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eISBN 978-3-89425-851-1

Der Autor

Sunil Mann wurde als Sohn indischer Einwanderer im Berner Oberland geboren. Nach der Matur schrieb er sich in Zürich für Psychologie und Germanistik ein. Beide Studien brach er erfolgreich ab. Zurzeit ist er als Flugbegleiter tätig, ein Job, der ihm genügend Zeit zum Schreiben lässt.

Viele seiner Kurzgeschichten wurden bereits ausgezeichnet. Mit seinem Romandebüt Fangschuss, Vijay Kumars erstem Fall, gewann er den Zürcher Krimipreis 2010.

Widmung

Für Piero

Samstag

»Ey, Arkadasch!«

Die Tür wurde derart heftig aufgerissen, dass die Gäste in der gut besuchten IQ Bar erschrocken herumfuhren und das Gemurmel, das den Raum summend wie ein friedlicher Bienenschwarm erfüllt hatte, auf der Stelle verstummte. Ein paar empörte Atemzüge lang war nur noch das monotone Rauschen der Geschirrspülmaschine hinter dem Tresen und Santanas selbstverliebtes Gitarrenspiel aus den Lautsprechern zu hören.

»Arkadasch! Kumpel! Gott sei Dank!«, keuchte der schlaksige junge Mann erneut, während er ohne sich umzublicken zur Bar stürzte.

»Da bist du ja!«, empfing ihn sein Kollege überrascht. »Was geht?« Ein hastiger Schlag auf die Schulter, ein flüchtiges Grinsen, und nach einem komplizierten Begrüßungsritual, bei dem sich in rasend schneller Abfolge Knöchel, geballte Fäuste und Finger berührten, ergriffen sich auf Kinnhöhe zwei Hände mit betont männlichem Druck, eine angedeutete Umarmung, dann schwang sich der Ankömmling neben seinem Freund auf den Hocker. Das allgemeine Gemurmel setzte wieder ein.

Der Junge war völlig außer Atem. Er musste gerannt sein, sein Brustkorb hob und senkte sich heftig, Schweißtropfen perlten an seinen Schläfen.

Türken, dachte ich und wandte mich wieder Miranda zu, die gerade drei Finger in die Luft streckte und mit dem herrischen Ton, den ihre Stimme immer bekam, wenn sie auf der Schnellstraße zu einem Damenräuschchen war, bei der amüsiert dreinblickenden Bedienung noch eine Runde bestellte.

»Drei Prosecco?« Die Flasche mit dem italienischen Sprudel bereits in der Hand, deutete die burschikos wirkende junge Frau mit den kurzen roten Haaren auf unsere leeren Gläser.

»Das Konzept hat sich bewährt!«, rief Miranda und lachte ihr raues, tiefes Lachen.

Die Rothaarige lächelte und füllte die Kelche.

»Auf uns!«

Miranda, José und ich stießen miteinander an und grinsten. Es war einer dieser Abende, die länger dauern würden. Wir taten so, als ahnten wir es nicht, doch insgeheim wussten wir es alle, dazu kannten wir uns zu gut.

Bevor wir in der IQ Bar gelandet waren, hatten wir uns im nahe gelegenen abaton einen Film angesehen. In dem weitläufigen Kinokomplex nach amerikanischem Vorbild wurde einem schon im Foyer vom butterigen Popcorngeruch übel und später konnte man wegen der Knirsch-, Schmatz- und Raspelgeräusche der mahlenden Kiefer und knisternden Chipstüten kaum verstehen, was auf der Leinwand gesprochen wurde. Andererseits wurden dort hauptsächlich Filme für ein Publikum gezeigt, das Dialoge als eher hinderlich für die Handlung empfand. Ich jedenfalls konnte mich nur noch vage an den eben gesehenen Streifen erinnern. Es war eine dieser unzähligen Comic- oder Computerspieladaptionen gewesen, die zurzeit von einem bedenklich einfallslosen Hollywood wie Backmischungen mit sogenannten Charakterdarstellern angerührt wurden, die allesamt an Karriereknicken oder Schwerwiegenderem litten. In Kostümen, die sie nach ihrem Oscargewinn nicht einmal betrunken zu Halloween angezogen hätten, staksten, flogen oder hüpften sie durch ein Sperrfeuer von Spezialeffekten, das mit dreidimensionalen Bildern verzweifelt eine eindimensionale Geschichte zu überdecken versuchte.

Miranda, die in letzter Zeit oft gereizt oder ungewohnt melancholisch drauf war, hatte auf diesem Film bestanden, da sie weder dem verkorksten Liebesleben mittelalterlicher Päpstinnen noch den mit pathetischen Nachrufen gespickten Konzertproben verstorbener Popstars etwas abgewinnen konnte. Ihrer guten Laune zuliebe hatten wir uns gefügt.

Ohne abzusetzen leerte Miranda nun das Glas bis zur Hälfte. Ihre schier endlosen Beine übereinandergeschlagen und eine goldfunkelnde Handtasche neben sich auf dem Tresen, saß sie zwischen José und mir, wie immer in etwas Extravagantes gehüllt: ein satinblau schimmerndes Abendkleid mit gewagtem Ausschnitt und breiten Schulterpolstern, dazu ein keckes eierschalenfarbenes Hütchen, dessen Schleier ihr halbes Gesicht bedeckte, auf der sichtbaren Hälfte glitzerte dramatisches Make-up. Miranda sah aus, als käme sie von einem Casting für den Denver Clan.

Während sie mit der Barfrau scherzte, beobachtete ich unauffällig meinen besten Freund José, der abwesend an seinem Glas nippte und den Blick durch die Bar schweifen ließ. Gedämpftes, gelbliches Licht erzeugte mit dem dunklen Holz, aus dem Tische und Bar gefertigt waren, ein italienisches Ambiente. Man wäre nicht erstaunt gewesen, hätte plötzlich Al Capone mit Hut und Nadelstreifenanzug das Lokal betreten. Oder der Falten und gängigen Rechtssystemen gegenüber resistente Silvio Berlusconi inmitten einer Schar blutjunger RAI-Blondinen.

José war wie gewohnt unrasiert, trug eines seiner an Geschirrtücher erinnernden karierten Hemden und die Baseballmütze verkehrt herum auf seinem Kopf. Er hatte sich schon den ganzen Abend merkwürdig ruhig verhalten, auch jetzt schien er tief in Gedanken versunken. Ich bemerkte es daran, dass er den attraktiven, wenn auch nicht mehr ganz taufrischen Damen, die an den Tischchen in unserer unmittelbaren Nähe saßen, keine Beachtung schenkte. Bei ihm war das Anlass zu größter Sorge. José schaute mich an, offenbar hatte er bemerkt, dass ich ihn beobachtet hatte. Fragend hob ich die Augenbrauen, doch er winkte ab, lächelte geheimnisvoll und nahm einen Schluck aus seinem Glas. Es war sinnlos, ihn zu drängen. Wenn er ein Problem hatte, würde er früher oder später von selbst darauf zu sprechen kommen. Ich schätzte, dass er dazu noch etwa vier Drinks brauchte.

Jemand stieß mich unsanft an. Ich fuhr herum und blickte in das überraschte Gesicht des türkischen Jungen neben mir. Er hatte schwarz glänzendes schulterlanges Haar, ein stoppeliges Oberlippenbärtchen und etwas zu akkurat geschwungene Augenbrauen.

»Sorry, Mann, war keine Absicht, echt«, entschuldigte er sich hastig, bevor er ganz vom Barhocker rutschte und breitbeinig durchs Lokal Richtung Toiletten schlenderte. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass sein Kollege, der vorhin so gehetzt in die Bar gestürzt war, sich ruckartig vorbeugte und unter dem Tresen herumnestelte, wahrscheinlich an seiner Jacke, die er dort an einen Haken gehängt hatte. Als er meinen Blick bemerkte, richtete er sich auf und lächelte nervös. Noch immer glitzerten Schweißtröpfchen auf seiner Oberlippe und der olivfarbenen Haut unter den Augen, das weiße Hemd klebte an seinem Körper. Er starrte mich Hilfe suchend an. Fast schien es, als wollte er mir etwas anvertrauen, doch dann wandte er sich ab und spähte unruhig durch die Fensterfront der Bar hinaus auf die belebte Straße.

»Wir müssen weiter«, hörte ich Miranda hinter mir dröhnen, ihre Stimme war in der letzten Viertelstunde eine weitere halbe Oktave in die Tiefe gerutscht. Schwer legte sie mir ihre Hand in den Nacken und drückte kräftig zu. »Nicht wahr, Kleiner?«

»Für dich bin ich immer noch Mister Vijay Kumar!«, berichtigte ich sie gereizter als beabsichtigt.

»Nur weil du ein Schnüffler bist, brauchst du dich nicht so aufzuführen!«

»Privatdetektiv!«

»Freunde nennen ihn eh nur Curryfresser«, erklärte Miranda, zur Bardame gewandt.

»Fick dich!«

»Jederzeit, für dich sogar zum Freundschaftspreis.« Miranda hatte aus ihrem Beruf als nicht ganz so leichtes Mädchen noch nie einen Hehl gemacht, was manchmal in der Öffentlichkeit für erstarrte Mienen oder entsetztes Luftschnappen sorgte, nicht jedoch hier.

Die Barfrau grinste und wünschte viel Vergnügen sowie standhafte Kundschaft.

»Also leert die Gläser, Jungs! Hopp, hopp!«

Miranda war aufgedreht. Während José und ich den Rest Prosecco hinunterstürzten, begann sie, mitten in der Bar zu den lateinamerikanischen Rhythmen Shakiras zu tanzen, eine Art Bauchtanz, bei dem die Hüften mit spastischen Bewegungen vor- und zurückgestoßen wurden und der Busen dabei hysterisch wippte. Ein bisschen erinnerte sie an eines dieser unermüdlichen Duracell-Häschen aus der Werbung. Der Ausschnitt ihres Kleides verrutschte dabei bedenklich und gewährte tiefe Einblicke, auch das Hütchen saß in der Zwischenzeit windschief auf ihren karamellfarbenen Locken. Den Schleier hatte sie zurückgeschlagen, damit sie wenigstens sah, wem sie bei ihren wilden Verrenkungen auf die Füße trat.

Der langhaarige Türkenjunge war mittlerweile zurückgekehrt und lehnte jetzt an der Bar. Pfeifend feuerte er Miranda an, während sein Kumpel sie fassungslos anstarrte.

Ich konnte es ihm nicht verübeln.

Er zupfte seinen Freund am Ärmel und bedeutete ihm, dass er kurz rausgehe. Der Langhaarige nickte, ohne seinen Blick von Miranda zu wenden.

»Dios, wenn du nur im Mittelpunkt stehen kannst! Komm raus hier, bevor es Ärger gibt!« José packte die zeternde Miranda unsanft am Arm und zerrte sie hinter sich her zum Ausgang, wo der junge Türke stehen geblieben war und zaghaft durch die Glasscheibe spähte. Als er bemerkte, dass Miranda und José hinter ihm standen und hinauswollten, trat er rasch beiseite und ließ sie vorbei. Dabei blickte er unverwandt in die Nacht hinaus, als versuche er, etwas zu entdecken.

»Warum musst du immer so bieder sein? Und verklemmt! Genau das bist du! Bieder und verklemmt! Wie alle spanischen Machos!« Mirandas Keifen übertönte die letzten Takte von Shakiras Song, während sie hinausmanövriert wurde.

Ich lächelte der Bedienung entschuldigend zu und folgte den beiden nach draußen.

Dann ging alles sehr schnell.

Ich zündete mir eine Parisienne an und war gerade im Begriff, dem jungen Türken, der direkt hinter mir aus dem Lokal getreten war, ebenfalls Feuer zu geben, als mich jemand derart grob zur Seite stieß, dass ich strauchelte. Beim Versuch, mich an einem der adretten Bäumchen festzuhalten, die vor dem Lokal in Töpfen wuchsen, vollführte ich eine halbe Pirouette und knallte mit dem Hinterkopf gegen die Scheibe des Lokals, bevor ich unsanft auf meinem Hintern landete. Einen Moment lang blieb ich benommen sitzen.

Als ich wieder klar sah, war der Türke umringt von drei jungen Typen in Jeans und teuer aussehenden Turnschuhen, die Gesichter kaum erkennbar hinter Sonnenbrillen und Schiebermützen. Einer hatte sich die Kapuze seiner Jacke über den Kopf gezogen. Sie schubsten den Jungen herum, willkürlich zuerst, als wäre es ein Spiel, doch dann rückten sie immer enger zusammen, die Stöße wurden heftiger und gezielter. Das Opfer der Bande stolperte, fiel jedoch nicht, denn einer der Burschen fing ihn auf und schubste ihn zurück in die Mitte. Sie grölten – ein raues, mitleidloses Lachen, bevor sie den Türken vor sich hertrieben, weg vom Lokal über die Straße. Hilfe suchend wandte der Junge den Kopf, ich konnte für den Bruchteil einer Sekunde die panische Angst in seinen Augen sehen, doch sie drängten ihn weiter. Autobremsen kreischten, jemand hupte, dann war die Gruppe auf der anderen Straßenseite und verschwand unter der Hardbrücke, die wie ein breiter Steg hoch über den Escher-Wyss-Platz führte, im Schatten einer ihrer Pfeiler.

Ich löste mich aus meiner Erstarrung, rappelte mich auf und folgte ihnen. Die ersten Leute liefen bereits zusammen, rasch wurden es mehr, sie kamen aus den Bars und Restaurants, dem nahe gelegenen Kebabstand, als hätten sie nur auf so etwas gewartet. Ein Schauspiel für die Geiferer und Gaffer, beste Unterhaltung und obendrein gratis. Die Gegend, unübersichtlich und momentan von zahlreichen Baustellen verschandelt, verkam am Samstagabend zur Kriegszone. Wie eine giftige Wolke hing die Gewaltbereitschaft über dem Ausgehviertel in Zürichs ehemaligem Industriegebiet. Zu viele testosterongetriebene, frustrierte junge Männer, zu viele Mädchen in zu kurzen Röcken, zu viele sexuelle Versprechungen, zu viel Aggression und zu viele gegensätzliche Ethnien: Ein falsches Wort, ein Blick genügte, um die angespannte Stimmung zum Explodieren zu bringen. Die Fäuste saßen locker, jeder war unter den synthetisch glänzenden Hemden oder Hoodies bis zu den Zähnen bewaffnet und um Gründe scherte sich keiner.

Der Schlägertrupp hatte sich nicht vom Pfeiler wegbewegt, vier zuckende Schatten in der Dunkelheit. Der junge Türke, immer noch umringt von den drei Burschen, duckte sich und hob instinktiv die Hände vors Gesicht, als ihn der nächste Schlag traf. Er wirbelte herum und hielt sich die rechte Schulter, seine Mimik verriet mehr Erstaunen als Schmerz, doch der folgende Hieb in die Magengegend ließ ihn zusammenklappen. Stöhnend richtete er sich wieder auf, doch die Schläge prasselten jetzt erbarmungslos auf ihn nieder. Er schrie nicht, kein Laut war zu hören, außer dem Keuchen der Burschen, dem dumpfen Geräusch, das entstand, wenn die Fäuste auf weiches Fleisch trafen. Ich sah, wie das Blut aus der Nase des Jungen sein weißes Hemd verfärbte, ein dunkler Fleck, der sich rasch vergrößerte.

Plötzlich stöhnte er auf. Von einem brutalen Haken getroffen, sackte er zusammen und lag jetzt wehrlos am Boden. Jemand lachte höhnisch, dann begannen die Schläger, auf ihn einzutreten, ohne Gnade, wie von Sinnen, in den Magen, in den Unterleib, vor die Brust und schließlich auch gegen den Kopf. Etwas knirschte, ein abscheulicher Laut, der mir durch Mark und Bein ging und mich endlich aus meiner Erstarrung riss.

Ich rannte auf den Pfeiler zu, als ich von rechts etwas Satinblaues heranschießen sah: Miranda, einen hochhackigen Schuh über ihrem Kopf schwingend, stürmte auf die Männer zu. Sie stieß einen gellenden Schrei aus, dann stürzte sie sich todesmutig ins Getümmel. Mit ein paar gezielten Hieben ihres Bleistiftabsatzes trennte sie die Schläger. Die ließen von ihrem Opfer ab und blickten zuerst Miranda und dann sich an, entgeistert, als trauten sie ihren Augen nicht. Einer hielt sich die Wange, über die dünne blutige Striemen verliefen: Spuren von Mirandas Fingernägeln.

Doch die drei Typen fassten sich rasch, innert Sekunden war Miranda umringt. Desperate Housewife vs. Reservoir Dogs. Es sah nicht gut aus.

Ohne weiter zu überlegen stürzte ich mich auf den erstbesten Typen und bereute es auf der Stelle. Unter der schwarzen Trainingsjacke mit den goldenen Ärmelstreifen ertastete ich eine muskelbepackte Kampfmaschine, an deren mächtigen Schultern sich meine plötzlich lächerlich kleinen Händchen nun festklammerten, um ihn aus der Kampfzone zu zerren.

Wie befürchtet rührte er sich keinen Zentimeter. Stattdessen versuchte Rambo, mich unwillig grunzend abzuschütteln. Ich ließ nicht locker und arbeitete mich zentimeterweise an seinem Stiernacken vorbei, bis es mir mit einer letzten Anstrengung gelang, den Unterarm um seinen Hals zu legen und zuzudrücken. Ein würgender Laut entfuhr ihm, doch mein Triumph währte nur kurz. Ich biss die Zähne zusammen, um den Schmerzensschrei zu unterdrücken, als er jetzt mit eisernem Griff mein Handgelenk packte und es umdrehte. Etwas knackte, doch noch gab ich nicht klein bei und krallte mich weiter an seinem Hals fest. Plötzlich bewegte er sich wie eine Dampfwalze rückwärts auf den Pfeiler zu und rammte mich gegen den Beton. Meine Lunge versuchte, durch den Hals zu entwischen, doch bevor ich nach Luft hätte schnappen können, stapfte die Kampfmaschine unter mir wieder vorwärts und wiederholte das Ganze. Unbeirrt klammerte ich mich an ihn, obwohl mir der Prosecco ätzend sauer die Speiseröhre hochschwappte. Hätte ich geahnt, was der Abend noch mit sich bringen würde, hätte ich etwas Magenschonenderes getrunken.

Mit Anlauf knallte er mich erneut gegen die Wand und drückte dann kräftig dagegen, bis mir die Luft vollends wegblieb. Ich versuchte, gegen oben zu entkommen, doch ich war hoffnungslos zwischen der Mauer und dem breiten Rücken eingeklemmt. Der Muskelmann brüllte etwas, das ich nicht verstand, dann stemmte er die Beine in den Boden und presste so fest, bis ich flimmernde Punkte tanzen sah. Dann wurde mir schwarz vor Augen.

Als ich wieder zu mir kam, lag ich am Boden. Mein Kopf war ein einziger Schmerz und mein Brustkasten fühlte sich an, als sei er unter einen Lastwagen geraten. Verschwommen sah ich, wie der Typ zurück zu der Keilerei rannte. Ich konnte demnach nur Sekunden bewusstlos gewesen sein. Miranda hielt sich tapfer. Zusammen mit José, der jetzt breitbeinig und mit erhobenen Fäusten neben ihr stand, hatte sie sich vor dem zusammengekrümmt am Boden liegenden Türken positioniert und verteidigte ihn und sich mit ihrem Schuh, dem mittlerweile der Absatz fehlte.

Kitzelnd lief mir ein Rinnsal über die Wange, dann ein zweites, dickflüssig sammelte sich etwas über der Oberlippe. Ich schmeckte das Blut, metallisch und süß. Widerlich. Unwillig wischte ich es ab, als ich von Weitem die Polizeisirenen hörte. Jetzt galt es durchzuhalten, ohne größere Verluste zu riskieren. Schwankend erhob ich mich, doch in der Zwischenzeit hatte einer der Männer, ein untersetzter Typ mit einem brutalen Gesichtsausdruck, Miranda in den Schwitzkasten genommen, während José den zweiten, einen Großgewachsenen, etwas Pummeligen, der in einer grauen Kapuzenjacke steckte, mit Fäusten bedrohte.

»Hey, Blödmann!«, schrie ich, und irritiert blickte der Kapuzenmann herüber. Ich zwinkerte ihm zu, und schon krachte Josés Faust gegen seinen Kiefer. Die Sonnenbrille flog in hohem Bogen durch die Luft, einen Wimpernschlag später traf Josés Schlag seine Nase. Stöhnend sackte der Typ auf die Knie und hielt sich die Hand schützend vors Gesicht, sein Blick vorwurfsvoll auf José gerichtet, wie ein Kind, das sich eine unverdiente Ohrfeige eingefangen hat. Als er die Hand senkte, war seine untere Gesichtshälfte blutverschmiert, er sah aus wie Hannibal Lecter nach einem Pausensnack. Weinerlich verzog er das Gesicht, während er panisch seine verschmierten Finger an der Jeans abwischte. José hob erneut die Faust, worauf sich der Pummelige duckte und jämmerlich wimmerte. Ich war erstaunt zu sehen, wie jung er noch war, keine zwanzig, schätzte ich. Verächtlich spuckte José auf den Boden und wandte sich Miranda zu, die sich immer noch im Schwitzkasten befand und ihren Peiniger keuchend beschimpfte.

Am Ende der Straße waren endlich die Blaulichter zu erkennen, knapp hundertfünfzig Meter noch, doch der Wagen kam nicht vorwärts. Überall waren Menschen. Lachende, rufende, samstagabendlich herausgeputzte in eleganter Kleidung, in Trauben standen sie trotz des kühlen Oktoberabends vor den Lokalen, entlang der beiden Fahrbahnen, rannten über den als Parkplatz benutzten Mittelstreifen unter der Brücke, drängten in Gruppen zwischen den durchfahrenden Autos Richtung Schiffbau und Laborbar.

Der Verkehr bewegte sich zähflüssig, dumpf dröhnte ein Bass. Ellbogen lagen lässig auf heruntergekurbelten Fensterscheiben, und nur widerwillig machten die Fahrzeuglenker der Polizei Platz.

Der Pummelige hatte das Anrücken des weißen Kastenwagens mit dem typischen orangefarbenen Seitenstreifen ebenfalls bemerkt, rasch rappelte er sich auf und versuchte, auf allen vieren davonzuschleichen.

»Du bleibst hier.«

Er schrie auf, als ich ihm auf die Hand trat. Um uns herum hatte sich ein Kreis von Zuschauern gebildet. Sie standen in sicherem Abstand, der sich jetzt noch vergrößerte, als sich das Herannahen der Polizei abzeichnete. Die ersten zogen sich bereits zögernd zurück, mit einem bedauernden Ausdruck im Gesicht. Die Show war noch lange nicht gelaufen, aber mit den Bullen wollte keiner etwas zu tun haben. Nur die Abgebrühtesten unter ihnen blieben stehen und filmten mit ihren Handys weiter.

Miranda und José waren noch immer mit den beiden übrig gebliebenen Schlägern zugange. Ich fluchte, stürzte mich blindlings ins Handgemenge und wurde mit einigen wütenden Fausthieben begrüßt. Die Aussicht, sich mit Gegnern zu prügeln, die sich wehren konnten, schien die beiden Typen anzustacheln, ihre Schläge trafen nun noch gezielter, die Angriffe schienen koordinierter. Ich wehrte mich, so gut es ging, offenbar ohne eine einzige schmerzempfindliche Stelle am gestählten Körper des Muskelmannes zu treffen. Ich wich ein paar Schritte zurück und konnte mich gerade noch rechtzeitig ducken, um Mirandas hochfliegendem Bein auszuweichen. Sie wirbelte herum, berührte knapp den Boden, schoss dann unvermittelt hoch und traf den Untersetzten vor die Brust. Dieser war von der Wucht des Tritts genauso verblüfft wie ich. Mit weit aufgerissenen Augen wurde er rückwärts geschleudert, krachte gegen die Motorhaube eines geparkten Autos, rutschte schräg darüber und blieb benommen hocken. Sofort sprang die Alarmanlage an, ein jaulender Ton, der sich mit dem Heulen der Polizeisirene und der nun ebenfalls sich nähernden Ambulanz vermischte.

»Was war das?«, keuchte ich.

»Capoeira«, antwortete Miranda ebenso atemlos und zupfte ihr Kleid zurecht. »Brasilianischer Kampftanz. Ich hab das damals in Brasilien gemacht. Früher, als ich noch …« Sie hielt inne und setzte sich das Hütchen wieder auf, das ihr halb vom Kopf gerutscht war. »Ich war richtig gut darin.« Sie lächelte versonnen.

Ich nickte verwirrt und dachte, wie schlecht ich sie doch trotz all der unzähligen Stunden, die wir zusammen in den Klubs und Bars der Stadt verbracht hatten, kannte. Wie wenig ich eigentlich über sie wusste.

»Que merda!«

Ich fuhr herum. Josés Gegner, der jetzt bemerkt hatte, dass seine beiden Kumpels ausgefallen waren, ließ von José ab und schritt mit drohend erhobenen Fäusten auf uns zu. Er hatte blonde, kurz rasierte Haare, ein grobschlächtiges, etwas teigiges Gesicht voller Aknepickel und um seinen Hals baumelte eine grobe Goldkette, die er einem Kampfhund geklaut haben mochte. Das kalte Funkeln an seiner Hand verhieß ebenfalls nichts Gutes. Trotz der ungünstigen Lichtverhältnisse erkannte ich den Schlagring, der an seinen Fingern steckte. Blitzschnell schätzte ich unsere Chancen ab. Mit der Polizei konnten wir noch nicht rechnen. Und zwischen uns und den herannahenden Fahrzeugen drängelte sich das Publikum zu dicht, als dass sich eine Flucht durch die Menschenmenge angeboten hätte. Uns blieb nur eine Möglichkeit.

»Da lang!«, schrie ich José zu und deutete in die entgegengesetzte Richtung zur S-Bahn-Station hin, wo sich deutlich weniger Leute aufhielten.

José spurtete los, während sich Miranda hastig ihres zweiten Schuhs entledigte. Hinter ihr fiel mir eine schattenhafte Gestalt auf, die sich über den bewusstlosen Türken beugte.

Immerhin für den ist gesorgt, dachte ich erleichtert.

»Was steht ihr da wie versteinert rum? Lauft!« José rannte voraus, auf die S-Bahn-Station am Ende der Straße zu, doch Miranda eilte zielstrebig in die andere Richtung, direkt dem Muskelrambo entgegen.

»Bist du jetzt komplett verrückt geworden?«, schrie ich ihr hinterher. Erst da sah ich, dass sie offenbar ihre Handtasche vor der Prügelei auf einem Autodach deponiert hatte.

»Verdammt, mach schon!«, trieb ich sie an, während Miranda sich die Tasche schnappte und zu mir zurückhastete. Dann ergriffen wir die Flucht. Unser Angreifer war uns dicht auf den Fersen.

»Das waren Jimmy Choos!«, jammerte Miranda, als wir an ihrem Schuh vorbeistürmten.

»Manchmal muss man im Leben Prioritäten setzen!«

Wir vermieden die hell beleuchtete Ausgangsmeile, die bald von den gespenstisch leeren Plätzen vor den Firmengebäuden abgelöst wurde. Wir blieben unter der Brücke, im Halbdunkeln. Hinter uns hallten schwere Schritte, die immer näher kamen. Als ich zurückblickte, erschrak ich. Das Gesicht unseres Verfolgers war verzerrt, vor Wut und Hass. Ich sah eine Entschlossenheit darin, die mich entsetzte. Wir befanden uns definitiv nicht auf einem Sonntagsspaziergang.

Vor uns machte die Straße eine scharfe Linkskurve unter der Brücke hervor und verschmälerte sich aufgrund der Baustellen zu einem Gässchen, geradeaus lag der Eingang zur Unterführung der S-Bahn-Station, deren hell erleuchtete Gänge uns kaum Schutz boten.

»Mir nach!« Ich bog hinter dem nächsten Brückenpfeiler rechts ab.

»Das auch noch!« Schnaufend musterte José das Absperrgitter, das die Baustelle gegen die Straße hin abtrennte. Mit großen Lettern wies ein Schild darauf hin, dass es strengstens untersagt war, den Ort zu betreten. Dahinter erhob sich mitten aus einem Wirrwarr von Gerüsten, Bretterstapeln, Kabelrollen und Schuttmulden der Sockel des Prime Towers, eines Geschäftsgebäudes mit spiegelnder Glasfassade, das fertig gestellt hundertsechsundzwanzig Meter hoch werden sollte und von gewissen Leuten gern als das neue Wahrzeichen der Stadt gesehen worden wäre. Angesichts der höhenmäßig ähnlich ambitionierten Türme, die in absehbarer Zeit ringsherum aus dem Boden schießen würden, mutmaßte ganz Zürich bereits jetzt – natürlich hinter zwinglianisch-diskret vorgehaltener Hand –, welcher der Bauherren am Ende wohl den größten haben würde.

»Dazu habe ich kaum das Passende an!«, beklagte sich Miranda beim Blick auf das Hindernis.

»Hast du das je?«, flachste ich, während Miranda unwillig zischte, ihre Handtasche schulterte und beherzt das Gitter hochzuklettern begann. Dabei fielen mir ihre Füße auf, die jetzt nur noch in hautfarbenen Strümpfen steckten. Es waren große, breite Füße. Männerfüße.

José und ich schwangen uns gerade über die Absperrung, als der Muskelmann auftauchte. Offensichtlich hatte er im Dunkeln kurzfristig unsere Spur verloren, doch jetzt schnellte er wie ein wütendes Tier bis zur Mitte des Gitters hoch, während wir auf der anderen Seite hinuntersprangen und Miranda nachrannten, die wegen des ganzen Proseccos, den sie intus hatte, oder vielleicht auch aufgrund ihres Lebensprinzips, etwas unkoordiniert die kreuz und quer herumliegenden Stahlträger umlief und zwischen den Stützen des Baugerüsts, welches das Fundament des Turms umgab, verschwand. Als ich über die Schulter zurückblickte, sah ich, dass unser Verfolger bereits über den Zaun geklettert war. Mit geschmeidigen Sprüngen setzte er über die Hindernisse hinweg und holte rasch auf.

Atemlos drängten wir durch den schmalen Korridor zwischen Gerüst und Wand des entstehenden Bauwerks, während der Muskelmann an der anderen Seite der Metallkonstruktion entlangpreschte. Wir mussten höllisch achtgeben, nicht über herumliegendes Werkzeug, Kabel oder Eimer zu stolpern.

Ein scharfes Zischen aus dem Halbdunkeln ließ uns unverzüglich abbremsen.

»Hierher!«, flüsterte Miranda. Sie stand in einer düsteren Mauernische, in der sie verschwand, nachdem sie sich versichert hatte, dass wir ihr folgten. Bevor ich mich ebenfalls durch den Spalt zwängte, sah ich mich nach unserem Widersacher um. Er war ein paar Schritte weitergerannt, bevor er bemerkt hatte, dass wir stehen geblieben waren, doch nun konnte ich ihn im Licht der gleißenden Scheinwerfer, die das Gelände taghell erleuchteten, nirgendwo entdecken. Einen Moment lang blieb ich lauschend stehen, da ich glaubte, ein metallisches Geräusch gehört zu haben. Nur wenige Sekunden später sah ich unseren Verfolger hinter einem Bretterstapel auftauchen. Seine Hand umklammerte jetzt eine schwere Eisenstange, die er hinter sich herzog.

Sofort folgte ich José, dessen blau-weiß kariertes Hemd in der Dunkelheit hell leuchtete, und trieb meine Freunde zur Eile an.

Auf der anderen Seite des Durchgangs tat sich eine weite Fläche auf, rauer Betonboden, in dem sich Reifenspuren und Schuhprofile eingraviert hatten, holprige, unebene Stellen, die unter den Füßen gut zu spüren waren. Von draußen drang nur wenig Licht herein, es roch nach Zement, nach kaltem Rauch und abgestandenem Bier. Erst allmählich erkannte ich die Mauerstücke am gegenüberliegenden Ende der Fläche, frei stehende Wände, verschachtelt wie ein Labyrinth. Wir befanden uns im zukünftigen Erdgeschoss des Gebäudes.

»Und jetzt?« José klang verzweifelt. Wir hatten uns tief in den Rohbau hineingewagt und uns hinter zwei abgewinkelt zueinander stehenden Wänden, die ein Spalt trennte, versteckt. Hier herrschte beinahe vollständige Dunkelheit, einzig durch die Lücke drang ein schmaler Streifen Licht.

»Wir warten«, erwiderte ich angespannt.

»Hört ihr das auch?« Ich spürte Mirandas Bewegung mehr, als dass ich sie sah. Aufmerksam horchend beugte sie sich vor.

»Warten? Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich sehe da vehemente Kommunikationsprobleme auf mich zukommen. Die Kampfmaschine und ich, wir beide kommen definitiv nicht aus dem gleichen Kulturkreis. Nicht, dass ich dem Typen exquisite innere Werte absprechen möchte, ich befürchte nur, dass ich kaum Gelegenheit haben werde, diese schätzen zu lernen …«

»Halt endlich die Klappe!«, unterbrach ich Josés Monolog.

»Will sagen, dieser Typ verarbeitet uns zu Hackfleisch! Warten ist doch das Dümmste …«

»Könntet ihr vielleicht eine Minute lang still sein?«, fuhr uns Miranda an. Abrupt verstummten wir und jetzt hörten wir sie auch: die zielstrebig näher kommenden Schritte und das klirrende Kratzen, das die am Boden nachgeschleifte Eisenstange verursachte.

»Er muss euch gehört haben!«, flüsterte Miranda vorwurfsvoll.

»Das ist schätzungsweise der Zeitpunkt, an dem nüchterne Leute losrennen würden.« Ich wandte mich auf der Suche nach einem geeigneten Fluchtweg um, doch mein Fuß fand plötzlich keinen Halt mehr. Erschrocken zog ich ihn zurück und bückte mich, um die Stelle zu ertasten, wo der Boden aufhörte. Was nur wenige Zentimeter hinter mir war. Angestrengt starrte ich in die Dunkelheit, doch ich konnte rein gar nichts erkennen außer der Kante, die einen Steinwurf von mir entfernt war.

»Wir sitzen in der Falle!«, stieß ich hervor. »Hinter uns befindet sich ein Schacht!«

Erschrockene Stille schlug mir entgegen, in der nur das unheimliche Schürfen und die schweren Schritte zu hören waren.

»Joder! Ich stell mich dann da drüben hin«, seufzte José schicksalsergeben und verzog sich auf die gegenüberliegende Seite des Durchschlupfs. »Friedhof Sihlfeld bitte, falls meine Familie fragt.«

»Kremieren oder Erdbestattung?« Miranda gluckste trotz der ernsten Situation. Typisch.

»Schhhh!«, zischte ich die beiden an und stellte mich mit dem Rücken zur Wand. Der Muskelmann musste somit an uns vorbei, wenn er sich durch den schmalen Spalt zwängen wollte.

»Weshalb lassen wir ihn nicht in den Schacht laufen?«

»Weil er dazu erst über uns hinwegtrampeln müsste.«

Miranda kicherte leise. »Ach so, dann lieber nicht. Das Kleid ist ganz neu.«

»Ruhe!« Schemenhaft erkannte ich, wie sich José duckte. Die Schritte waren verstummt. Einen Moment lang war nur das gleichmäßige Rauschen des Verkehrs von der Hardbrücke zu hören. Behutsam verlagerte ich mein Gewicht, doch mein Körper blieb in Alarmbereitschaft. Ein Schweißtropfen rann mir zuckelnd über die Schläfe, nur mit Mühe widerstand ich dem Drang, ihn wegzuwischen.

Dann strich eine Gestalt am Durchgang vorbei, so nah, dass ich sie hätte berühren können. Ich hielt den Atem an. Die Schritte wurden langsamer, dann entfernten sie sich.

Wir verharrten reglos. Ich hörte Miranda aufatmen und wollte ihr gerade zuflüstern, sie solle bleiben, wo sie sei, als ich einen kühlen Luftzug im Nacken spürte.

Dann fuhr jäh die Eisenstange durch die Lücke zwischen den beiden Wänden und schlug hart auf dem Boden auf. Miranda entfuhr ein gellender Schrei, und José sprang hoch, mit angewinkelten Armen und geballten Fäusten wie ein Boxer. Ich langte sofort hinüber und bekam einen Jackenkragen zu fassen. Der Durchgang schränkte glücklicherweise nicht nur meine Bewegungsfreiheit ein. Mit aller Kraft zerrte ich den Oberkörper des Burschen zu uns herüber. Ehe er reagieren konnte, hatte ihm José einen Schlag ins Gesicht versetzt. Der Muskelmann brüllte auf und riss sich los. Für den Bruchteil einer Sekunde war er verschwunden, dann schwang er die Stange erneut durch die Lücke, ein Funkenregen stob auf, als sie aufschlug, hohl hallte der metallische Klang über die Baustelle. José stieß einen Schmerzensschrei aus, im nächsten Augenblick lag er zusammengekrümmt auf dem Boden und hielt sich das Schienbein. Ganz kurz nur war ich abgelenkt gewesen, diesmal hatte mich der Typ am Revers meiner Jacke gepackt und mit einem groben Ruck zu sich gerissen. Mich noch am Schlafittchen, zwängte er sich durch den Spalt, sodass er jetzt auf unserer Seite stand. Unsere Lage war auch schon rosiger gewesen.

Im Dunkeln sah ich seine Zähne weiß aufleuchten, die Goldkette um seinen Hals, der die Dicke meines Oberschenkels zu haben schien, glitzerte mit seinem Gebiss um die Wette. Der Typ grinste tatsächlich, während er mit beiden Händen die Eisenstange ergriff und ausholte.

»Duck dich!«, schrie Miranda noch, dann schwang sie etwas Goldfarbenes an meinem Gesicht vorbei, ein helles Klirren erklang, gefolgt von einem dumpfen Geräusch. Als ich mich aufrichtete, sah ich den Muskelmann schwankend und benommen vor mir. Noch einmal holte Miranda aus, und sein Kopf knallte gegen die Wand. Augenblicklich wich alle Kraft aus seinen Beinen, er rutschte zu Boden, saß einen Moment lang still und kippte dann zur Seite.

Ungläubig starrte ich Miranda an. »Was war das denn?«

»Meine Handtasche.«

»Was ist da bloß drin?«

»Nichts«, erwiderte sie mit unschuldigem Augenaufschlag.

»Nichts?«

»Nun ja …« Sie lächelte strahlend. »Nur was ein Mädchen an einem Samstagabend halt so braucht: das Allernotwendigste.«

 

»Das ist unglaublich!« José beugte sich näher zum Computer und vergrößerte mit einem Mausklick das Fenster. Fassungslos verfolgten wir die Geschehnisse auf dem Bildschirm. Es war abscheulich, und trotzdem konnte ich den Blick nicht abwenden, während ich mein schmerzendes Handgelenk rieb. Glücklicherweise war es nicht gebrochen.

»Schaut euch diese Brutalität an!«, rief José entsetzt. »Die kennen kein Erbarmen. Und da! Die hören selbst dann nicht auf, wenn ihr Opfer am Boden liegt und blutet. Wieso tut jemand so was? Was sind das bloß für Menschen?«

»Mein Gott, sehe ich fett aus!«, entfuhr es Miranda, die hinter uns stand. Sie hielt sich die Hand vor den Mund und blickte an sich runter. »Findet ihr auch, ich bin zu dick?«

Einmütig und ohne aufzublicken schüttelten José und ich den Kopf.

»Ich fass es nicht!« José sprang auf und begann, aufgebracht im Raum auf und ab zu gehen. Obwohl Journalist für ein Gratisblatt war er normalerweise ein eher phlegmatischer Zeitgenosse, der nicht mehr als ein paar Drinks und einen guten Film brauchte, um sich von der Welt, wie sie war, abzukapseln. Manchmal ergänzte er die Liste noch um einen Joint oder zwei. Doch über ein heißes Thema, seien es soziale Ungerechtigkeiten, spektakuläre Mordfälle oder das seiner Meinung nach mannigfaltige Versagen der Politik, konnte er sich regelrecht echauffieren. Dann erwachte auch seine journalistische Spürnase.

»Darüber werde ich eine Reportage verfassen. Über diese Verrohung, diese sinnlose Gewalt. Diese … diese komplett bescheuerten Wichser! Jemand muss doch etwas tun, man kann doch nicht einfach … Und nächste Woche geschieht es wieder, nur mit anderen Beteiligten. Alle gucken zu und keiner tut was. Das ist ein Skandal!«

»Der Skandal ist dieses verdammte Kleid! Und das ungünstige Licht! Und vor allem dieser Lümmel, der nicht weiß, dass man eine Kamera still halten muss, wenn man filmt. Den hätte man verprügeln sollen!«

Da hatte Miranda allerdings recht: Das Filmchen, vor zwei Stunden unter der Hardbrücke mit einem Handy gefilmt und danach unverzüglich auf YouTube veröffentlicht, war ziemlich verwackelt. Nur verschwommen konnte man erkennen, wie die drei Typen brutal auf den jungen Türken eindroschen, bevor wir uns einmischten.

»Lasst uns mal weitersuchen, ob es noch was in besserer Qualität gibt.« Rasch scrollte José durch die aufgelisteten Beiträge und wählte dann einen weiteren Clip aus, doch auch dieser war unbrauchbar, die Bilder verzerrt, die Kameraführung derart abrupt, dass einem schwindlig wurde. Als befände man sich in einem Film des dänischen Regisseurs Lars von Trier.

Nachdem Miranda und ich die Polizisten zum bewusstlosen Muskelmann geführt hatten, hatten wir unsere Aussagen zu Protokoll gegeben und den Ablauf der Ereignisse so gut wie möglich rekonstruiert, während José sein Bein von den Sanitätern, die sich auch um die beiden angeschlagenen Schläger kümmerten, untersuchen ließ. Glücklicherweise war er nicht gravierend verletzt. Trotzdem hinkte er und verzog immer wieder schmerzgeplagt das Gesicht, als wir ihn in seine Dachmansarde an der Josefstrasse im Kreis 5 begleiteten, wo wir uns von der ganzen Aufregung erholen wollten.

»Hier, das ist schon viel besser!« Aufgeregt deutete José auf den Bildschirm. Dort war gestochen scharf zu sehen, wie Miranda schwungvoll ihren Kampftanz aufführte, bevor sie den untersetzten Typen gegen den Wagen schleuderte. Nur Sekunden später hörte man Josés Rufe, obwohl er nicht im Bild war, worauf Miranda ihre Handtasche schnappte und gemeinsam mit mir Reißaus nahm.

»Welch heldenhafter Abgang«, bemerkte Miranda spöttisch.

Ich richtete mich wie elektrisiert auf und deutete auf den Bildschirm. »Was war das?«

José sah mich fragend an.

»Geh noch mal zurück. Da war doch was.«

Kommentarlos wählte er eine Stelle ein paar Sekunden früher und ließ den Film nochmals laufen.

»Da! Seht ihr?«

»Was denn?« Miranda beugte sich mit gerunzelter Stirn über meine Schulter.

José sog scharf die Luft ein. »Der raubt ihn aus! Ich kann’s echt nicht fassen! Da liegt einer verletzt am Boden und wird zusätzlich auch noch bestohlen.«

»Nein, nein, guckt genauer hin.«

Zu dritt lehnten wir uns vor und starrten auf den Bildschirm.

»Er durchsucht ihn!« Ich erinnerte mich an den Schatten, der sich über den jungen Türken gebeugt hatte. Schemenhaft war zu erkennen, dass es ein Mann war, mit hochgeschlagenem Mantelkragen, bis zur Nase heraufgezogenem Schal und einem breitkrempigen Hut. Der Kerl beugte sich vermeintlich fürsorglich über den Verletzten, tatsächlich durchsuchte er hastig die Jacke des Jungen und tastete seine Hosen ab, bevor er sich aufrichtete und in die Dunkelheit entschwand.

»Ist das alles?«

»Man sieht sein Gesicht nicht!«

»So ein Schwein!«

»Und er trägt einen Frauenschal, dabei steht ihm lila überhaupt nicht«, warf Miranda ein. »Und passt weder zu Hut noch Mantel.«

»Unsere Expertin für Stilfragen«, grinste José und wandte sich wieder dem Computer zu, um den Film noch einmal zu starten. »Da!« Er tippte auf eine Gestalt, die ab und zu ins Bild geriet. Sie stand ganz in der Nähe des am Boden liegenden Türken und nahm, das Handy einen halben Meter vor dem Gesicht, alles auf, während sie eine 180-Grad-Drehung vollführte. José stoppte den Clip und vergrößerte das Standbild. »Dieser Typ filmt in dem Moment alles, was um ihn herum geschieht. Vielleicht ist auf seiner Aufnahme mehr zu erkennen.«

»Das Gesicht des Mannes eventuell?« Bedauernd betrachtete Miranda einen abgebrochenen Fingernagel.

»Kaum, Schal und Hut verdecken das Gesicht perfekt. Da steckt zweifelsohne Absicht dahinter. Aber vielleicht sieht man, ob der Typ allein war oder zu einer andern Gang gehörte.«

»Wäre eine gute Story für dich.«

»Ist es sowieso. Aber darum geht es nicht.«

»Sondern?«

»Ich hab das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt.«

Ich sah José erstaunt an, dann nickte ich nachdenklich. »Da ist was dran. Der Angriff auf den Jungen kam zu zielgerichtet. Als hätten die Typen gewusst, dass er im Lokal saß.«

»Vielleicht haben sie ihn schon zuvor verfolgt. Wenn ich mich richtig erinnere, war er außer Atem, als er in die IQ Bar hereinstürzte.«

»Meinst du, die haben draußen auf ihn gewartet?«, schaltete sich Miranda ein.

»Könnte sein. Er schien ziemlich nervös und war komplett verschwitzt«, gab ich meine Beobachtungen wieder. »Wohin haben sie ihn eigentlich gebracht?«

»Ins Unispital, schätze ich. Ich versuche es rauszubekommen. Die eine Ambulanz ist sofort mit ihm losgefahren. Die Pfleger der zweiten haben sich um die Schläger gekümmert. Und um mein Bein.«

»Und wie finden wir den da?« Miranda deutete auf den Bildschirm, auf dem das undeutliche Bild eines blonden, etwas übergewichtigen Teenagers zu sehen war, der einen blau-rot gestreiften Pullover trug.

Nachdenklich kratzte sich José am Kinn, dann schaltete er den Drucker ein. »Mal sehen. Vielleicht erkennt ihn jemand.«

Konsterniert starrten Miranda und ich ihn an.

»Das ist jetzt aber nicht dein Ernst?«, stöhnte ich. »Ich bin wie gerädert! Dieser Typ wollte wohl Chapatis aus mir machen, so wie der mich durchgeknetet und flach gewalzt hat!«

»Und ich fühle mich wie nach jenem Abend, als dieser Kegelklub aus Adliswil mich einen Abend lang …«

»Spar uns die Details, Miranda!«, fiel ich ihr ins Wort.

»Ihr könnt ja hierbleiben, wenn ihr nicht mitwollt.« José zuckte mit den Schultern, während er das Bild des Jungen auf dem Ausdruck studierte.

Seufzend blickte Miranda mich an, dann ging sie wortlos aus dem Zimmer. »Ich brauche ein Paar Schuhe«, rief sie von der Diele her. »Größe dreiundvierzig.«

 

Anderthalb Stunden später saßen wir wieder in der IQ Bar, erschöpft und enttäuscht. Miranda hing apathisch am Tresen und schob ein halb volles Proseccoglas von der einen Hand in die andere, während José, die Ellbogen aufgestützt, wütend die geballten Fäuste gegen die Schläfen drückte und dabei ins Leere starrte.

Jeder von uns war mit dem ausgedruckten Konterfei des Burschen herumgelaufen und hatte es den Passanten gezeigt, doch keiner wollte ihn darauf erkennen. Außerdem war es spät geworden. Die Kids waren in den Klubs, und die Leute, die noch unterwegs waren, kamen von einer Nocturne oder vom Essen und hatten die Schlägerei gar nicht mitbekommen.

»Ich werde ihn finden«, knurrte José.

»Wir sollten den jungen Türken ausfindig machen. Sicher kann er uns sagen, warum die Typen ihm aufgelauert haben. Und weshalb ihn dieser halb vermummte Typ durchsucht hat.«

Fragend sah mich José an. »Wir? Uns?«

Ich zuckte mit den Schultern. »Meine Auftragslage ist grad alles andere als rosig. Muss die gebeutelte Wirtschaftslage sein.«

Mein Detektivbüro, das sich an der Dienerstrasse in Zürichs Kreis 4 befand, war gerade mal ein paar Wochen alt. Einen einzigen wirklich spektakulären Fall hatte ich bislang gelöst, der einen Bankdirektor ums Renommee und hinter Gitter gebracht und zwei bisswütige Kampfhunde das Leben gekostet hatte. Seither hatte sich nicht mehr viel getan außer ein paar langweiligen Observationen und Recherchen.

Ich konnte also José von Verpflichtungen unbehelligt unterstützen.

»Hm, ein derart professionelles Angebot kriegt man nicht jeden Tag.« José grinste spöttisch.

Mirandas schrilles Lachen unterbrach uns. »Haha! Ein Detektiv mit fatalem Hang zu indischem Whisky und ein bekiffter, spanischer Journalist, der den Arsch nicht hochkriegt, wollen dem armen Türkenjungen helfen. Wenn ich er wäre, würde ich mich auf der Stelle auf alle viere werfen und beginnen, nach Mekka zu beten!«

Grimmig starrten wir Miranda an, während sie unbeeindruckt die Bedienung heranwinkte.

Sonntag

Dumpf pulsierte etwas durchscheinend Rötliches, Plastisches hinter meinen Lidern. Der Puls ging viel zu schnell und mein Mund fühlte sich an, als hätte ich an einem Fuchspelz gelutscht. Ich blinzelte und zuckte zusammen. Grelles Licht versengte meine Hornhaut, das Zimmer drehte sich. Hastig schloss ich die Augen wieder, tastete benommen nach meiner Nachttischlampe und kippte den Schalter. Schlagartig wurde es dunkel. Sonntägliche Stille im Quartier. Angenehm.

Ich erwachte, Stunden später wahrscheinlich, weil mein Schädel gerade von einer Kreissäge gespalten wurde. Von draußen drang kaum noch Licht durch die Lamellen der Jalousie. Ich vernahm eine männliche Stimme, die etwas Unverständliches rief. Musik war zu hören. It’s a cruel, cruel world, treffender als Beth Ditto hätte es auch ich nicht ausdrücken können. Dann schrillte es erneut an der Tür, und das Sägeblatt bohrte sich tiefer in mein aufgeweichtes Gehirn. Ich versuchte aufzustehen, doch mein hochschwappender Mageninhalt hinderte mich daran. Stöhnend fixierte ich einen Punkt an der fleckenübersäten Decke. Erinnerungsfetzen blitzten auf, wirr und beunruhigend. Die Nacht war lang geworden, trotz oder gerade wegen der aufreibenden Ereignisse, und die Drinks unübersichtlich zahlreich. Das Letzte, woran ich mich erinnerte, war irgendein Klub voller Menschen und lauter Musik und Mirandas verzerrtes Gesicht, wie sie mir einen kleinen Plastikbeutel hinhielt und etwas von ihrem Zaubersäckchen flüsterte, von dem ich doch kosten solle. Natürlich steckte ich den angefeuchteten Finger ohne lange zu überlegen hinein und leckte das bitter schmeckende Pulver ab, das aussah wie Brausepulver, das ich als Kind immer am Kiosk gekauft hatte. Danach zerschmolz das Bild wie ein überhitzter Zelluloidfilm.

Ich drehte mich zur Seite, vergrub den Kopf unter dem Kissen und schaffte es, das hartnäckige Klingeln zu ignorieren.

Montag

»Weshalb bist du dir so sicher, dass er hier ist?«

Unwillkürlich hatte ich meine Stimme gesenkt, als wir das Universitätsspital betreten hatten. Ich folgte José, der zielstrebig voranging, durch die Eingangshalle in einen lichtdurchfluteten, leicht ansteigenden Durchgang. Sukkulenten wuchsen der Fensterfront entlang in schwarz glänzenden, edel aussehenden Trögen, ein älterer Mann in einem blauen Pyjama schob schlurfend einen Infusionsständer vor sich her. Während ich immer noch auf eine Antwort wartete, steuerten wir auf eine Glastür zu. Dahinter erstreckte sich ein weiterer, ungleich düsterer Korridor, von dem beidseitig unzählige Zimmer abgingen.

José bog scharf um die Ecke und führte mich ins Treppenhaus. Rasch stiegen wir die aus Marmorplatten zusammengesetzten Stufen hinauf, er immer voraus und ich atemlos hinterher.

Ich flüsterte nur noch, wie das die Leute meist tun, wenn sie sich in einem Spital aufhalten. »Weshalb …?«

»Ich hab so meine Quellen«, fiel mir José kurz angebunden ins Wort.

Er schien diese Aussage nicht weiter ausführen zu wollen. Seine Geheimniskrämerei ging mir allmählich auf den Keks, doch ich beließ es dabei. Für den Moment.

In den Fluren roch es nach Kaffee, und der klinische Geruch von Desinfektionsmittel lag in der Luft. Der sandfarbene Linoleumboden quietschte unter unseren Schritten, als wir durch den Gang eilten. Hinter geschlossenen Türen waren Stimmen zu hören, Volksmusik dudelte aus einem Radio. Eine junge Krankenschwester trat mit einem bunten Blumenstrauß aus einem Zimmer und lächelte uns an, wie es nur Krankenschwestern können, mitfühlend und warmherzig. Im Vorbeigehen registrierte ich, dass sich unter ihrer weißen Uniform ein Büstenhalter und ein spitzenbesetzter Slip abzeichneten, was mich spontan dazu anregte, mir zu überlegen, wann ich zum letzten Mal Sex gehabt hatte. Es fiel mir nicht ein. Ich wandte mich verstohlen nach ihr um und ließ meinen Blick höher wandern, zu ihrem Namensschild, auf dem nur Maike stand, und traf wenig weiter oben auf ein Lächeln, das jetzt merklich kühler war, um nicht zu sagen eiskalt. Abrupt drehte sie sich weg und betrat ein Zimmer auf der anderen Seite des Ganges. Zurück blieb ein Hauch ihres Duftes: Pfefferminze. Was an dem Tee liegen musste, der wohl auch in diesem Spital Standard war.

»Wo bleibst du?« José war ungeduldig stehen geblieben und sah sich nach mir um. »Da vorne ist schon …« Er brach mitten im Satz ab und kniff die Augen zusammen.

»So einfach kommen wir da nicht rein.« Ich kratzte mich am Kinn. Ich hatte keine Ahnung, ob sich mein spanischer Journalistenfreund vorgestellt hatte, wir würden einfach in das Zimmer des verletzten Türken hineinmarschieren, uns kurz und unverbindlich erkundigen, weshalb er verfolgt, verprügelt und am Ende auch noch durchsucht worden war, um dann zufrieden nach Hause zu gehen, wo José seinen erschütternden Bericht schreiben würde, während ich am nächsten Kebabstand kühles Bier holte.