Umschlag

Rainer Wittkamp

Frettchenland

Kriminalroman

 
 

 

Der Autor

Rainer Wittkamp wurde in Münster/Westfalen geboren. Er führte bei diversen Fernsehserien Regie und betätigte sich als Producer, Dramaturg, Headwriter und Stoffentwickler für namhafte Produktionsfirmen. Seit Mitte der Neunzigerjahre schreibt er auch Drehbücher. Als Kriminalschriftsteller debütierte Wittkamp 2013 mit dem ersten Fall für Martin Nettelbeck Schneckenkönig.

www.rainerwittkamp.de

 

Helge Kain gewidmet

Freund / Fachberater / Consigliere

 

Frettieren, das Jagen kleiner Tiere mittels eines Frettchens. Durch penetranten Geruch und stetigen Lärm nötigt das Frettchen seine Opfer, ihre unterirdischen Wohnstätten zu verlassen. Einmal am Tageslicht, werden die flüchtenden Tiere sodann gefangen oder vom Waidmann zur Strecke gebracht. Das Frettieren ist ganzjährig möglich, jedoch wird eine Unterlassung zwischen dem frühen Sommer und dem Herbst angeraten. So sich nämlich Jungtiere im Bau aufhalten, die noch nicht zur Flucht befähigt sind, wird das Frettchen diese reißen und danach womöglich stundenlang gesättigt unter der Erde schlummern. Und darob mitunter selbst zur Beute seiner Feinde werden.

Riemannsche Große Enzyklopädie, Band 5., Dresden 1906, S. 187.

I

Die junge Frau stand vor dem raumhohen Fenster und beobachtete regungslos, wie die Gruppe die Auffahrt zum Reichstagsgebäude hochging. Die Gesichter waren ihr aus den täglichen Nachrichtensendungen vertraut. An der Spitze die ehemalige FDJ-Funktionärin für Agitation und Propaganda mit ihren drei wichtigsten Kabinettsmitgliedern – dem Dicken, der Fiesen und dem Mann im Rollstuhl. Aus ihrer Vogelperspektive im siebten Stock des Paul-Löbe-Hauses wirkten sie allesamt ziemlich kümmerlich. Nicht gerade wie Ameisen, eher wie die Spielzeugfigürchen in den altmodischen Dioramen, die sie so oft mit ihrer Großmutter im Museum Europäischer Kulturen angeschaut hatte.

Die junge Frau warf einen Blick zum PC-Monitor, doch der Farbbalken war nicht kleiner geworden, das Brute-Force-Programm kämpfte immer noch damit, das Passwort zu entschlüsseln. Ihr blieb nicht mehr viel Zeit. Höchstens viereinhalb Minuten bevor sie abbrechen musste.

Sie schaute auf die Inschrift unterhalb des Giebels, die sie aus ihrem verkürzten Blickwinkel nur schwer entziffern konnte. Aber sie kannte die Worte auswendig: Dem Deutschen Volke. Wer auch immer das war, wer auch immer sich zugehörig fühlte.

Vor dem Westportal stellten sich die Regierungsmitglieder auf den Stufen des Mitteleinganges zum Gruppenbild auf. Der Fotograf und seine Assistenten gaben letzte Anweisungen, brachten die ungelenken Figuren in Reih und Glied. Hielten Reflektoren hoch, setzten Lichter. Für das ultimative Kabinettfoto.

Die ideale Situation für einen Amokläufer, dachte die junge Frau. Nahezu perfekt. Wenn sie jetzt ihre Pistole ziehen würde … Wie viele aus der Gruppe würde sie wohl erwischen? Sie war gut im Schießen, das lag in ihrer Familie. Mütterlicherseits. Sie würde punktgenau treffen. Das stellte für sie bei einer Distanz von fünfzig bis sechzig Metern kein Problem dar. Jeder ordentliche Attentäter mit etwas Berufsstolz sollte dazu in der Lage sein. Sollte … Die junge Frau lächelte. An Berufsstolz mangelte es ihr jedenfalls nicht.

Ein Signalton summte – endlich. Sie beugte sich über den Computer, startete ein weiteres Programm. Dort gab sie den Befehl, sämtliche Kontaktdaten und E-Mails auf ihren USB-Stick zu kopieren.

Aus dem Nebenzimmer ertönten Geräusche, die junge Frau prüfte hastig die Uhrzeit – siebzehn Minuten nach acht. Sie sollte längst verschwunden sein. Mit einem Mitteilungsfenster signalisierte das Programm, dass es den Auftrag abgearbeitet hatte.

Jemand klopfte an die Verbindungstür des Nebenzimmers. Die junge Frau riss den Stick aus dem USB-Port, war mit zwei, drei Sätzen an der Flurtür und schlüpfte lautlos hinaus in den Gang.

Sekundenbruchteile später betrat die Büroleiterin den Raum, legte einen Stapel Briefe auf dem Schreibtisch ab und ging zurück in ihr Arbeitszimmer. Dass der Computer eingeschaltet war, bemerkte sie nicht.

*

Nils Janssen, einflussreiches Mitglied des Deutschen Bundestages, stand mit dem Abgeordneten Lukas Tietz vor der gläsernen Eingangstür zum Gang D, der in den Bürotrakt zwischen Rotunde sechs und sieben führte. Hinter ihnen klaffte der Abgrund zum Lichthof des Paul-Löbe-Hauses. Janssen überragte seinen Fraktionskollegen um zwei Haupteslängen. Er war hager, hatte einen Spitzbauch und war ziemlich verkatert. Außerdem juckte sein Hals mörderisch und er verfluchte, dass er das neue Hemd vor dem erstmaligen Tragen nicht gewaschen hatte. Bis zum Abend dürfte er wegen der Scheißimprägnierung garantiert einen dicken fetten Ausschlag haben. Der MdB unterdrückte seine Kratzreflexe und grinste Tietz kumpelhaft an. Der lächelte zurück. Leicht gestresst. Schon am frühen Morgen. Verständlich, schließlich war alles noch völlig neu für ihn.

Die beiden MdBs gehörten der SPD-Fraktion an. Janssen stand bereits in seiner dritten Legislaturperiode, Tietz war erst vor anderthalb Wochen für einen verstorbenen Abgeordneten nachgerückt. Sie waren Mitglieder des Ausschusses zur Klärung der Kosten für den Atomausstieg. Als Ausschussleiter hatte Janssen schon am ersten Tag sein Netz ausgeworfen, um den Parteigenossen Tietz so früh wie möglich auf seine Seite zu ziehen.

»Unterschätz sie nicht, Lukas. Ist nicht so harmlos wie sie aussieht. Die gehört zu den ganz, ganz Ausgeschlafenen und ist die Beste, die Die Linke derzeit am Start hat.«

»Aber den linksradikalen Dünnpfiff, den die absondert …«

»Den hör ich mir schon seit fünf Jahren an. Scheiß drauf, Lukas, pass doppelt und dreifach bei ihr auf, die kann dich ohne Weiteres …« Janssen brach ab, als eine blonde junge Frau die Eingangstür öffnete und vom Gang D auf die Empore trat, die die Rotunden und Bürotrakte auf der Südseite des Paul-Löbe-Hauses miteinander verband. Sie nickte den Männern zu und ging in Richtung der Fahrstühle.

Janssen sah ihr nach. Tolle Figur. Aber wer war das? Noch nie gesehen. Egal. Es gab Wichtigeres. »Hör zu, Lukas, wir gehen heute Abend lecker essen. Ich habe einen Tisch im Borchardt reserviert. Dann gebe ich dir mal ein paar Insidertipps, die ein Frischling wie du gut gebrauchen kann. Einverstanden?«

»Natürlich, Nils, prima«, Tietz strahlte. »Im Borchardt war ich noch nicht.«

»Dann bis später. 11:30 Uhr geht es im Plenarsaal los. Verschlaf es nicht.« Janssen zwinkerte dem Parteigenossen zu und eilte in sein Büro.

*

Büroleiterin Christel Mertens war verwirrt, so kannte sie ihren Chef gar nicht. Er war immer die Ruhe selbst, unerschütterlich im größten Sturm, stand stets über den Dingen.

»Es war niemand in Ihrem Büro, Herr Janssen. Wirklich nicht.«

»Ich habe doch gerade eine junge Frau gesehen …«

»Nicht in Ihrem Zimmer. Das kann ich beschwören.«

»Okay, dann habe ich mich wohl getäuscht.«

Janssen schloss die Tür und trat an seinen Computer, auf dem das Pop-up-Fenster des Kopierprogrammes noch geöffnet war. Diese dämliche Mertens muss ich bei der nächsten Gelegenheit abschießen, dachte er. Die kriegt nichts mehr mit, die bescheuerte Kuh.

Der Bundestagsabgeordnete nahm sein Smartphone und drückte eine Kurzwahltaste. »Nils hier. – Pass auf, du musst mir einen Gefallen tun. – Ja, sofort …«

*

Das größte Problem war die Schallplattensammlung gewesen. Wohin mit seinen ganzen Schätzen? Kinderhände kannten bekanntlich keine Gnade, schon gar nicht, was teure LP-Raritäten in Mint-Qualität anging. Behutsam hatte Martin Nettelbeck versucht, Mark Kojo und Efua Marie die Kostbarkeit seiner Plattensammlung nahezubringen. Hatte ihnen sogar, annähernd kindgerecht, einige Fachbegriffe erläutert. Und zwar ohne sich als Klugscheißer aufzuspielen, denn das galt es von vornherein zu vermeiden. Stand in dem Buch, stand in dem Elternratgeber, den der Kommissar im Frühsommer durchgearbeitet hatte. Ein dicker, äußerst interessanter Wälzer, der ihm klargemacht hatte, dass in jedem Kind ein kleiner Abenteurer und Entdecker steckte.

Kinder sind von Natur aus neugierig, wundern sich über all die vielen Dinge, die sie jeden Tag entdecken. Und mit so großen, runden, schwarzen Dingern mit einem kleinen Loch in der Mitte waren sie bis zu ihrem Einzug in Nettelbecks Wohnung am Lietzensee garantiert noch nicht in Berührung gekommen.

Staunend hatten Mark Kojo und Efua Marie zugehört, wie der Kommissar ihnen repräsentative Platten in den unterschiedlichen Qualitätsstufen vorspielte, auf die sich die Sammler verständigt hatten.

Mint bedeutete, dass die LP in einem absolut neuwertigen Zustand war, ohne jegliche Fremdgeräusche.

Very Good besagte, die Schallplatte war lediglich ein paar Mal abgespielt worden. Zwar wies sie haarfeine Kratzer auf, aber diese waren kaum hörbar.

Good war die Einstufung für eine LP, die relativ häufig abgespielt worden war und daher Grundrauschen und leichte Fremdgeräusche wiedergab.

Worn stand für Exemplare, die überdurchschnittlich oft auf dem Plattenspieler gelegen hatten, voller Kratzer waren, was ein erhebliches Grundrauschen zur Folge hatte.

Fair war die unterste Kategorie, stand in Sammlerkreisen für akustisch völlig inakzeptable, praktisch nicht mehr anhörbare LPs, die höchstens noch zur Werkskomplettierung nützlich waren. Solchen Schrott besaß Kommissar Nettelbeck selbstverständlich nicht.

Der Entschluss zusammenzuziehen, war bei Philomena und ihm im Winter gereift. Seine Freundin und ihre Kinder waren im Laufe des vergangenen Jahres immer mehr zu dem wichtigsten Teil seines Lebens geworden. Der Kommissar hatte häufig bei Philomena übernachtet und im Gegenzug hatte die Baddoo-Family die Wochenenden bei ihm am Lietzensee verbracht. Alles war wunderbar gelaufen und im Frühsommer hatten Philomena und er beschlossen, es mit einer gemeinsamen Wohnung zu versuchen. Wobei es nahelag, dass die drei Baddoos zu ihm zogen, da er anderthalb Zimmer mehr zu bieten hatte. Das sah auch jeder ein und seit Mitte August war es Realität. Seitdem lebten sie wie eine richtige Familie zusammen.

Nettelbeck hatte die Kinder selbstverständlich vorher gefragt, ob sie es schön finden würden, zu ihm zu ziehen, und sie waren begeistert. Alle beide. Ein zauberhafter Moment, dachte der Kommissar, unwiederbringlich. Dabei betrachtete er wehmütig die zerbrochene Schallplatte, die auf dem Wohnzimmerteppich lag. Keep Swingin’ von Julian Priester. Das großartige Debütalbum des Posaunisten, mit Elvin Jones an den Drums und Tommy Flanagan am Piano. Die Erstpressung aus dem Jahre 1960. In absolut erstklassiger und einzigartiger Mint-Qualität. Eine LP-Rarität, die Nettelbeck bei seinem ersten New-York-Besuch durch viel Glück erstanden, die er gut verpackt von Kontinent zu Kontinent transportiert, die jeden Umzug schadenlos überlebt hatte 

Trotzdem war es Efua Marie gelungen, die LP aus dem Schlafzimmer zu klauen, in dem Philomena und er seine Schallplattenregale vorausschauend untergebracht hatten. So viel zum Thema innere Sicherheit und siebenjährige Mädchen.

Efua Marie schaute ihn mit großen Kulleraugen an, schuldbewusst, aber gleichzeitig trotzig. Sie musste doch schließlich ihrer besten Freundin Maike zeigen, wie ihr Onkel Kwame aussah.

Der Kommissar war verblüfft. Onkel Kwame sah also aus wie der Posaunist Julian Priester? Das fand er ganz und gar nicht. Martin Nettelbeck erinnerte Onkel Kwame eher an den Trompeter Nat Adderley. Aber definitiv nicht an Priester.

Egal, der Kommissar gab seinem inneren Schweinehund einen kräftigen Arschtritt und nickte. Efua Maries Argument war schließlich einigermaßen/halbwegs/nahezu überzeugend – Onkel Kwame hatte schon irgendwie Ähnlichkeit mit Onkel Julian. Aber in Zukunft sollte Efua Marie ihn vorher fragen, ehe sie an das Plattenregal ging. Okay? Das Mädchen nickte und strahlte wieder. Nettelbeck strahlte zurück, klaubte die Plattenreste auf und ging in die Küche. Dort warf er die Vinylbruchstücke in den Müll und machte sich klar, dass ihm von nun an zwar ein Leben voller wundervoller familiärer Höhepunkte bevorstand. Aber auch eines ohne Keep Swingin’. Zumindest keines in Mint-Qualität. Selbst wenn er ein Ersatzexemplar auftreiben konnte, mehr als ein Good Plus durfte er nicht erwarten.

*

Der unterirdische Tunnel verband das Paul-Löbe-Haus mit dem Reichstagsgebäude. So konnten die Abgeordneten auf schnellstem Weg von ihren Büros zu den Sitzungen im Plenarsaal gelangen. Wettergeschützt, ob es stürmte oder schneite. Der Tunnel war etwa achtzig Meter lang, verhältnismäßig niedrig und die Decke wurde in der Mitte von vier meterdicken Säulen getragen.

An der Wand hingen gläserne Ausstellungstafeln, die Einblick in die deutsche Geschichte gaben, vom Vormärz über die Revolution 1848, die Weimarer Republik und das Dritte Reich, den Kalten Krieg, bis zum Mauerfall und der deutsch-deutschen Wiedervereinigung. Doch dafür hatte die junge Frau keinen Blick. Sie ging mit schnellen Schritten in Richtung Reichstag, froh, dass außer ihr niemand unterwegs war.

Als sie die zweite Säule passierte, betrat ein Mann den Tunnel am anderen Ende. Er trug einen anthrazitfarbenen Anzug und eine dezente Krawatte, vermutlich ein Hinterbänkler oder Büroleiter.

Die junge Frau wechselte sicherheitshalber auf die andere Seite der Säulenreihe in der Hoffnung, dem Mann nicht direkt zu begegnen. Doch der änderte ebenfalls die Seite, hielt direkt auf sie zu, musterte sie mit hartem Blick. Die junge Frau zögerte nicht lange, drehte sich um und rannte zurück.

Es waren nur wenige Menschen in der riesengroßen, lichten Halle, die das Paul-Löbe-Haus von West nach Ost gliederte. Drei Journalisten unterhielten sich in einer der Sitzgruppen, vor dem Westausgang arbeiteten mehrere Bundestagsbedienstete in einer Informationsinsel.

Die junge Frau ging so schnell, wie es gerade noch vertretbar war, ohne die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf sich zu ziehen. Als sie den gläsernen Fahrstuhl fast erreicht hatte, betrat der Mann ebenfalls die Halle und nahm unauffällig die Verfolgung auf.

Die junge Frau wartete angespannt auf den Fahrstuhl, während der Mann immer näher kam. Endlich öffneten sich die Türen, sie sprang hinein und drückte den Aufzugknopf. Im letzten Moment schlossen sich die Türen vor ihrem Verfolger und der Fahrstuhl fuhr abwärts.

Im Kellergeschoss sprang sie aus dem Fahrstuhl, während sich bereits schwere Schritte auf der Nottreppe näherten. Sie riss die Tür zum Parkdeck auf, lief hinein, suchte nach Deckung. Aber es waren nur wenige Fahrzeuge abgestellt. Sie rannte zu dem Toilettentrakt auf der anderen Seite des Parkdecks und verschwand hinter der Tür mit dem entsprechenden Piktogramm.

Als der Mann das Parkdeck betrat, konnte er die Verfolgte nirgendwo entdecken.

Die junge Frau stand in der letzten Toilettenkabine, die Tür war nur angelehnt. Sie atmete flach, hielt ihre Walther P99 mit beiden Händen, voller Anspannung.

Der Mann kam jetzt in die Damentoilette, hielt inne, orientierte sich, zog seine Waffe aus dem Holster. Er schritt die Kabinen ab, drückte die Türen auf, bedächtig, beinah zärtlich.

»Frau Weiland? Sind Sie hier? Machen Sie keinen Unsinn, ich will nur mit Ihnen sprechen.«

Der Mann hatte die letzte Kabine erreicht, schob die Tür vorsichtig auf und trat drei Schritte zurück. Die Waffe nach unten gerichtet, um demonstrativ Passivität zu signalisieren.

Die junge Frau stand in Schussposition, die Pistole auf die Brust des Mannes gerichtet. Bereit, beim kleinsten Anlass abzudrücken.

Der Mann lächelte sie an, freundlich, vertrauenerweckend, und legte behutsam seine Waffe auf dem Boden ab.

»Ganz ruhig, Frau Weiland, ich bin nicht gefährlich. Ich will nur reden.«

»Schieben Sie sie zu mir rüber.«

Der Mann gab der Pistole mit dem Fuß einen Schubs, sodass sie in die Toilettenkabine schlitterte.

Ihren Gegner mit ihrer Walther fixierend, ging die junge Frau in die Hocke, nahm die Waffe an sich. Dann stand sie auf und trat aus der Kabine. »Woher kennen Sie meinen Namen?«

»Das tut nichts zur Sache. Kommen Sie bitte, wir sprechen besser anderswo.« Er drehte sich um und ging langsam zur Tür.

Die junge Frau folgte ihm wachsam: »Warten Sie, ich kann erklären, wieso …«

Der Mann wirbelte herum, seine rechte Hand schnellte hoch, traf mit voller Wucht den Hals der Frau. Ihr Kehlkopf schnappte zurück, wurde brutal von der Luftröhre gerissen. Sie röchelte, ließ die Pistolen fallen, sackte zu Boden, ihr Kopf schlug hart auf die Fliesen. Der Oberkörper krampfte, sie trat mit den Füßen um sich, zuckte hektisch, griff ins Leere. Blase und Darm entleerten sich, Blut lief aus Nase und Mund, ein qualvolles Aufbäumen, wirre Reflexe.

Der Mann platzierte einen Fuß auf ihre Kehle, trat mit seinem ganzen Körpergewicht zu. Immer wieder. Bis sie aufhörte zu röcheln, bis sie ihn mit gebrochenen Augen anschaute. Starr und blutverschmiert. Tot.

Einen Moment lang erwiderte der Mann ihren Blick. Mit ausdrucksloser Miene. Dann beugte er sich hinunter, durchsuchte die Taschen der Toten und zog den USB-Stick heraus.

*

Nils Janssen ging durch sein Büro und kontrollierte, ob die Diebin noch etwas anderes gestohlen hatte. Akten, Briefe, Dokumentationen oder Sonstiges. Er bewahrte zwar keine geheimen Unterlagen im Büro auf, doch er musste absolut sichergehen. Nach zehn Minuten brach er ab. Offensichtlich war noch alles vorhanden. Der Bundestagsabgeordnete war extrem nervös, so eine Situation erlebte er zum ersten Mal.

Aufgrund des Protokolls im Kopierprogramm war klar, dass die junge Frau seine sämtlichen E-Mails und Kontaktdaten heruntergeladen hatte. Alle sensiblen Daten, die ihn als Drahtzieher einer gesteuerten Manipulation entlarven konnten. Der absolute Super-GAU. Wenn diese Informationen in die falschen Hände kämen, wäre das sein Ende. Nicht nur als Ausschussvorsitzender und Politiker. Er würde definitiv für Jahre ins Gefängnis wandern. MdB Janssen schaute auf die Uhr, überlegte, noch einmal anzurufen. Da klingelte sein Smartphone.

*

Der Mann stand vor der Toten, das Smartphone am Ohr. Er spielte mit dem USB-Stick, ließ ihn zwischen den Fingern rotieren. Virtuos, wie ein Taschenspieler.

»Entspann dich, Nils, ist alles wieder im Lot.« Er hörte seinem Gegenüber einen Moment zu, dann grinste er. »War ein richtig harter Brocken, die Dame, hat sich gewehrt wie eine Löwenmami. – Den USB-Stick hat sie in der Toilette runtergespült. Leider. Gerade, als ich die Kabinentür aufgerissen habe. Ich konnte es nicht verhindern. – Das Ding ist futsch, endgültig im Orkus, siehst du nie wieder. Die Frau auch nicht. – Sei unbesorgt. Ist mausetot. – Aber immer wieder gern. Man sieht sich.«

Der Mann beendete das Gespräch, steckte den USB-Stick in seine Innentasche und verließ die Damentoilette, ohne die Tote eines Blickes zu würdigen.

*

Luise Weiland hatte es sich auf der Terrasse hinter ihrer Villa in ihrem Deckchair gemütlich gemacht. Dick in ein kariertes Plaid eingemummelt, las sie auf ihrem Tablet den Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Obwohl das im Grunde überflüssig war. Seit sie vor sechzehn Jahren ihr Geld fast vollständig in Immobilien angelegt hatte, waren ihr steigende und fallende Börsenkurse ziemlich egal. Ihre Millionen steckten in drei Ferienresorts an der mecklenburgischen Ostseeküste, zwischen Kühlungsborn und Ribnitz-Damgarten, eine Investition, die sich als echter Glücksfall herausgestellt hatte. Eine sichere und unkomplizierte Geldanlage mit einer traumhaften Rendite.

Die alte Dame ließ ihren Blick durch den Garten schweifen, spürte den Windstoß, der gerade in die Blutbuche fuhr und etlichen Blättern den Todesstoß gab. Leise ächzend sanken sie zu Boden. Luise meinte ihren Jammer jedenfalls zu hören.

Die Buche war noch ein schlanker Baum gewesen, als sie und Herbert die Villa in Nikolassee gekauft hatten. Im Juli 1966, Luise war gerade im vierten Monat mit Margo schwanger. Im Herbst darauf waren sie in der Burgunderstraße eingezogen, knapp eine Woche nachdem Heinz Oestergaard seinen Mitarbeitern bekannt gegeben hatte, dass er im kommenden Jahr den Sitz seiner Modefirma von Berlin nach München verlegen werde, um dort sein Studio für kreatives Design zu gründen. Eine Riesengeschichte das Ganze, er stellte es seinen Mitarbeitern frei mitzukommen.

Luise Weiland blieb in Berlin, gab ihre Stellung als Direktrice auf, wurde Mutter, wurde glücklich und entdeckte ihr Talent als Sportschützin. Und zwar als eine ungewöhnlich begabte, wenn man Herberts Clubkameraden glauben konnte, die mit ihrem Mann schon länger in der Schießanlage im heimischen Keller trainiert hatten. Luise war ein Naturtalent, traf von hundert Schüssen neunundneunzigmal in den inneren Kreis, kannte keine Fehlschüsse, gewann einen Wettbewerb nach dem anderen, hätte sich 1968 als einzige Frau fast noch für die Olympiade in Mexiko qualifiziert. Als integriertes Mitglied des Männer-Teams in der Sparte Schnellfeuerpistole.

Doch Herbert konnte mit ihren Erfolgen nicht mithalten, baute als Sportschütze zusehends ab, bis Luise fand, dass für sie ebenfalls der Zeitpunkt gekommen war, um abzubauen. So war nun mal das Leben. Muttersein war schließlich auch etwas Schönes.

Finanziell ging es der Familie mit jedem Jahr besser. Herbert leitete eine der letzten Maschinenbaufabriken im Westteil Berlins. Zog die ganzen gestopften Aufträge an Land, aus Westdeutschland und von den alliierten Streitkräften. Es herrschte Westberliner Partytime, Herbert und Luise immer mittendrin bei den vielen Aktivitäten, die in der Frontstadt anstanden. Anderthalb Jahre vor dem Fall der Mauer verkaufte Herbert die Fabrik an Orenstein & Koppel. Zu einem Preis, der die Weilands in null Komma nichts zwei Etagen höher katapultierte, in die Spitzengruppe der Berliner Millionärsriege.

Als im November 1989 die Mauer aufging, erlitt Herbert Weiland vor lauter Freude seinen ersten Herzinfarkt. Der zweite folgte 1995, als Christo und Jeanne-Claude den Reichstag verhüllten und Herbert von einer der schweren, silberfarbenen Stoffbahnen zu Boden gerissen wurde. Dem dritten erlag er dann 1999, weil die Bundesregierung und das Parlament von Bonn nach Berlin umzogen. Das war eindeutig zu viel für Herbert, damit hatte er nicht gerechnet. Aber er hatte die Seinen gut versorgt. Luise verfügte über ein Vermögen von achtundvierzig Millionen DM, welches sie in den kommenden Jahren geschickt vermehrte.

Tochter Margo brachte im Februar 1988 ein uneheliches Kind zur Welt. Der Vater war irgendein britischer Musiker, dessen bürgerlichen Namen sich Margo nicht gemerkt hatte und der kurz nach dem Zeugungsakt schon wieder aus ihrem Leben verschwunden war. Margo dachte an Abtreibung, aber Luise überredete sie, das Kind zu bekommen. Nachdem Margo schließlich eingewilligt hatte, pochte Luise darauf, dass das Baby den Namen Lotte erhielt. Nach ihrem Lieblingsbuch Das doppelte Lottchen von Erich Kästner, in dem es eine Luise und eine Lotte gab. Das musste Großmutter und Enkelin für ewig miteinander verbinden.

Während Margo wahllos irgendwelche Fächer studierte, die sie immer wieder abbrach, kümmerte Luise sich um die Erziehung ihrer Enkeltochter. Lotte wuchs behütet in der Villa in Nikolassee auf und nach Herberts Tod wurde sie zum Mittelpunkt von Luises Leben. Im Sommer 2003 starb Margo bei einem Autounfall auf Ibiza. Zu diesem Zeitpunkt war sie längst exmatrikuliert, ging keiner geregelten Beschäftigung nach, lebte von dem mütterlichen Monatsscheck und trieb sich in der Welt herum.

Auch wenn Luise die Entwicklung ihrer Tochter in den letzten Jahren mit zunehmender Verbitterung betrachtet hatte, warf ihr Tod sie aus der Bahn. Zwar blieb ihr Lotte, aber Luise wurde trotzdem immer öfter von depressiven Phasen erfasst. Mit der Zeit dauerten diese Zustände immer länger, entwickelten sich zu einer massiven Störung. Lotte zuliebe suchte Luise einen Psychiater auf, den sie aus dem Lions Club kannte, in dem sie und Herbert nach dem Mauerfall aktiv gewesen waren, um den neu dazugekommenen Brüdern und Schwestern zu helfen. Völlig uneigennützig. Der Mediziner verschrieb ihr ein Antidepressivum, doch die Nebenwirkungen belasteten Luise enorm: Sie schwitzte unverhältnismäßig stark, hatte Zitteranfälle, vergaß Dinge. Und sie nahm innerhalb eines halben Jahres zwölf Pfund zu, obwohl sie das ganze Leben lang ihr Gewicht eisern gehalten hatte.

Doch am schlimmsten war, dass sie sich wie ein Zombie fühlte, immer mehr den Eindruck hatte, ihre Enkelin Lotte nur durch einen Schleier wahrzunehmen. Luise versuchte es mit anderen Medikamenten, aber es wurde noch unerträglicher. Bis ihr der Psychiater schließlich ein Fläschchen mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit gab. Es entpuppte sich als ihre Rettung – reines, heilsames Cannabis-Öl, mit mildtätigem Tetrahydrocannabinol.

Luise fröstelte. Die Markise warf inzwischen einen tiefen Schatten auf den Deckchair, was sie überhaupt nicht ausstehen konnte. Mit ihren dreiundsiebzig Jahren hatte sie schließlich Anspruch auf unbegrenzte Wärme. Sie stand auf und zog die Liege an den Rand der Terrasse, hin zum Sonnenlicht. Wie jeden Tag erfreute sie sich an der Schönheit ihres Gartens. Er war traumhaft. Sicherlich einer der imposantesten Privatgärten in ganz Berlin. Jedes Jahr wurde sie von einer Gruppe durchgeknallter Gartenfreundinnen aufgefordert, ihn an einem »wir-sagen-Ihnen-natürlich-noch-rechtzeitig-Bescheid-wann«-Nachmittag zur allgemeinen Besichtigung freizugeben. Was sie stets vehement ablehnte. Das war ihr Garten. Und nicht das Freigehege irgendwelcher Schrebergartenschnepfen.

Luise Weiland schaute zum Teich, der zwischen den dicht gewachsenen Bäumen und Sträuchern nur schemenhaft zu erkennen war. Yasser Al-Shaker, ihr Gärtner, schnitt gerade die vergilbten Seerosenblätter ab. Mit seinem Kescher hatte er bereits die treibenden Blätter der anderen Wasserpflanzen abgefischt, ehe sie auf den Teichgrund sinken konnten und dort zu Faulschlamm zersetzt wurden. Yasser war ein vorzüglicher Gärtner, der vor nicht einmal zwei Jahren das Amt seines Vorgängers übernommen hatte und es bravourös ausfüllte. Dazu war er auch noch ein umsichtiger Chauffeur und ein begnadeter Chemiker. Jedenfalls was die Produktion von Cannabis-Öl betraf.

Luise hatte im Keller für Yasser eine Zuchtstation bauen lassen. Ein High-End-Modell mit einer aufwendigen Lüftungsanlage einschließlich Aktivkohlefiltersystemen, die die Abluft gründlich neutralisierten. Denn wenn Luise selbst den Duft des Hanfes liebte, so konnte sein charakteristischer Geruch von anderen Menschen doch als störend wahrgenommen werden. Und zu unnötigen Problemen führen. Darauf legte sie nach einer fast fünfzigjährigen Nachbarschaft keinen Wert.

In dem unterirdischen Anbau zog Yasser Al-Shaker geduldig und auf Perfektion bedacht die weiblichen Cannabispflanzen auf, die er später in einem langwierigen Prozess in ihr persönliches Rettungselixier verwandelte. Denn das war zwingend nötig geworden, nachdem ihr Psychiater seine Praxis aufgegeben hatte und als Lieferant nicht mehr zur Verfügung stand.

Luise Weiland kannte Yasser Al-Shakers bisherigen Lebensweg nur vage. Was auch an der Substanz lag, die er ihr unermüdlich zubereitete. Day and Night, Night and Day. Offensichtlich war Yasser aber ungefähr sechsundzwanzig Jahre alt und stammte aus Darʿā, einer syrischen Stadt fünf Kilometer nördlich der jordanischen Grenze. Er hatte sich als Student am Bürgerkrieg beteiligt und musste deshalb im Mai 2011 nach Deutschland fliehen. Zu seinem und Luises Glück wurde er als GFK-Flüchtling anerkannt. Seit einem Jahr durfte er sogar, wenn auch beschränkt, arbeiten, war jetzt offiziell als Gärtner, Fahrer und Mädchen für alles bei Luise beschäftigt. Und wenn sie ihren Garten betrachtete, war das eine sehr gute Wahl gewesen, denn Yasser hatte den sprichwörtlich grünen Daumen. Und das nicht nur auf dem Gebiet der Hanfzucht.

Die alte Dame hob die Hand, winkte ihm zu. Der junge Mann legte seine Gerätschaften ab und kam zu ihr auf die Terrasse. Er hatte die Lippen unter dem schmalen Schnurrbart leicht geöffnet, sodass die kleine Lücke zwischen seinen Schneidezähnen zu sehen war. Darüber sein glutäugiger Blick, die bronzefarbene Haut und das blauschwarze Haar. Yasser lächelte und Luise war sicher, dass er damit alle Frauenherzen zum Schmelzen bringen konnte. Bei ihrer Hauswirtschafterin und der Putzhilfe war es zumindest so. Die beiden himmelten den jungen Mann an, wenn auch ohne jede Hoffnung auf amouröse Erfüllung. Yasser umgab die Aura des exotischen Traummannes. Sein orientalisches Aussehen versprach einer Frau alles, verklärte ihn gleichsam zu einem Don Juan aus dem sagenumwobenen Morgenland.

»Yasser, ich denke, ich sollte vielleicht meine Medizin nehmen. Was meinst du?«

»Eine gute Idee, Frau Weiland. Dann können Sie gleich mal den Vaporizer testen, der heute Morgen aus der Reparatur gekommen ist.«

»Wunderbar.«

Galant half Yasser ihr hoch und geleitete sie zur Villa. Passte sich dabei ganz ihrer gravitätischen Schrittweise an. Orient und Okzident … der junge Galan und seine lebenserfahrene Muse … Mein Gott, bist du kitschig, Luise, rief sie sich zur Räson. Und dabei hast du noch nicht einmal deine Medizin genommen!

*

Der Eingang zur Damentoilette war mit einer mobilen Absperrung versehen worden. Eine Frau in einem anthrazitfarbenen Hosenanzug, die eine Schutzweste mit der Aufschrift Polizei trug, versuchte, die ältere Reinigungskraft zu beruhigen, die die Leiche vor zehn Minuten gefunden hatte. Die Frau zog nervös an ihrer Zigarette, obwohl im ganzen Gebäude Rauchverbot herrschte. Die Polizeibeamtin hatte kurz überlegt, es ihr zu verbieten, aber dann Gnade vor Recht ergehen lassen.

»Ihnen macht doch keiner einen Vorwurf. Niemand von uns glaubt, dass Sie damit etwas zu tun haben.«

»Meinen Sie? Ich weiß nicht«, die Putzfrau inhalierte tief. »Ich habe Angst, dass ich gefeuert werde.«

»Meine Kollegen stellen Ihnen nur ein paar Fragen. Alles halb so wild.«

Wenig überzeugt warf die Putzfrau die Zigarette zu Boden und trat sie aus.

Drei Männer in dunklen Anzügen betraten das Parkdeck. Vorneweg ein hagerer Endvierziger mit Stirnglatze – Heiko Wiggers, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Polizei beim Deutschen Bundestag. Dicht hinter ihm sein Stellvertreter – Polizeihauptkommissar Bodo Noack, ein gedrungener Mann mit raspelkurzen Haaren und jovialer Ausstrahlung. Und als Jüngster der drei, ein Mann von Ende zwanzig, mit der virilen Ausstrahlung eines Kampfsportlers – Alexander Zylka, Polizeiobermeister und Bodo Noacks rechte Hand.

Die Polizeibeamtin informierte ihre Kollegen über die bisherigen Erkenntnisse. Die Männer stellten der Putzfrau ein paar Fragen und schnell war klar, dass sie keine brauchbaren Hinweise auf den oder die Täter geben konnte. Heiko Wiggers bat seine Kollegin, die Frau in das Büro der Bundestagspolizei zu bringen und ihre Aussage zu protokollieren.

»Sollen wir uns den Tatort anschauen?«, fragte Zylka.

»Nein«, antwortete Noack. »Zuerst kommen die Jungs von der Spurensicherung …«

»… und dann die Kollegen aus der Keithstraße«, ergänzte Wiggers. »Mord fällt nicht in unseren Zuständigkeitsbereich.«

*

Jutta Koschke hatte die ganze Nacht kein Auge zugemacht. Günther ging ihr seit Tagen aus dem Weg, eigentlich schon seit Wochen. Ihr Mann war noch schweigsamer als sonst, richtiggehend wortkarg, sang nicht einmal mehr beim Duschen seine geliebten Shantys. Die Kriminalrätin hatte vorsichtig versucht herauszufinden, was los war, aber Günther hatte abgeblockt, berufliche Belastung vorgeschoben. Das war natürlich Unsinn. Oder schlimmer – eine Lüge. Ihr Mann war bei der Wasserschutzpolizei erst vor einem Dreivierteljahr schwerpunktmäßig in die Ausbildung der jungen Kollegen eingebunden worden. Eine Tätigkeit, von der Günther immer geträumt hatte. Er war zuständig für die Qualifizierung der Bootsführer und die Fahrerlaubnisprüfungen zum Führen von Dienstbooten innerhalb der Berliner Gewässer. Nein, es war nichts Berufliches. Aber was war es dann?

Es klopfte.

Roger Delbrück und Martin Nettelbeck betraten das Büro der Kriminalrätin. Es passierte nicht oft, dass der Leitende Kriminaldirektor des LKA persönlich zur Mordkommission in der Keithstraße kam. Meistens hing es mit seinem alten Partner Martin Nettelbeck zusammen.