Ard:
Schreber sterben langsam

Einsamkeit hat einen Namen: Horst Lewandowski. Verzweiflung hat ein Gesicht: eine hohe Stirn, buschige Augenbrauen, blaue Augen, hohe Wangenknochen.

Dem Vorsitzenden des Schrebergartenvereins Zum tollen Bomberg ging es nicht gut. Vor drei Tagen war er zur Krebsvorsorgeuntersuchung gegangen, Routineangelegenheit.

Gestern hatte ihn Doktor Beck beiseite genommen, mit wässrigen Augen fixiert und ihm einen Befund in die Hand gedrückt: HIV-positiv.

Der ehemalige Stahlarbeiter konnte es nicht fassen: er und Aids? Das passte zusammen wie Borussia Dortmund und zweite Liga. Es war grotesk.

Aids, das war die Fernsehdokumentation, bei der er wegzappte. Das war der schwule Friseur Schönbaum aus Hörde, dem Lewandowski seine Haare nicht mehr überlassen hatte, als er hörte, dass der Mann nicht mehr lange zu leben hatte.

Achtundzwanzig Jahre lang hatte er eine tadellose Ehe geführt. Wenn es in Dortmund jemanden gab, auf den das Attribut ›treu‹ zutraf, dann auf ihn. Wenn seine Freunde vom Kegelklub Fidele Jungs, deren Kassenwart er ebenfalls war, die prall gefüllte Vereinskasse in einem stadtbekannten Bordell leeren wollten, hatte er sich stets ausgeklinkt. Aus Angst vor Gerede, vor Indiskretion und Ansteckung.

Nur ein kleines, winziges, einziges Mal war er fremdgegangen. Im vergangenen Herbst, als mit den letzten Sonnenstrahlen im Oktober die Äpfel geerntet wurden und mit viel Bier und Schnaps die Saison ihren Ausklang fand.

Alle hatten viel getrunken. Irgendwann hatte ihn Jutta Röttger gebeten, sie in ihr Gartenhäuschen zu geleiten. Sie fühlte sich angeblich nicht mehr sicher auf den Beinen. Zehn Minuten später lag er dazwischen. Mit hungrigen Augen und festem Griff hatte sie ihn über sich gezogen. Er war Wachs in ihren Fingern.

Am nächsten Morgen war er nicht mehr sicher, ob der Quickie im Gartenhäuschen nicht ein Traum gewesen war. Sie hatten nie wieder darüber gesprochen, sich freundlich über den Gartenzaun gegrüßt. Alles wie immer.

Bis gestern.

Gestern hatte er die Quittung für seine moralische Verfehlung bekommen.

Horst Lewandowski war kein Kämpfer, kein Held. Er wusste genau, dass er nicht die Kraft aufbringen würde, mit der Krankheit zu leben und in Würde zu sterben.

Er dachte an Elsbeth, die Schwester seiner Frau: Ein langes, schmerzhaftes Krebsleiden in Aussicht, war sie der Gesellschaft für humanes Sterben beigetreten und hatte sich das Rezept für einen Schierlingsbecher besorgt.

Er war dabei gewesen, als sie den Trank einnahm und zehn Minuten später das Herz aussetzte.

Das Rezept für die tödliche Dosis hatte er aufbewahrt, gut versteckt und sich fest vorgenommen, ihrem Beispiel zu folgen. Allerdings hatte er an zwanzig, dreißig Jahre gedacht und nicht an ein paar Monate.

Horst Lewandowski spürte keinen Groll gegen Jutta Röttger. Er war sich sicher, dass sie selbst nichts von der Krankheit wusste. Dass sie ebenfalls infiziert war, war Strafe genug. Und vor allem hatte er Angst, sich zu bekennen, mit ihr darüber zu sprechen. Es war nicht kalkulierbar, wie sie mit der Wahrheit umgehen würde. Vielleicht würde sie ihr Elend herausschreien. Ihn bloßstellen. Das wollte er seiner Familie ersparen.

Der Einzige, der von seiner Krankheit wusste, war Doktor Beck, aber der war zum Schweigen verpflichtet. Auf ihn konnte er sich verlassen.

Lewandowski hatte sich vorgenommen, still aus dem Leben zu scheiden. Herzinfarkt, das kommt schon mal vor, wenn man die fünfzig hinter sich gelassen hat.

Die Mitglieder des Vereins würden ihn in dankbarer Erinnerung halten, man würde sich zu seinen Ehren bei der Jahreshauptversammlung erheben, vielleicht sogar den Kiesweg nach ihm benennen: Horst-Lewandowski-Weg.

 

Doch heute Morgen war alles ganz anders gekommen.

Erwin Farle, sein Stellvertreter, war der Überbringer der schlechten Nachricht. Angeblich seien viele Vereinsmitglieder mit seiner Geschäftsführung unzufrieden, hatte er durchblicken lassen. Seinen Alleingang bei der Verkündung einer neuen Platz- und Wegeordnung würden ihm die Leute übel nehmen.

Zuerst hatte Lewandowski die Nörgelei nicht weiter interessiert. Er hatte andere Sorgen. Farle war nur damit unzufrieden, dass er als Stellvertreter nichts zu melden hatte. Wenn es Probleme gab, kamen die Leute doch immer zuerst zum Boss.

Doch dann überraschte der dicke Schorsch Lewandowski mittags mit der Mitteilung, dass die WELAG AG Konkurs angemeldet habe. Das sei soeben in den Nachrichten berichtet worden.

Jedermann wusste, dass Lewandowski die Vereinsrücklagen in WELAG-Aktien angelegt hatte. Eine stabile, todsichere Kapitalanlage, so hatte er auf der Hauptversammlung argumentiert. Warum sollen ein paar tausend Euro auf dem Girokonto nur Kosten verursachen, wenn sich das Geld für das Vereinsfest durch kluge Anlage schnell verdienen ließe!

Alle im Verein hatten zugestimmt. Aber was hieß das schon? Nun würde man ihn zum Sündenbock machen.

Schorsch hatte aufgeschnappt, dass der Vorstand, der heute in Lewandowskis Garten zusammentreffen würde, ein Misstrauensvotum vorbereitete. Man wollte ihn nicht wieder als Kandidaten für die Wahlen zum Vereinsvorsitzenden nominieren. Der Aufstand würde – so Rentner Schorsch – von niemand anderem angeführt als von Jutta Röttger.

Ein Putsch – nach zwanzig Jahren, während derer sich Lewandowski für den Verein krumm gemacht hatte. Wie viele kostbare Stunden hatte er für Sitzungen geopfert? Wie viele tausend Seiten Protokolle getippt?

Er hatte Wege geharkt, die die anderen nicht pflegten, Schnee geschaufelt, wenn andere noch schlafen wollten.

Seine Schreber waren undankbar.

Lewandowski wünschte ihnen die Krätze an den Hals und Läuse an die Rosen.

 

Rache hat einen Namen: Horst Lewandowski.

Er nahm die Tüte mit der Tabletten- und Kräutermixtur von Elsbeths Todestrank und rührte die Zutaten in seinen allseits beliebten Holunderbeersaft. Er hatte die Dosis seiner Schwägerin vervierfacht, schließlich musste sie für den gesamten Vorstand reichen.

Lewandowski blickte starr in seinen Garten. Es war an der Zeit, Abschied zu nehmen. Dreimal hatte er den Wettbewerb Dortmunds schönster Schrebergarten gewonnen, zweimal war er Zweiter geworden.

Sie kamen den Kiesweg entlang: Jutta Röttger, Lutz Krämer und Erwin Farle, gut gelaunt, plaudernd.

Lewandowski musterte die Ankömmlinge kalt. Was hatten sie schon zu verlieren? Jutta Röttger (HIV-positiv), der humpelnde Lutz Krämer (Prostata), der keuchende Erwin Farle (Zigaretten)?

Die Welt würde sie entbehren können!

 

»Glück auf!« Die Dame und Herren Vorstandsmitglieder waren durstig und bedienten sich am schmackhaften Holunderbeersaft. Man sparte nicht mit Komplimenten.

Eine tiefe Ruhe überkam Lewandowski. Er wusste, was er tat, als er das Glas an seine Lippen setzte.

Mit jedem Schluck nahm er Abschied. Er dachte an die Jahre im Stahlwerk, an die glücklichen und auch die langweiligen an der Seite seiner Frau, an die Urlaube. Vor allem dachte er an die vielen wunderbaren Jahre im Schrebergarten. Eine Erinnerung, die ihm dieses Trio kaputt machen wollte.

Als die Gläser leer waren, hob Horst Lewandowski die Stimme an: »Liebe Freunde. Wir beginnen mit unserer Vorstandssitzung. Gibt es weitere Vorschläge zur bekannten Tagesordnung?«

Er musterte die Gesichter der anderen. Noch schienen sie nichts vom Gift in ihren Körpern zu spüren.

Punkt eins war die Vorbereitung des Frühjahrsfestes. In diesem Augenblick traf sich sein Blick mit dem von Jutta Röttger. Bemerkte er in ihren Augen ein spöttisches Funkeln? Machte sie sich über ihn lustig?

Lutz Krämer bemängelte, dass bei der letzten Party nach drei Stunden das Bier ausgegangen war, sodass man abwechselnd zur nahe gelegenen Trinkhalle eilen musste, um Nachschub zu holen.

Der Versorgungsengpass spreche nicht unbedingt für den Weitblick und das Organisationstalent des Vorsitzenden, kritisierte Lutz Krämer.

Die anderen nickten.

Das ist ihre Strategie, dachte Lewandowski. Kleinkrieg. Scheibchenweise seine Kompetenzen beschneiden und dann zum Todesstoß unter ›Verschiedenes‹ ausholen.

Nach dem vorletzten Gartenfest hatte man ihn beschimpft, weil er zu viel Bier eingekauft hatte und man nicht wusste, wie man die Lagerbestände frisch halten sollte. Damals hatte er lamentiert, argumentiert, diskutiert.

Heute hatte er keinen Bock auf eine Auseinandersetzung. Es war ihm zu billig, sich in den letzten Minuten seines Lebens für ein fehlendes Fass Bier zu rechtfertigen. Er würde sich nicht zum Objekt ihres miesen Spiels machen. Er spielte sein eigenes.

Dass die Attacke auf den Vorsitzenden ohne Erwiderung blieb, irritierte die Anwesenden. Fragende Blicke gingen hin und her.

Ein grauer Schleier legte sich über Lewandowskis Augen. Auch seine Gegner hatten die ersten Aussetzer. Jutta Röttger bat um ein Glas Wasser. Sie habe einen trockenen Mund.

Lewandowski erinnerte sich. So war es auch bei seiner Schwägerin gewesen. Der sterbende Körper schrie nach Flüssigkeit. Er musste sich beeilen. Er wollte das Scheitern ihrer Intrige nicht verpassen. »Ich ziehe den Punkt Verschiedenes vor. Wir kommen zum Vorschlag für die Wahl des Vorsitzenden auf der kommenden Jahreshauptversammlung.«

Lewandowski hatte das Gefühl, als stehe er neben sich. Seine Worte klangen eigenartig hallend in seinen Ohren. Auch der Gegner war geschwächt. Niemand widersprach der willkürlichen Änderung der Tagesordnung.

Jutta Röttger meldete sich zu Wort und feuchtete mit Mineralwasser die Lippen an. »Zwanzig Jahre haben wir unter deiner autoritären Führung gelitten. Zwanzig Jahre hast du uns diktiert, was wir tun und lassen müssen. Die Zeit ist reif …«

Die letzten Worte fielen ihr schwer. Offenbar hatte sie einen längeren Vortrag vorbereitet, doch ihre Kräfte reichten nicht aus.

Nun ist es also heraus, dachte Lewandowski. Er sah, wie Erwin Farle mit der Müdigkeit kämpfte. Das rechte Augenlid zuckte. Wie bei Lewandowskis Schwägerin.

»Ich klebe nicht an meinem Posten«, sagte Lewandowski. »Ich bitte um die Nennung von Kandidaten!«

»Es gibt jemanden«, meldete sich Lutz Krämer und klopfte ans Glas, um die dahinschwindende Aufmerksamkeit der anderen zu erlangen, »der sich um unseren Schreberverein verdient gemacht hat. Jemand, dessen Engagement zum Wachsen und Gedeihen des Vereinslebens beigetragen hat. Dem alle zu Dank verpflichtet sind.«

»Darf ich erfahren, wie dieser Kandidat heißt?«

Die drei lachten ihm ins Gesicht.

Er lachte zurück.

Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

»Horst Lewandowski!«, sagten sie im Chor.

Jutta Röttger stand wankend auf und kramte aus ihrer Handtasche einen Brief hervor. »Vom Bundespräsidialamt«, erklärte sie. »Sie haben unseren Vorschlag angenommen. Du kriegst demnächst das Bundesverdienstkreuz.«

Ich bin schon tot, dachte Lewandowski. Der Teufel quält mich.

»Du hast es dir wirklich verdient«, meinte Lutz Krämer. »Warst immer für den Verein da. Hast deine Freizeit geopfert. Hast …« Er hörte einfach auf zu sprechen und schloss die Augen.

Horst Lewandowski sprang auf. »Das ist doch nicht wahr?! Ich dachte, ihr wollt putschen!«

»Quatsch«, sagte die Röttger leise.

»Wegen der WELAG-Aktien!«

Sie lachte müde. »Ach, hat Schorsch auch dich damit in den April geschickt?«

Lewandowski starrte auf den Kalender. Es war der 1. April. Ihm wurde schwarz vor Augen. Er musste sich setzen. Er wollte schlafen, tief und fest schlafen.

Er zwang sich, die Augen wieder zu öffnen.

Lutz Krämer saß noch immer auf seinem Stuhl, kerzengerade. Aber er atmete nicht mehr. Erwin hing mit seinem Oberkörper auf der Tischplatte, seine verkrampfte Hand umfasste das Glas. Jutta Röttger lag neben dem Tisch, die Beine angezogen, die Hände wie ein Kissen unter dem Kopf gebettet.

Lewandowski schloss wieder die Augen. Schmerz und Trauer zerrissen ihm fast das Herz.

Es klopfte an der Tür. So laut und penetrant, dass Lewandowski unter Aufbietung all seiner Kräfte aufstand und zur Tür wankte.

Verschwommen erkannte Lewandowski das Gesicht von Doktor Beck. »Gott sei Dank. Ich hab halb Dortmund nach Ihnen abgesucht. Die Praktikantin, diese dumme Pute. Sie hat den Befund verwechselt. Der Freund von Friseur Schönbaum, der heißt Lewankowski. Mensch, bin ich froh. Ich hatte schon befürchtet, Sie tun sich was an!«

Die letzten Worte hörte Lewandowski nicht mehr.

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Ard:

 

1

»Ach, ist das schööön!«

Trude Farle, 47, Ehefrau des Dortmunder Fleischermeisters Erwin Farle, 52 und zurzeit schnarchend, riss die Balkontür auf und reckte sich. Blauer Himmel und weiße Wölkchen spiegelten sich im Baldeneysee, dessen Wellen die Uferbefestigung vor dem Carolina-Hotel mit sanften Küssen verwöhnten.

Es war Ende August. Im Pool tummelten sich die ersten Gäste. Trude Farle zog sich ein wenig in den Schatten zurück – nicht etwa, um ihre erschlafften Brüste vor fremden Blicken zu schützen, sondern um das Treiben der Frühaufsteher am Wasser unbemerkt beobachten zu können.

Gerade kletterte eine junge Frau aus dem Becken und ging mit leichten Schritten auf die Liegestühle zu. Dabei drehte sie der Observiererin den Rücken zu, sodass Trude Farle Gelegenheit hatte, den Minitanga der Sportlerin von seiner besten Seite zu bewundern. Jemand warf der Tangafrau ein Badelaken zu.

Trude Farle duckte sich, um den edlen Spender unter dem großen Sonnenschirm identifizieren zu können. Dann breitete sich ein triumphierendes Grinsen auf ihren Pausbacken aus und sie trat den Rückzug an.

»Hör mal, Vatter, zwischen dem Struck und der Jutta – da tut sich was!«

Der Mann im Bett wälzte sich auf die andere Seite und gähnte. Das veranlasste seine Gattin, sofort wieder den gewohnten Feldwebelton einzuschalten: »Willse nich endlich aufstehn?«

Es wirkte. Erwin Farle übte Gehorsam. Er quoll aus dem Bett, wartete, bis sich sein Kreislauf stabilisiert hatte, und schleppte sich ins Bad. Geräuschvoll ließ er sein Wasser und einige böse Winde ab.

Seine Gattin seufzte und streifte sich das T-Shirt mit der Spielernummer von Mario Gomez über, das sie schon vor dem Ende der Europameisterschaft zum Sonderpreis in einem Dortmunder Kaufhaus erstanden hatte. Gespannt kehrte sie auf ihre Aussichtsplattform zurück.

Armin Struck hatte den Schutz des Sonnenschirms verlassen und übte Liegestütze. Fünfundzwanzigmal ließ er seine Muskeln spielen und stemmte seine achtzig Kilo dann so leicht hoch, als würde er ein paar Strohhalme wuchten. Lässig schüttelte er seine langen, blonden Haare und schlackerte mit den Armen. Die Tangafrau schickte ihm von ihrem Liegestuhl aus zur Belohnung eine Kusshand hinüber.

Trude Farle wusste nicht, ob sie empört oder amüsiert sein sollte. Immerhin hätte Struck mit seinem Standardlächeln ohne Probleme bei einer Dauerwerbesendung anfangen können – genau die Sorte Mann, bei der Mütter nicht wissen, ob sie die Türen ihrer Töchter von innen oder von außen verriegeln sollen.

 

Armin Struck, gebürtiger Düsseldorfer, war seit drei Jahren Masseur im Carolina-Hotel: abgebrochenes Studium der Betriebswirtschaft, Animateur auf Gran Canaria und Ibiza, erfolgreicher Absolvent eines Wochenendseminars über Hot-Stone-Massage Scen Tao. Je jünger die weiblichen Singles unter seinen Händen waren, desto traumhafter konnte er sich ins Zeug legen.

»Und er ist doch ein toller Mann!«, entschied sich Trude Farle.

»Wer?«

Trudchen warf ihrem Gatten einen genervten Blick zu. Der Fleischermeister hockte nun auf der Bettkante und versuchte, seinen Bauch in eine viel zu enge Unterhose zu zwängen. Er tat das mit der Geschicklichkeit einer Schildkröte, die man auf den Rücken gewälzt hatte.

»Du nicht!«, fauchte sie. »Aber er und Jutta – die könnten ein schönes Paar werden.«

»Von wem redest du eigentlich?«, fragte Metzger Farle endlich.

»Von Struck.«

»Die beiden? Nee!«

»Und ob«, beharrte Trude. »Da ist seit gestern was im Busch. Glaub’s mir …«

»Du hörst mal wieder die Flöhe husten.«

»Und Jutta keuchen!«

»Wie bitte?«

Farle musterte seine Gattin: »Hast du etwa dein Ohr an der Tür gehabt?«

Seine aktivere Hälfte überhörte diese Frage und wandte sich wieder ganz dem Geschehen am Pool zu. Die Tangafrau hatte sich inzwischen erhoben und sammelte ihre Badesachen ein. Sie tat es langsam genug, damit Struck sie von allen Seiten bewundern konnte.

Auch Farle trat jetzt auf den Balkon und genoss die Aussicht. Jutta Röttger war einunddreißig, Sparkassenangestellte und Witwe. Zusammen mit ihrem Mann Stefan hatte sie vor Jahren die Nachbarparzelle im Zum tollen Bomberg bezogen und ihre nächtlichen Rammeleien hatte die halbe Kolonie mitbekommen. Aber seit Stefan Röttger bei einem wilden Motorradrennen die letzte Kurve unterhalb der Hohen-syburg etwas zu schnell in Angriff genommen hatte, waren die Nächte im Bomberg wieder ruhiger geworden.

Anscheinend war das Trauerjahr vorbei – und es wäre, fand Farle, wirklich schade, bliebe eine solche Frau auf Dauer ungeküsst.

Als Jutta Röttger den Fleischermeister auf dem Balkon entdeckte, winkte sie ihm freundlich zu und ordnete demonstrativ ihren prallen Busen in dem viel zu engen Behälter. Farle antwortete ohne Verzug.

Nebenan knarrte eine Balkontür. Ein Bademantel mit Kopf schob sich ans Tageslicht. Und der Kopf sagte: »Morgen, Erwin!«

Die Stimme verriet deutlich, dass ihr Besitzer an einem stattlichen Kater litt, aber Farle hatte mit der Identifizierung keine Probleme: Fritz Schnell, ziemlich lang und so mager, dass man sich fragen musste, wie er mehrere Jahrzehnte am Hochofen durchgehalten hatte.

»Moin, Fritz. Schöner Tach heute, was?«

»Jau. Watt machse da?«

»Die Blümkes pflegen …«

»Anthurium scherzerianum?«

»Stimmt.«

»Kein Wasser?«

»Nee. Blattläuse.«

Vierhändig wühlten die beiden Männer in den Blüten herum und schüttelten seufzend ihre Köpfe. Schließlich meinte Schnell: »Musse …«

»Weiß ich …«

Die Sachkunde der beiden ungleichen Männer kam nicht von ungefähr. Sie und ein knappes Dutzend anderer Hotelgäste waren ein halbes Leben lang stolze Angehörige des Kleingartenvereins Zum tollen Bomberg e. V., dessen Parzellen auf einem der schönsten Gebiete zwischen Hörde und Wellinghofen lagen. Sie hatten stets ihr Bestes getan, um das Ansehen des 1861 verstorbenen Leipziger Arztes Dr. Daniel Gottlob Moritz Schreber nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Dass Schrebergärtner zusammenhielten, war sicher keine Ausnahme. Dass aber fast die gesamte Kolonie ihre Dortmunder Gärten im Stich ließ und sich für ein verlängertes Wochenende in einem Nobelhotel in der Fremde einnistete, war schon ungewöhnlich. Dass ihr Reiseziel aber nicht an Rhein oder Mosel lag, sondern in Essen, galt als eine Sensation, über die sogar ein Anzeigenfriedhof namens Südkurier berichtet hatte.

Bezahlt hatte die gesamte Reise ein Toter: Gartenfreund Heinz Drahle, der vor nicht allzu langer Zeit unter spektakulären Umständen verstorben war. Kinderlos ins ewige Erdbeerbeet verzogen, hatte Drahle sein bescheidenes Vermögen dem Verein vermacht – mit der Auflage, das Geld auf einer gemeinsamen Urlaubsreise zu verprassen.

Nachdem sich die Schrebergärtner von ihrer Überraschung erholt hatten, war lange und äußerst kontrovers diskutiert worden. Zuerst galt Mallorca als Favorit, bis sich Edeltraut Dröse zu ihrer Flugangst bekannte und das Lehrerehepaar Mürrmann ideologische Bedenken gegen die Fliegerei vortrug. Eine Busfahrt an die Mosel kam nicht infrage, weil sich alle daran erinnerten, wie Philip Kroll bei einem Busausflug ins Münsterland den Gang vollgekotzt hatte. Eine Zugreise nach Hamburg war kurz in Erwägung gezogen worden, aber Horst und Else Lewandowski wollten keineswegs auf ihren Anteil am Erbe verzichten. Sie mussten sich täglich um Elses Schwester Elsbeth kümmern, die in einem Dattelner Krankenhaus auf den Abgang aus ihrem Kassenpatientenleben wartete.

So einigte man sich schließlich darauf, dass das Urlaubsziel zwar exotisch, aber im Streckennetz Rhein-Ruhr liegen sollte.

Farle und Schnell hatten eine ›ultimative Kultur-Rundreise‹ ausgearbeitet. Doch der geplante Besuch von sechzehn Bierstuben und Brauhäusern in drei Tagen, von der Privatbrauerei Moritz Fiege in Bochum bis zum Brauhaus Stephanus in Coesfeld, fand bei der Abstimmung keine Mehrheit.

Im Gegenzug hatten die Schreberfrauen einen fünftägigen Beauty- und Wellness-Trip vorgeschlagen. »Einmal so richtig entspannen, den Alltag vergessen und die Seele baumeln lassen!« Auf dem anvisierten Programm standen Fußmassagen, Hamam, Seifenschaum- und Peelingbehandlungen, Hot-Stone-Körpermassagen, Algen-Körperpackung und andere Sauereien. Zum Abschluss winkte eine Heimpflegeberatung inklusive Beautypass.

Dass der Vorschlag bei einer Kampfabstimmung mit einer Stimme Mehrheit angenommen wurde, lag am schwerhörigen Ede Rodenstedt. Er hatte statt ›Wellness‹ ›Loch Ness‹ verstanden − und nach Schottland hatte er schon immer gewollt.

 

So versammelten sich an diesem Morgen außer den Ehepaaren Farle und Schnell auch Monika und Werner Mürrmann, Philip und Eva Kroll, Horst und Else Lewandowski, Ede Rodenstedt, Klaus Drewniak und seine Lebensgefährtin Edeltraut Dröse am Frühstückstisch. Außer diesen Paaren gehörten zwei Singles zum Team: Jutta Röttger, deren Ehepartner aus den oben genannten Gründen verhindert war, und Metin Demir, dessen Frau auf die vier Kinder aufpassen musste.

Drehte sich beim Frühstück sonst jedes Gespräch um die Milbenpest an Lewandowskis Stachelbeeren oder um den Maulwurf unter Krolls Rasen, so sorgte Trude Farle an diesem Morgen für ein neues Thema.

»Wisst ihr schon«, fragte sie, nachdem sie nach einem wachsamen Blick in alle Ecken festgestellt hatte, dass die Witwe noch fehlte, »wisst ihr schon das Neuste?«

Die üblichen Frühstücksgeräusche dämpften sich nur unwesentlich.

»Die Jutta …«

Schlagartig wurde es still. Immerhin war Jutta unbemannt und solch eine Anomalie ließ die Frauen des Vereins schon die Gefahr eines Dauerpflegefalls wittern. Und dass die Männer auf das Stichwort sensibel reagierten, war auch kein Wunder: Mancher von ihnen hätte die junge Witwe gern über ihren Verlust hinweggetröstet. Bei den entsprechenden Annäherungsversuchen waren sie zwar samt und sonders gescheitert, hatten aber ihre Hoffnungen nie ganz aufgegeben.

»Was ist denn mit die Jutta?«, fragte Philip Kroll schließlich.

»Nun«, sagte Trude Farle, trank noch ein Schlückchen Kaffee, lächelte geheimnisvoll und konnte sich dann doch nicht länger beherrschen: Ohne Atempause ratterte sie ihren Bericht von der Witwenfront herunter.

»Na?«, fragte sie schließlich triumphierend.

Schweigen.

»Dem Struck geht es doch nur um das eine«, platzte Klaus Drewniak heraus. »Der sucht sich bestimmt jede Woche eine andere.«

»Wärst wohl auch gerne Masseur geworden«, vermutete Friedchen Schnell.

»Es guckt keiner hinter den Busch«, orakelte Eva Kroll, »der nicht schon selbst dahinter gelegen hat.«

Edeltraut Dröse wurde rot und Klaus Drewniak plusterte die Backen auf. Aber die anderen Männer ergriffen sofort für ihn Partei: »So sind die doch alle.«

»Nein«, sagte Else Lewandowski, die für ihr Leben gern Liebesromane las, »so einer ist der Struck nicht.«

Trude Farle nickte: »Gönnt den beiden doch das bisschen Glück! Ihr seid ja bloß neidisch.«

»Aber er passt nicht zu uns«, meldete sich ausgerechnet Monika Mürrmann. »Ich habe gestern schon sein Horoskop gestellt und …«

Die Blicke der anderen wurden eisig.

»Wer hier nicht passt«, meinte Lewandowski und schaute Mürrmanns anzüglich an, »das ist noch gar nicht raus.«

Die Lehrer wurden rot. Außer ihnen hatten alle anderen mit der Hütte zu tun gehabt: Sie hatten dort malocht oder waren, wie Jutta Röttger, mit Stahlkochern verheiratet gewesen. Selbst Meister Farle hatte seine Wurst im Schatten der Hochöfen gepökelt und gehörte fast schon dazu. Aber Mürrmanns? Die hatten doch einst zusammen mit Cohn-Bendit Steine geschmissen und sammelten sie jetzt beim Subbotnik aus dem Rasen vor dem Vereinshaus. In ihrer Gartenlaube diskutierten sie über eine »ausbeutungsfreie, anarchistische Gesellschaft«, hatten aber zugleich ein eisernes Regiment inne, um die Hörder Schreber zum Sieg im Wettbewerb um die schönste Gartenanlage Dortmunds zu führen. Kurz: Sie gehörten zu einer Sorte von Leuten, für die Greenpeace bereits Artenschutz beantragt hatte.

»Ihr solltet«, sagte Werner Mürrmann, »langsam eure Vorurteile gegen Akademiker ablegen.«

Das gemeinsame Frühstück endete schließlich doch versöhnlich. Man wollte dem jungen Glück eine Chance geben.

 

2

»Unser Schiff ist 1985 gebaut worden und wiegt einhundertfünf Tonnen. Es ist achtunddreißig Meter lang und fünf Meter zwanzig breit. Habt ihr das gewusst?«

Philip Kroll und Klaus Drewniak starrten zuerst Werner Mürrmann an und dann weiter in ihre halb leeren Gläser. Sie hatten sich entschieden, dem Lehrer bei ihrem Bootsausflug von Kupferdreh bis zum Wasserbahnhof in Mülheim nicht zu antworten, denn jede Nachfrage wurde mit einem weiteren Kurzreferat bestraft. Die kleine Wasserreise führte nach der Schleusenfahrt in Baldeney und Kettwig in ein Gebiet, in dem das Ruhrtal breiter und der Fluss teilweise von Deichen begrenzt wurde, hinter denen sich weite Wiesen ausdehnten.

Für die Schreber stand heute das Chocolate-Special auf dem Programm. Die Aussicht, heiße Schokolade in Form von Gesichts- und Körpermassagen verpasst zu kriegen, hatte die männliche Fraktion dazu bewogen, aus dem Hotel zu fliehen und eine Schiffstour zu buchen.

Jutta Röttger hatte Struck, der heute seinen freien Tag hatte, dazu überredet, sie bei der Tour zu begleiten. Doch der machte schon kurz nach dem Ablegen nicht für sie den Liebeskasper, sondern für zwei braun gebrannte Blondinen aus Düsseldorf, die am Abend zuvor im Carolina eingezogen waren. Seitdem schmollte sie und ertränkte ihren Frust im Jägermeister.

»Habe ich doch gleich gesagt«, raunte Drewniak Philip Kroll zu, als Struck einer der Blondinen eine Strähne hinters Ohr strich. »Der vernascht erst die Jutta und sucht sich dann ein paar neue Opfer.«

»Düsseldorferinnen«, schmatzte Philip Kroll verächtlich, als ein paar Wortfetzen herüberwehten.

»Verstehe ich nicht«, meinte Werner Mürrmann. »Ich dachte, der meint es ehrlich mit Jutta. Vorhin hat sie mir noch erzählt, er wolle nach Dortmund ziehen.«

»Der?«, fragte Philip Kroll. »Der passt wirklich nicht zu uns.«

 

Rechtzeitig zum Abendessen war die Schiffsbesatzung wieder im Hotel. Es war ein wunderschöner Abend, wie Horst Lewandowski später auf den Farbdias beweisen konnte: Blende 4,8, 1/125 Sekunde, 100 ASA. Die Sonne ging als roter Ball unter, die Fichten warfen lange Schatten und das Wasser des Sees leuchtete geheimnisvoll. Alles war wie auf der Panoramatapete im Vereinsheim.

Nur eines passte nicht: Juttas Heulen.

 

3

»Ach, ist das schööön!«

Trude Farle riss die Balkontür auf und reckte sich. Blauer Himmel und weiße Wölkchen spiegelten sich im Baldeneysee, dessen Wellen die Uferbefestigung vor dem Carolina-Hotel mit sanften Küssen verwöhnten.

»Wirklich schööön«, seufzte Trude Farle ein zweites Mal, schob ihre Kompaktfigur auf den Balkon und lugte über die mit Handtüchern gespickte Brüstung. Am Pool pumpte Armin Struck seine obligaten Liegestütze und lächelte dabei zu den Campingstühlen herüber. Ein schlanker, braun gebrannter Körper löste sich aus dem Schatten der Sonnenschirme.

»Erwin, komma!«, zischte Trude Farle.

Die junge Frau küsste Struck auf die Stirn und kletterte dann auf seinen Rücken. Die Arme des Masseurs hielten die Last nicht aus. Er landete auf dem Bauch und rollte sich herum, um die Reiterin ins Wasser zu werfen. Das Platschen und das Gekreische trafen Trude Farle wie eine kalte Dusche.

»Willse etwa bis Mittach liegen bleiben?«, keifte sie, ohne den Pool aus den Augen zu lassen. Meister Farle wusste, wie die rhetorischen Fragen seiner Gattin gemeint waren, und wälzte sich aus dem Bett. Mühevoll rollte sich seine Regentonnenfigur heran: »Was ist denn jetzt schon wieder?«

Die Morgensonne blendete ihn und er schirmte die Augen mit seinen spatengroßen Händen ab. »Donner auch!«, rief er und sah genauer hin: Struck lag auf dem Rücken, hatte die Arme ausgebreitet und doch keinen mehr frei: Auf jeder Seite kuschelte sich eine der Düsseldorferinnen an ihn heran.

»Mehr hasse dazu nicht zu sagen?«, schimpfte Trude Farle. »Ach Gott, die arme Jutta!«

»Der glückliche Armin!«

»Erwin!« Die Gattin fuhr herum und blickte Farle fest in die Augen. »Das kannst du doch nicht einfach so mit ansehen. Da musst du doch watt tun!«

»Ich?«

»Klar doch. Jutta ist unsere Gartennachbarin, du bist im Vereinsvorstand …«

»Schatzmeister!«

»Eben! Da kannst du dich doch nicht ausse Verantwortung stehlen!«

»Was für eine Verantwortung?«

»Seid ihr nicht für unser Wohlergehen verantwortlich? Kannst du zusehen, wie ein Vereinsmitglied so behandelt wird? Schließlich geht es um die Ehre von uns allen!«

Farle stöhnte. Wenn es um die Vereinsehre ging, kannten die Frauen kein Pardon.

»Also gut«, sagte er schließlich. »Ich werde mal mit Horst und Fritz darüber reden …«

 

Der Kaffee war an diesem Morgen so schwach, dass er ohne fremde Hilfe kaum aus der Kanne klettern konnte. Aber der Hauptgrund für die schlechte Laune am Tisch war ein anderer: Jutta Röttger fehlte.

»Ich habe alles versucht«, versicherte Trude Farle zum dritten Mal. »Aber sie hat gar nicht erst die Tür aufgemacht. Doch das Heulen konntest du bis auf den Flur hören!«

»Na ja«, meinte Lewandowski, »vielleicht will er sie nur ein bisschen ärgern, und Jutta …«

»Ärgern nennst du das?« Else Lewandowski sah ihren Gatten kopfschüttelnd an: »Typisch Männer! Ihr und euer ewiges ›vielleicht‹! Ihr findet es vielleicht sogar noch ganz gut, was dieser Kerl mit unserer Jutta macht!«

Der Männerchor bekundete schärfsten Protest.

»Dann müsst ihr auch was tun!«

Erneutes Geschrei und Klaus Drewniak sprach aus, was alle dachten: »Wir? Was können wir denn schon tun?«

»Na«, meinte Edeltraut Dröse. »Wenn ich dran denke, wie wir damals mit Drahle fertig geworden sind …«

Schweigen.

An jenen Sommerabend dachte keiner gern zurück. Als die Vernehmungen bei der Polizei beendet waren, hatten alle aufgeatmet – und niemand hatte mehr davon gesprochen.

»Vielleicht«, sagte Klaus Drewniak endlich, »vielleicht sollten wir mit Struck mal ein ernstes Wort reden. Und ihm Bedenkzeit geben.«

»Und wann redet ihr mit ihm?«

Die Männer sahen sich unsicher an.

»Heute Mittag!«, sagte Horst Lewandowski und alle nickten.

 

Der Morgen verging, der Mittag kam und es passierte nichts. Erst in der Abenddämmerung nutzte Klaus Drewniak die Chance und sprach den Masseur auf Jutta Röttger an.

»Ach, die ist noch da?«, antwortete Struck. »Ich dachte, die wäre abgereist.«

Nach einer Aussprache unter Männern, die mit vier Minuten außergewöhnlich lang war, fasste Klaus Drewniak vor den versammelten Schrebern den Inhalt zusammen: »Er will nix von sie wissen!«

 

Vor dem Abendessen traf sich die weibliche Trauergemeinde in Jutta Röttgers Zimmer, während der Vereinsvorstand auf Lewandowskis Bude Kriegsrat hielt. Nach einer halben Stunde erschien Trude Farle und stellte den Männern ein Ultimatum.

Als die Metzgersfrau die Botschaft ausgehändigt und sich wieder ins Frauenexil abgeseilt hatte, herrschte Funkstille im Vereinsvorstand.

Horst Lewandowski fand als Erster seine Sprache wieder: »Die spinnen doch, die Frauen.«

Farle schüttelte den Kopf. »Ich glaube, die meinen das ernst.«

Kroll war kreidebleich. »Aber wir können doch nicht schon wieder …«

»Doch«, knurrte Farle. »Oder es gehen unsere Ehen in die Brüche.«

»Und den Tollen Bomberg können wir auflösen. Wenn das Drahle wüsste …« Lewandowski goss sich einen Schnaps ein und kippte ihn hinunter.

»Vielleicht wollte er genau das erreichen.«

Kroll schnippte mit den Fingern. »Das ist Drahles Vermächtnis!«

Farle nickte. »Oder seine Rache.«

»Wie lange brauchst du bis nach Hörde und zurück?«, fragte Lewandowski Klaus Drewniak, der seine Honda im Parkhaus des Hotels stehen hatte.

»Stunde.«

»Bei den vielen Baustellen?«

»Ich fahr über Wattenscheid.«