«, erwiderte der Kriminalkommissar.

»Guten Tag, die Herren.« Doktor Werner Gerber, der Gerichtsmediziner, war zu ihnen getreten. Der Arzt trug einen dunklen, nicht mehr ganz neuen Anzug, ein weißes Hemd, Krawatte und darüber einen leichten Regenmantel. Er sah aus, als ob ihn die Leichenmeldung während einer Opernaufführung erreicht hätte. »Eine Leiche am Freitagnachmittag verdirbt einem das ganze Wochenende, finden Sie nicht?« Ohne eine Antwort abzuwarten, öffnete Gerber seine Aktentasche, zog ein zusammengefaltetes Tuch hervor und breitete es neben dem Toten auf dem Boden aus. Dann kniete er sich darauf und begann mit der Untersuchung der Leiche. Goldstein und Schönberger sahen schweigend zu.

»Wie lange ist der Mann schon tot?«, wollte Goldstein wissen, als sich Gerber wieder aufgerichtet hatte.

»Die Livores – Entschuldigung, das sind die Totenflecken – sind nicht sehr ausgeprägt. Das liegt mit Sicherheit am großen Blutverlust. Als Erstes sind diese eigentlich am Hals sichtbar. Dummerweise«, Gerber lächelte schief, »hat der Täter genau diesen durchgeschnitten. Das Blut hat die Umgebung des Schnittes verschmutzt. Dort ist momentan nichts zu erkennen. Aber an den Unterarmen finden sich kleine blassrote Flecken, die sich nur unvollständig wegdrücken lassen. Der Rigor Mortis …«

»Der was?«, fragte Schönberger.

»Totenstarre. Sie ist vollständig ausgebildet und lässt sich nicht lösen. Beide Indizien sprechen für einen Todeszeitpunkt, der wenigstens zwölf Stunden, vermutlich aber länger zurückliegt. Ich tippe auf mindestens einen Tag. Die Todesursache jedoch ist eindeutig: glatte Wundränder, klaffende Wunde, kein Probierschnitt. Die Tiefe des Schnitts reicht fast bis zur Wirbelsäule. Mord, ohne jede Frage. Der Schnitt verläuft von rechts oben nach links unten. Das bedeutet, der Täter hat das Messer mit der linken Hand geführt und von hinten geschnitten.«

»Linkshänder?«, warf Goldstein ein.

»Mit großer Wahrscheinlichkeit.« Der Mediziner machte einen Schritt auf die Polizisten zu. »Haben Sie eine Zigarette für mich? Ich habe meine im Auto liegen gelassen.«

Schönberger reichte ihm eine und gab Gerber Feuer.

»Danke.« Der Rechtsmediziner nahm einen Zug. »Sie sehen ja das verfärbte Erdreich. Das Blut ist trotz des Regens der letzten Tage noch deutlich zu erkennen. Die Tat wurde zweifellos hier verübt. So, das ist im Moment alles, was ich Ihnen sagen kann. Näheres in meinem Bericht.« Er klemmte die Zigarette in den Mundwinkel, bückte sich, hob die Decke auf, schüttelte sie sorgfältig aus, faltete sie zusammen und verstaute sie in seiner Tasche. Dann deutete er mit seiner rechten Hand einen militärischen Gruß an und ging wortlos.

Goldstein rief einen der Uniformierten zu sich. »Der Tote kann jetzt abtransportiert werden. Und lassen Sie den Tatort reinigen.«

3

Freitag, 22. September 1950

Kriminalrat Wilfried Saborski sah sich erstaunt im Salon der Villa um. »Wo sind denn die anderen Gäste?«

»Du bist der einzige.«

»An der Feier zu deinem siebzigsten Geburtstag nehme nur ich teil? Haben deine Freunde abgesagt?«

»Nein. Ich habe sie nicht eingeladen.«

»Warum nicht, wenn ich fragen darf?«

»Ich wollte mich ungestört mit dir unterhalten.« Wieland Trasse hob den Champagnerkelch. »Aber zunächst lass uns anstoßen.«

»Gerne. Auf dich! Herzlichen Glückwunsch.« Saborski ließ das prickelnde Getränk über die Zunge laufen.

Für einen Moment standen sich die beiden Männer schweigend gegenüber.

Wieland Trasse, Besitzer mehrerer Kaufhäuser im Ruhrgebiet, wirkte trotz seinen Alters noch immer drahtig und gesund. Sein Anzug saß perfekt und seine Art zu sprechen verriet, dass er es gewohnt war, Befehle zu erteilen. Trasse verkörperte den Typus Mensch, der sich seiner gesellschaftlichen Stellung sehr wohl bewusst war: Elite. Geldadel. Reich geworden mit fragwürdigen Geschäften vor, während und auch nach dem Krieg. Aber jetzt hatte er ein Problem. »Sie haben mich vor den Entnazifizierungsausschuss zitiert.«

Saborski lachte auf. »Wundert dich das? Ich hatte dich gewarnt, dass es entsprechende Überlegungen gab. Du hast dir in deinem Leben zu viele Feinde gemacht.«

»Ich nahm an, dieser Kelch würde an mir vorübergehen.«

»Warum sollte es dir anders ergehen als mir?«

»Du musstest dir doch keine Sorgen machen. Die Briten benötigten nach dem Krieg tüchtige Polizisten. Unsere junge Republik ebenso.«

»Kaufleute werden auch gebraucht.«

»Sicher.«

Sie tranken wieder. Dann zeigte Trasse auf die Sitzgruppe in einer großen Nische vor den Fenstern. »Lass uns dort hinübergehen.«

Die schweren, mit dunkelbraunem Leder bezogenen Sessel standen in einem Kreis um den runden Tisch, über dem ein Lampenschirm aus Meißner Porzellan hing. Ein dicker Teppich dämpfte jeden Schritt. An den Nischenwänden hingen Ikonenmalereien in verschiedenen Größen. Der Kriminalrat wusste, dass sie echt waren. Kriegsbeute.

Trasse griff den Sektkühler und trug ihn zu einem Beistelltisch. Er wartete, bis sich sein Gast gesetzt hatte, und nahm danach ebenfalls Platz.

»Wann ist es denn so weit?«, fragte Saborski.

»Übernächste Woche. Ich möchte von dir wissen, wie das Verfahren abläuft, um mich vorbereiten zu können.«

»Die Ausschüsse sind mit Vertretern der SPD, KPD und CDU besetzt, wobei die Christlichsozialen in Herne in der Minderheit sind. Sie befragen dich nach deiner Tätigkeit im Dritten Reich und holen gegebenenfalls Zeugenaussagen ein. Hast du dir eidesstattliche Erklärungen besorgt?«

»Persilscheine? Jede Menge.«

»Gut. Sind auch welche von verfolgten Nazigegnern dabei? Die sind besonders glaubwürdig.«

Trasse lachte auf. »Das glaube ich gern. Daran habe ich schon selbst gedacht. Einer meiner Mitarbeiter, er hat ein Jahr im KZ gesessen, hat mir bestätigt, dass ich mich im privaten Rahmen schon immer gegen den Nationalsozialismus ausgesprochen habe.«

Saborski nickte. »Was hast du ihm dafür versprochen?«

Sein Gastgeber schüttelte den Kopf. »Nicht doch, mein Lieber. Habe ich dich gefragt, woher du deine Persilscheine hast? Sie müssen wirklich glaubwürdig gewesen sein. Wie sonst konnte der Ausschuss ein ehemaliges SA-Mitglied, einen Gestapoangehörigen und SS-Offizier wie dich lediglich als Mitläufer einstufen? Respekt, wirklich.«

Der Kriminalrat grinste. »Waren sie. Ein katholischer Priester, der 1940 für einige Tage in Untersuchungshaft saß, hat mir bescheinigt, dass ich ihm das Leben gerettet habe.«

»Ein Priester?«

»Ja. Er hatte eine dumme Vorliebe für kleine Jungs. Ich habe ihn damals vor dem KZ bewahrt. Da war er mir etwas schuldig. Und außerdem haben sich seine Neigungen bis heute nicht geändert. Ich musste ihn nur daran erinnern, dass sein Verhalten auch jetzt noch strafbar ist.«

»Verstehe.«

»Und dann gab es noch einige Leute, deren Westen nach 1933 auch nicht sauber geblieben sind, die sich aber nur ungern daran erinnern. Ich habe dafür gesorgt, dass sie es wieder tun mussten. Und damit ich mein Wissen schnell vergesse, sind sie mir eben auch behilflich gewesen. So einfach ist das.« Saborskis Grinsen wurde breiter. »Immerhin darf ich für drei Jahre nicht mehr befördert werden und muss die Kosten des Verfahrens begleichen.«

»Wie viel war es denn?«

»Dreißig Mark.«

»Mir kommen die Tränen. Das sind doch Kinkerlitzchen. Für mich steht leider mehr auf dem Spiel.«

»Warum? Du warst doch nie Parteimitglied, oder?«

»Nein. In der NSDAP war ich nie. Aber …« Er griff zum Champagner.

»Aber was?«

»Ich bin im Gau ein- und ausgegangen. Schließlich war ich führendes Mitglied der Reichsgruppe Handel, wie du weißt. In dieser Eigenschaft war ich sehr häufig bei Besprechungen in der Reichswirtschaftskammer anwesend.«

»Gibt es Aufzeichnungen darüber?«

»Sicher. Briefe, Protokolle, Verträge, Gutachten …«

»Könnten sie dich belasten?«

Trasse Stimme klang bitter. »Du machst mir Spaß. Wir haben uns schließlich auch mit der wirtschaftlichen Lage der besetzten Gebiete befasst.«

»Verstehe.« Saborski nippte am Glas. »Und jetzt hast du Angst um deine Kaufhäuser.«

»Natürlich. Meine Geschäfte in der Vergangenheit … Immerhin kann der Ausschuss die Beschlagnahme meines gesamten Vermögens empfehlen, sofern dieses als Kriegsgewinn eingestuft wird. Mindestens aber schicken sie mir einen Buchprüfer auf den Hals, den ich dann auch noch selbst bezahlen muss.«

»Na ja. Wenn’s mehr nicht ist«, bemerkte Saborski.

»Schon wahr. Aber ich mag es nicht, wenn Fremde in meinen Geschäftsunterlagen herumschnüffeln.« Er seufzte. »Wenn ich meinen Wohnsitz nicht nach Herne verlegt hätte …« Trasse machte eine Pause.

»Was wäre dann?«

»In Recklinghausen hatte ich gute Kontakte. Vor allem zur Zentrumspartei. Viele der Mitglieder sind anschließend bei der CDU gelandet. Du warst doch auch vor dem Herner Ausschuss, oder?«

»Ja.«

»Warum eigentlich? Du bist doch in Bochum zu Hause.«

»Schien mir günstiger. Schließlich bin ich auch für Herne verantwortlich. Hier kenne ich einige wichtige Leute. Auch aus den Parteien. So wie du in Recklinghausen.«

»Aber wie hast du das angestellt?«

Saborski senkte seine Stimme, als ob er heimliche Mithörer befürchtete. »Ein langes Gespräch mit den Briten.«

»Wäre es dir möglich, deine guten Kontakte auch für mich spielen zu lassen?«

»Wie meinst du das?«

»Wie ich es sagte. Könntest du mit den Sozis und den Christlichen im Ausschuss sprechen?«

Saborski tat so, als müsste er nachdenken. »Das kommt darauf an.«

»Worauf?«

»Zum einen müssen deine Entlastungserklärungen hieb- und stichfest sein. Wenn ich mich für dich starkmache, muss ich sichergehen, dass später niemand umfällt und ich in den Sumpf mit hineingezogen werde.«

»Dafür werde ich sorgen, das garantiere ich. Und was noch?«

Saborski trank schweigend.

Trasse schaute dem Polizisten in die Augen. »Du willst Geld«, stellte er fest.

»Geld? Nein.«

»Was dann?«

»Anteile.«

»Aber du hältst doch schon fünfundzwanzig Prozent an meiner Firma.«

»Stimmt. Aber es könnten mehr sein.«

Trasse seufzte. Nach einer Weile fragte er: »Dreißig?«

»Ich sehe, wir verstehen uns«, antwortete Saborski kalt.

4

Montag, 25. September 1950

Die Anweisung Saborskis war eindeutig und Schönberger hatte die Wette gewonnen: Goldstein behielt den Fall und war um einen Kasten Bier ärmer.

Die Ritze lag etwa zweihundert Meter südlich des Herner Bahnhofs in einer Nebenstraße. Als Peter Goldstein am frühen Nachmittag den Laden betrat, schlugen ihm Tabakrauch und der Geruch billigen Parfüms entgegen. In der Kneipe verkehrten Nutten mit ihren Luden, Freier, Schieber aller Größenordnungen und britische Soldaten auf der Suche nach dem schnellen Glück. Nur selten verirrten sich biedere Herner Bürger in den Schuppen. Und wenn, verließen sie ihn meistens eilig wieder.

Die Fenster der Ritze waren mit blickdichten, speckigen Vorhängen bedeckt. Runde Holztische gruppierten sich im Halbkreis um eine kleine Bühne, auf der nicht mehr als drei spärlich bekleidete Damen tanzen konnten. Pin-ups aus amerikanischen Herrenmagazinen, eingerahmt hinter Glas, dienten als Wandschmuck. Die kleine Theke rechts neben der Bühne wurde von tief hängenden Lampen beleuchtet.

Am Morgen hatten die Berichte von Spurensicherung und Obduktion auf Goldsteins Schreibtisch gelegen. Wie befürchtet, hatten seine Kollegen nicht viel mehr gefunden als das, was sie ihm am Tatort schon mitgeteilt hatten. Lediglich zwei Fußspuren, die nicht den Beamten oder dem Toten zuzuordnen waren, konnten sie sicherstellen. Es handelte sich um einen Schuh mit Absatz, Größe siebenunddreißig, der sich in den weichen Boden gedrückt hatte, wahrscheinlich getragen von einer Frau oder einem Mädchen. Die andere Spur stammte von einem Herrenschuh der Größe fünfundvierzig. Die Fingerabdrücke des Toten befanden sich nicht in ihrer Kartei, der Mann war also im Raum Bochum noch nicht erkennungsdienstlich erfasst worden. Die Tat wurde zweifellos mit dem Messer, das sie in der Nähe der Leiche gefunden hatten, verübt.

Gerber wiederholte in seinem Bericht im Wesentlichen schon Bekanntes. Neu war jedoch, dass der Tote eine Narbe in der rechten Brust hatte. Ein Lungendurchschuss, vermutete der Mediziner. Der Mann hatte derzeit ziemliches Glück gehabt, diese Verletzung zu überleben. Außerdem hatte er an Leberzirrhose im Endstadium gelitten. Er hätte ohnehin nur noch drei Monate zu leben gehabt. Der Mörder hätte sich die Tat demnach sparen können und hätte nur abwarten müssen. Den Todeszeitpunkt konnte Gerber etwas konkreter fassen: zwischen Mittwochabend und Donnerstagmorgen.

Das war alles in allem ziemlich dürftig.

In einer Ecke der Ritze hockten einige Männer, die ihr Gespräch bei Goldsteins Eintreten sofort beendeten, ihn für einen Moment neugierig musterten, tuschelten, sich dann besorgt anschauten, um anschließend wortlos in ihre Gläser zu starren. Goldstein kannte einen der Kerle. Er hatte ihn vor drei Jahren mehrmals wegen Schwarzhandels verhaftet. Ein notorischer Schieber.

Der Polizist ging zur Theke, wo ein gelangweilter Barkellner, der auf den Spitznamen Hering hörte, bereits auf ihn wartete.

»Herr Kommissar«, krächzte der Hering zur Begrüßung. »Privat oder dienstlich?«

Goldstein zog das Foto des Toten aus der Tasche. »Natürlich dienstlich.« Er streckte dem Kneipier das Bild entgegen. »Kennen Sie den Mann?«

»Tot?«

»Sieht ganz so aus, würde ich sagen.«

Der Barmann kratzte sich am Kinn. »Da müsste ich nachdenken.«

»Tun Sie das. Aber nicht zu lange.«

Hering wiegte den Kopf hin und her. »Ich bin mir nicht sicher.«

Goldstein lächelte müde. »Lassen wir die Spielchen. Sie wissen, bei mir ist nichts zu holen. Ich zahle grundsätzlich nie für Informationen.«

»Das ist sehr schade, Herr Kommissar. Manchmal hilft ein Heiermann beim Erinnern.«

»Ach, da gibt es andere, weit wirkungsvollere Methoden, finde ich. Habe ich schon erwähnt, dass meine Kollegen und ich gerade heute Abend bei Ihnen einkehren wollten?« Er machte eine Pause. »Was ist nun mit Ihrem Erinnerungsvermögen?«

Sein Gesprächspartner gab sich geschlagen. »Der Mann war einige Male hier. Hat immer auf Großkotz gemacht. Lokalrunden gegeben, auf den Putz gehauen. War aber kein Stammgast. Er wurde von seinen Freunden Uwe genannt.«

»Uwe? Und weiter?«

»Keine Ahnung. Nur Uwe.«

»Wer waren diese Freunde?«

Der Barmann begann zu schwitzen. »Weiß nicht.«

Goldstein beugte sich vor und gab seinem Gesprächspartner mit einer Fingerbewegung zu verstehen, dass auch er seinen Kopf senken sollte. Dann flüsterte Goldstein ihm ins Ohr: »Vielleicht kommen wir aber auch erst am Wochenende. Samstags soll es doch ziemlich voll bei Ihnen sein, habe ich gehört?«

»Herr Kommissar«, bettelte der Hering. »Bitte!«

»Oder jedes Wochenende. Wie würde Ihnen das gefallen?«

»Ich kenne nur zwei von ihnen. Einer ist der Kaufmann Krönert.«

»Und der andere? Nun machen Sie schon!«

Die Stimme des Herings wurde noch leiser. »Baron von Hohenfeld.«

Goldstein schluckte überrascht. »Sicher?«

»Ich kenne doch meine Stammgäste.«

»Wann war Uwe das letzte Mal hier?«

»Warten Sie, vor drei, nein, zwei Wochen.«

»Alleine?«

»Nein.«

»Also mit seinen Freunden?«

Der Kneipier nickte. »Sie werden doch nicht erzählen, wer …«

Goldstein lächelte beruhigend. »Machen Sie sich keine Sorgen.«

»Und die Razzia?«

»Wer hat hier von Razzia gesprochen?«, grinste der Kommissar. »Die Rede war von einem geselligen Abend unter Kollegen. Aber ich sehe schon, wir sind hier nicht willkommen. Vielleicht ein anderes Mal.« Er machte sich auf den Weg zum Ausgang. Bevor er das Lokal verließ, drehte er sich um und rief vernehmlich: »Ihnen allen noch einen schönen Tag!«

Der Hering wischte sich den Angstschweiß von der Stirn.

Auf der Straße zündete sich Goldstein eine Zigarette an. Der Baron von Hohenfeld, alias Hoffmann, alias Brillanten-Bos, mit bürgerlichem Namen Johann Bos, war im Ruhrgebiet kein Unbekannter. Die Nazis hatten Bos nach einigen kleineren Delikten als Gewohnheitsverbrecher für vier Jahre in ein KZ gesteckt. Nach dem Krieg hatte er Frauen, deren Männer von den Briten wegen des Verdachts auf Naziverbrechen interniert waren, aufgesucht. Er versprach ihnen, ihre Gatten freizubekommen, indem er die Kommandanten der Internierungslager bestach. Dazu benötigte er lediglich die finanziellen Mittel. Und die Frauen wollten glauben. Sie gaben ihm Geld, Schmuck, Fotoapparate. Kurz nachdem Bos in den Besitz der Wertsachen gekommen war, wurde ihm angeblich der Wagen gestohlen und damit verschwanden auch die Preziosen. Der selbst ernannte Baron wurde mehrmals verhaftet. Stets erklärte er, aus Hass auf die Nazis gehandelt zu haben, konnte sich so immer wieder herauswinden. Insgesamt sieben Mal. Von Bestechung war die Rede, und von vertraulichen Verbindungen zur Polizei. Hinter vorgehaltener Hand tuschelten Kollegen, dass Bos angeblich einen Dienstausweis der Polizei besaß und manchmal sogar mit einem Polizeiwagen zu seinen Fischzügen aufbrach. Außerdem soll es nicht bei Betrug geblieben sein. Von Einbrüchen erzählte man sich in Polizeikreisen, bei denen Krönert als Chauffeur diene und Schmiere stehen würde.

Genau dieser Baron von Hohenfeld organisierte mittlerweile seine Geschäfte von Herne aus. Sein »Büro« unterhielt er im Central Café auf der Bahnhofstraße.

Goldstein trat die Zigarette aus und machte sich auf den Weg dorthin.

Das Kaffeehaus erstreckte sich über zwei Etagen des Jugendstilgebäudes. Im Erdgeschoss lag der Schankraum, darüber der Tanzsaal mit der kleinen Bühne und den angrenzenden Separees. In der Nachkriegszeit diente das Central zunächst als Offizierskasino der britischen Armee, später als bekannter Treffpunkt für Schwarzmarkthändler und Schieber. Razzien der Militärpolizei waren an der Tagesordnung. Das Central Café war der geeignete Ort für Heiratsanträge, runde Geburtstage oder erfolgreiche Geschäftsabschlüsse und galt als eine der besten Adressen Hernes. Entsprechend waren die Preise. Jeder Gast musste Wein bestellen, weswegen sich Herner Bürger ohne dicken Geldbeutel einen Besuch dort nur selten leisten konnten. So wie die Goldsteins.

Auf dem Weg überlegte der Kommissar, wann er seine Frau Lisbeth zum letzten Mal dorthin ausgeführt hatte. Kurz nach der Währungsreform vor knapp zwei Jahren musste das gewesen sein. Von einem der ersten Gehälter in Deutscher Mark. Lange her.

Der Kellner hinter der Theke wies Goldstein, nachdem dieser seine Polizeimarke präsentiert und sich nach Bos erkundigt hatte, den Weg zu einem der Räume im Obergeschoss.

Goldstein stieg die Treppe hinauf und öffnete die Tür, ohne anzuklopfen. Der Raum lag im Halbdunkel, da die Vorhänge zugezogen waren. Nur eine kleine Lampe über dem Tisch in der Mitte spendete spärliches Licht. An einer Wand stand ein rotes, plüschiges Sofa, darüber hing ein Dürer-Replikat. Eine Anrichte an der Wand gegenüber vervollständigte das Interieur.

Am Tisch saßen drei Männer, keiner über vierzig Jahre. Sie schreckten auf, als Goldstein den Raum betrat. Zwischen Kaffeetassen und Cognacschwenkern lagen mehrere Fotoapparate vor ihnen.

»Wir wollten doch nicht gestört werden!«, blaffte einer, der mit weißem Hemd, farbigem Halstuch und gestreiftem Anzug den Eindruck eines Lebemanns vermittelte. »Lassen Sie uns allein.«

»Das wird wohl nicht möglich sein«, erwiderte Goldstein ungerührt und zeigte seine Marke. »Kriminalpolizei. Wer von Ihnen ist Johann Bos?«

»Was wollen Sie von ihm?«, fragte der Anzugträger zurück.

»Wer ist Bos?«, beharrte der Kriminalkommissar auf einer Antwort. Dieses Mal war sein Tonfall gereizt.

»Ich bin Bos.« Der Lebemann hatte sich erhoben und stand Goldstein, der näher an den Tisch herangetreten war, nun direkt gegenüber. Die anderen beiden Männer beobachteten den Polizisten mit eisiger Miene.

»Ich möchte mich mit Ihnen über einen Ihrer Freunde unterhalten.« Goldstein deutete auf die Kameras auf dem Tisch. »Oder störe ich Sie bei dringenden Geschäften?«, fragte er spöttisch.

Einer der Sitzenden griff zu einer Aktentasche, die neben seinem Stuhl gestanden hatte, und machte Anstalten, die Apparate darin zu verstauen.

»Nee, das lassen Sie mal«, ordnete Goldstein an. »Vielleicht brauchen wir die ja noch.«

»Um wen geht es?« Bos fingerte eine Zigarette aus einem Etui und zündete sie sich an.

Goldstein reichte Bos das Foto des Toten. »Um ihn.«

Bos verzog das Gesicht und gab dem Kommissar das Bild zurück. »Schrecklich. Und was habe ich damit zu tun?«

»Kennen Sie den Mann?«

»Nein.« Bos nahm einen tiefen Zug.

»Tatsächlich nicht? Sie wurden aber in der Ritze mit ihm gesehen. Sie sollen ihn Uwe genannt haben. Aber wenn Sie sich nicht erinnern … Woher stammen diese Kameras?«

»Ich habe sie rechtmäßig erworben und beabsichtige, sie mit Gewinn weiterzuverkaufen.«

Der Kommissar zückte sein Notizbuch. »Dann können Sie mir doch sicher sagen, wer Ihnen die Geräte verkauft hat, oder?«

»Warum ist das wichtig?«

»Nun, es könnte sich ja um heiße Ware handeln. Dann müsste ich sie beschlagnahmen und Sie drei vorläufig festnehmen. Wegen des Verdachts der Hehlerei. Aber eigentlich interessiere ich mich momentan nicht für Fotografie. Mich beschäftigt der Tote hier.«

Bos verstand. »Dürfte ich ihn noch einmal sehen?« Er musterte das Foto einen Moment und meinte dann: »Wenn ich mich nicht täusche … Ja, ich kenne den Mann. Aber ein Freund von mir ist er nicht. Eher ein, sagen wir, flüchtiger Bekannter.«

»Schön, dass Sie sich wieder erinnern. Und wie heißt Ihr Bekannter?«

»Uwe Schmidt.«

»Schmidt. So, so. Ein Allerweltsname. Sind Sie sicher?«

»Natürlich.«

»Und wo wohnt dieser Uwe Schmidt?«

»Da bin ich wirklich überfragt.« Bos wandte sich an seine Kumpane. »Weiß einer von euch, wo Schmidt gewohnt hat? Paul, du hast doch häufiger mit ihm rumgehangen.«

»Ich?« Der Angesprochene rutschte unruhig auf seinem Stuhl herum. »Woher soll ich …«

»Nun spuck es schon aus!«, zischte Bos. »Das meine ich ernst.«

»Ich glaube …«

»Wird’s bald«, drängte Bos.

»In der Feldstraße. Kurz vor der Ziegelei.«

Goldstein wusste, wo das war. »Hausnummer?«

»Keine Ahnung. Ehrlich, Herr Kommissar. Uwe wohnt im dritten Haus rechts, wenn Sie von der Wiescherstraße kommen. Erster Stock. Zur Untermiete. In seinem Zimmer war ich nie.«

Goldstein nickte. »Womit hat Uwe Schmidt seinen Lebensunterhalt verdient?«

Bos grinste breit. »Das kann ich Ihnen beim besten Willen nicht genau sagen. Irgendetwas mit Import-Export hat er angedeutet. Wie gesagt, wir waren nur flüchtig bekannt.«

»Und was ist mit Ihnen?«, wandte sich Goldstein an Paul, der ihm Schmidts Adresse verraten hatte. »Was wissen Sie?«

»Nichts«, beeilte sich dieser zu versichern. »Wie Herr Bos schon sagte. Import-Export.«

»Hatte Schmidt Feinde?«

Bos’ Grinsen wurde noch breiter. »Herr Kommissar, wir waren doch nur …«

»Ja, ich weiß. Flüchtig bekannt.«

»Eben.«

»Wo haben Sie sich in der Nacht zum Donnerstag aufgehalten?«, wollte der Kommissar von Bos wissen.

»Welchen Donnerstag?«

»Den letzten natürlich«, blaffte Goldstein.

»Hier im Café. Bis vier Uhr morgens. Diese Herren hier«, Bos deutete auf die anderen beiden am Tisch, »waren auch anwesend. Danach sind wir in meine Wohnung gegangen und haben dort die Nacht ausklingen lassen.«

»Sie haben doch sicher noch weitere Zeugen?«

»Natürlich. Die Bedienung. Die halbe Gaststätte. Ach ja, und natürlich zwei Ihrer Kollegen von der Herner Kripo. Den einen kannte ich nicht persönlich. Der andere heißt Schönberger, wenn ich mich recht erinnere.«

Heinz Schönberger. Sein Kollege! Der Kommissar holte tief Luft. »Ich werde das überprüfen. Die Namen Ihrer beiden Freunde, bitte.«

»Paul Krönert. Und Wolfgang Müller.«

»Adressen?«

Goldstein notierte sich die Anschriften und verließ grußlos den Raum.

5

Montag, 25. September 1950

Der diensthabende Beamte in der Polizeiwache Eickel studierte die Fußballberichterstattung in der Zeitung. Schalke stand in der Oberliga West am siebten Spieltag vor einer schweren Begegnung gegen Erkenschwick. Würden die Blau-Weißen dieses Derby verlieren, liefen sie Gefahr, die Tabellenspitze an den alten Rivalen Fortuna Düsseldorf abgeben zu müssen. Wachtmeister Georg Linck hegte aber keine solche Befürchtung. Schalke würde selbstverständlich gewinnen.

Er legte die Zeitung beiseite. Erst jetzt bemerkte er die junge Frau, die still vor der Glasscheibe stand und darauf wartete, ihr Anliegen vorbringen zu können.

»Ja?« Linck rückte seinen Stuhl zurecht und machte ein wichtiges Gesicht.

Die Frau flüsterte etwas.

Linck beugte sich vor und meinte: »Kommen Sie näher an die Scheibe. Sie müssen durch diese Öffnung hier sprechen. Und etwas lauter bitte.«

»Ich möchte jemanden als vermisst melden.«

»Zunächst Ihren Namen und Adresse.« Linck griff zum Vordruck. »Sie heißen?«

»Anneliese Schaller.«

Nachdem der Polizist die Personalien der Frau aufgenommen hatte, lehnte er sich zurück. »Dann erzählen Sie.«

»Ich war gestern mit meiner Freundin verabredet. Sie ist aber nicht gekommen. Jetzt mache ich mir Sorgen. Bestimmt ist ihr etwas passiert.«

»Der Name Ihrer Freundin?«, fragte der Beamte gelangweilt.

Anneliese Schaller sagte es ihm.

»Wann sollte Ihr Treffen stattfinden?«

»Zum Kaffee. Um vier Uhr bei mir.«

»Das ist doch erst zwanzig Stunden her. Ihre Freundin hat Sie versetzt, würde ich vermuten. Bestimmt meldet sie sich noch heute oder morgen bei Ihnen. Sollte das nicht der Fall sein, melden Sie sich wieder.« Linck machte Anstalten, das eben ausgefüllte Formular zu zerknüllen und in den Papierkorb zu werfen.

»Das glaube ich nicht. Ich komme gerade von ihrer Wohnung. Sie war nicht da. Deshalb habe ich mit ihren Nachbarn gesprochen. Keiner von ihnen hat Mechthild seit vergangenem Freitag mehr gesehen. Und sie hatte Flurwoche.«

»Wie bitte?«

»Sie musste den Flur putzen. Doch das hat sie nicht getan. Mechthild ist sonst sehr korrekt in diesen Dingen. Man will sich ja nichts nachsagen lassen.«

Linck nickte gezwungenermaßen. »Vielleicht ist sie in den Urlaub gefahren?«

»Ohne mir etwas davon zu erzählen? Als ich letzten Donnerstagabend bei ihr war …«

»Donnerstags war sie also noch zu Hause?«

»Ja. Es war ihr erster freier Abend seit Wochenanfang. Das Kaufhaus, in dem sie arbeitet, hatte Quartalsinventur, deshalb war sie bis in die Abendstunden beschäftigt. Wenn sie vorgehabt hätte wegzufahren, hätte sie es mir gesagt. Ganz sicher! Ich bin ihre beste Freundin. Außerdem musste Ursula, das ist ihre Tochter, zur Schule. Die Herbstferien sind vorbei. Und …« Sie zögerte.

»Ja?«

»Irgendwie wirkte sie bei unserem Gespräch bedrückt. Fast so, als ob sie Angst hätte.«

»Angst?« Der Wachtmeister machte sich nun doch wieder Notizen. »Hat sie Ihnen etwas darüber erzählt?«

»Kein Wort. Vielleicht bilde ich mir das ja auch nur ein. Aber ich hatte an dem Abend diesen Eindruck.«

»Hm. Wäre es möglich, dass Ihre Bekannte nur über das Wochenende weggefahren ist?«

»Nein. Das glaube ich nicht. Sie ist seit Freitag verschwunden, da bin ich mir sicher.«

»Warum?«

»Ursula war an den vergangenen drei Tagen nicht in der Schule.«

»Woher wissen Sie das?«

»Ich bin ihre Lehrerin.«

»Gut. Sollten Sie von Ihrer Freundin in der nächsten Zeit etwas hören, benachrichtigen Sie uns bitte. Und jetzt gehen Sie dort durch die Tür und warten auf dem Flur. Ich komme sofort zu Ihnen und wir nehmen im Besprechungszimmer das Protokoll auf. Das wird später an die Kriminalpolizei weitergeleitet, die sich dann um die Angelegenheit kümmert.«

6

Montag, 25. September 1950

Schmidts Vermieterin war eine fast Achtzigjährige, die, wie sie Goldstein ungefragt mitteilte, halb blind war.

»Der Herr Schmidt. Ein feiner Mann, Herr Kommissar«, erklärte sie, nachdem sich Goldstein nach ihrem Untermieter erkundigt hatte. »Ich habe ihn schon seit bestimmt einer Woche nicht mehr gesehen oder gehört.«

»Aber er wohnt in Ihrer Wohnung zur Untermiete?«

»Bei mir?« Die alte Frau schüttelte den Kopf. »Nein.«

Goldstein fluchte innerlich. »Sie haben mir doch eben bestätigt, dass er Ihr Untermieter ist.« Der Kommissar hatte es vorgezogen, die Ermordung Schmidts zu verschweigen und lediglich von einer Vermisstenanzeige, der er nachginge, zu sprechen.

»Ja, das stimmt auch. Aber er wohnt nicht in meiner Wohnung«, bekräftigte sie mit Bestimmtheit. »Wissen Sie, ich habe noch eine Dachkammer. Mein verstorbener Mann hat sie manchmal benutzt, wenn er in Ruhe seine Briefmarken sortieren wollte. Da konnte er sie auch liegen lassen. Einmal hat er seine Sammlung nämlich auf dem Wohnzimmertisch ausgebreitet, ich habe die Tür aufgemacht, es ist Durchzug entstanden …« Sie kicherte. »Die ganzen dummen Briefmarken sind durch das geöffnete Fenster geflogen. Danach …«

»Eine Mansarde also?«

»Ja. Sie hat zwar kein Bad, aber ein Waschbecken. Die Toilette ist eine halbe Treppe …«

»Könnte ich mir das Zimmer ansehen?«

»Natürlich.« Sie nahm erschreckt die Hand vor den Mund. »Meinen Sie, dass er … Dass er da drin liegt?«

»Nein, ganz bestimmt nicht. Ich möchte mich nur einmal umsehen. Haben Sie einen Schlüssel?«

»Natürlich. Warten Sie.« Die Alte schlurfte zurück in den Flur. Wenig später drückte sie Goldstein den Schlüssel in die Hand. »Ich muss doch nicht mitkommen, oder? Das Treppensteigen fällt mir immer schwerer.«

»Nein, ist nicht nötig.«

Die Einbruchsspuren an der Mansardentür waren nicht zu übersehen. Hier hatte sich jemand mit brachialer Gewalt Einlass verschafft.

Goldstein drückte die Tür auf und betrat einen winzigen Flur, an dessen gegenüberliegender Seite sich eine weitere Tür befand. Sie stand halb offen.

Das Zimmer dahinter sah aus wie nach einem Bombenangriff. Kleidungsstücke, die sich offensichtlich im Schrank befunden hatten, lagen auf dem Boden verteilt. Die Schubladen eines Vertikos waren herausgezogen und deren Inhalt ausgekippt worden. Die hochgerollte Matratze des Bettes war mit Federn bedeckt, die aus dem zerschnittenen Oberbett quollen. Bei jedem Luftzug wirbelten sie auf. Nichts in diesem Raum war mehr an seinem Platz.

Zu Goldsteins Überraschung fand sich unübersehbar auf einem kleinen Tisch unter dem Fenster eine teuer aussehende Uhr. Diese Einbrecher schienen es nicht auf Wertsachen abgesehen zu haben. Aber hatten sie das gefunden, wonach sie suchten?

Goldstein schob mit dem linken Fuß einen Stapel Unterwäsche beiseite. Ein zusammengeknüllter Zettel war etwas unter den Schrank gerutscht. Er bückte sich und hob ihn auf. Auf dem Papier klebten Buchstaben, die anscheinend aus einer Zeitung ausgeschnitten worden waren.

 

Geld gegen Schweigen. Denk an

Eine Erpressung? Aber warum war der Text unvollständig? Stammte er von Schmidt? Was hatten die letzten zwei Worte zu bedeuten?

Nachdenklich faltete Goldstein das Blatt zusammen und steckte es ein. Um den Rest würde sich die Spurensicherung kümmern.

7

Dienstag, 26. September 1950

Peter Goldstein hatte die halbe Nacht wachgelegen. Dass Bos ausgerechnet Schönberger als Zeugen benannt hatte, ließ ihm keine Ruhe. Entsprechend unausgeschlafen saß er an seinem Schreibtisch und sortierte seine Gedanken. Dann hatte er eine Entscheidung getroffen. Er griff zum Telefon und bat Schönberger zu sich.

»Setz dich«, sagte er, nachdem sein Kollege das Büro betreten hatte. »Ich muss mit dir reden.«

»Worüber?« Schönberger zog einen der Stühle zu sich hin.

»Ich war gestern im Central Café

»Und?«

»Es geht um einen Johann Bos.«

»Ach, daher weht der Wind.« Schönberger lehnte sich zurück.

»Bos hat mir erzählt, dass du mit ihm und seinen Freunden an dem Abend zusammen warst, als Schmidt ermordet wurde.«

»Wer?«

»Entschuldigung, das kannst du ja nicht wissen. Der Tote, den wir am Freitag gefunden haben, heißt Uwe Schmidt. Bos hat ihn anhand des Fotos der Spurensicherung identifiziert.«

»Wie bist du auf Bos gekommen?«

»Der Barmann aus der Ritze hat mir den Tipp gegeben. Als ich Bos nach seinem Alibi fragte, meinte er, du wärest sein Alibi. Stimmt das?«

»Ich habe mit Bos im Central gefeiert, das ist richtig.«

»Wie lange?«

»Keine Ahnung. Bis zum Morgen. Ich war ziemlich betrunken. Wie du weißt, hatte ich mir am Donnerstag freigenommen, weil ich Geburtstag hatte. Wir haben reingefeiert.«

»Wer war noch dort?«

»Ist das jetzt ein Verhör?«

»Beantworte bitte meine Frage.«

Schönberger seufzte. »Zwei Kollegen von der Sitte, drei, vier Nachbarn.«

»Und Bos?«

»Er war nicht eingeladen, falls du das annimmst. Meine Freunde und ich haben uns im Central getroffen. Bos hockte an einem der Nachbartische. Wir sind ins Gespräch gekommen, er hat eine Runde geschmissen, dann noch eine … Irgendwann kam er an unseren Tisch.«

»Ziemlich großzügig von dir, ins teuerste Lokal am Platze einzuladen.«

Schönberger grinste. »Ja, nicht wahr.«

»Später seid ihr dann in Bos’ Wohnung gegangen?«

»Keine Ahnung. Ich hatte einen Filmriss. Ich weiß, dass wir das Central verlassen und an anderer Stelle weitergetrunken haben, aber wo das war … Aufgewacht bin ich in meinem Bett. Allerdings mit Schuhen und in voller Montur.«

»Wolfgang Müller und Paul Krönert sollen ebenfalls mit von der Partie gewesen sein.«

»Tatsächlich? Wer sind die beiden?«

»Freunde von Bos. Oder Geschäftspartner. Was weiß ich. Kennst du sie?«

Schönberger schüttelte den Kopf. »Wenn ich sie sehen würde, vielleicht.«

»Das war also dein erstes Zusammentreffen mit Bos?«

»Ja. Natürlich kenne ich seinen Namen und das Gerede unter den Kollegen. Ebenso wie die Berichte über seine Verhaftungen wegen der angeblichen Betrugsfälle.«

»Angeblich?«

»Bisher ist es ja noch zu keiner Anklage gekommen, oder?«

»Du hast keine Probleme damit, dich als Polizist von dieser zumindest zwielichtigen Gestalt aushalten zu lassen?«

»Was willst du damit andeuten?«, brauste Schönberger auf.

Goldstein hob resignierend die Hände. Als sein Kollege sich wieder beruhigt hatte, fragte er: »Du kannst also das Alibi dieses Bos bestätigen?«

»Ja, verdammt noch mal!«, schnaubte Schönberger.

»Was ist mit den anderen beiden?«