cover.jpg

 

Cover

Impressum

Der Autor

Inhalt

Der Brand

Der Kollege

Der Brief

Die Gefahr

Das Büro

Der Saal

Das Solo

Der Sohn

Der Stoff

Die Übergabe

Der Tote

Die Villa

Das Feuerzeug

Die Waffe

Der Bruch

Das Fondue

Die Tochter

Der Gitarrist

Der Bahnhof

Der Proberaum

Der Ausländer

Die Krise

Der Unbekannte

Der Besucher

Das Kondom

Der Block

Der Freund

Der Durchbruch

Der Drink

Das Boot

Der Verrat

Die Band

Der Hang

Glossar

 

E-Book © 2014 by GRAFIT Verlag GmbH

Originalausgabe © 2006 by GRAFIT Verlag GmbH

Chemnitzer Str. 31, D-44139 Dortmund

Internet: http://www.grafit.de/

E-Mail: info@grafit.de

Alle Rechte vorbehalten.

Umschlaggestaltung: Peter Bucker

Umschlagfoto: Jörg Buschmann, buchcover.com

eISBN 978-3-89425-173-4

Ernst Solèr

 

 

 

Staub im Feuer

 

 

 

Kriminalroman

 

 

 

img1.jpg

Der Autor

 

Ernst Solèr, geboren 1960 in Männedorf und im Juli 2008 in Zürich viel zu früh verstorben, arbeitete zuletzt als Autor und Journalist u.a. für das Schweizer Radio DRS und die Wirtschaftszeitung Cash.

2006 ist sein erster Kriminalroman um den launischen Hauptmann Fred Staub von der Zürcher Kantonspolizei, Staub im Feuer, erschienen. Es folgten Staub im Wasser, Staub im Schnee und Staub im Paradies.

 

 

 

Für meine Tochter Sarah

Staub im Feuer spielt im frühen 21. Jahrhundert in Zürich. Während die Schauplätze größtenteils real sind, sind Handlung und Figuren rein fiktiv. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig und unbeabsichtigt.

Der Brand

 

Die Spannung zwischen uns glimmt wie eine Zündschnur, die kurz innehält, weil sie noch nicht weiß, worauf genau sie zuläuft. Wir versuchen aneinander vorbeizuschauen, so gut es geht. Das ist insofern schwierig, als wir uns in der oberen Etage eines proppevollen Doppelstockwagens der Zürcher S-Bahn frontal gegenübersitzen. Der jüngste nächtliche Streit hatte sich an einem unbedeutenden Detail entfacht wie so mancher zuvor. Ein Wort gab das andere. Eben erst mühevoll errichtete Respektbarrieren wurden ohne Schamgefühle niedergerissen, alte Sünden genüsslich hervorgekramt und neue präventiv unterstellt. Das Ergebnis war finsteres Schweigen und ist es bis in den heutigen trüben Aprilmorgen hinein geblieben.

Auf Leonies Gesicht liegt der Hauch eines Schattens, sie reibt ihre schmalen Hände aneinander, als ob sie friert, und blickt starr zum Fenster hinaus. Immerhin sitzt sie in Fahrtrichtung, wenn sie schon in den Niederungen der zweiten Klasse reisen muss. Ich blicke auf die andere Seite und sehe, wie die beiden Kinder auf den Sitzen jenseits des Gangs die Nase rümpfen. Ihr struppiger Hund beginnt leise zu winseln. Nur die Mutter starrt stoisch in ihre Handelszeitung. Hinten im Wagen wird aufgeregt getuschelt. Ein paar Jugendliche kiffen schlechtes Gras. Irgendetwas stinkt jedenfalls erbärmlich.

Leonie, meine zweite Frau, mustert jetzt ihre Hände, als ob sie diese Körperteile noch nie zuvor an sich gesehen hätte. Dann fährt sie sich durch ihre kurz geschnittenen hellbraunen Haare und wirft einen schnellen Blick zu mir herüber. Ihre Augenbrauen zucken, die Lippen öffnen sich, aber sie sagt dann doch nichts. Gut, ich schäme mich ein wenig. Dass ich zum Beispiel ihren geliebten Reitsport als Neureichenseuche erster Güte abgekanzelt habe, tut mir leid. Eigentlich würde ich gern Frieden schließen, sie küssen, das Feuerchen unserer Liebe wieder aufflackern und den Frühling anbrechen lassen, der draußen nirgends zu sehen ist.

»Brennt's hier?«, höre ich eine Stimme fragen, als ob sie nur zum Sitznachbarn sprechen würde.

»Hier stinkt's, Fred«, wendet nun auch Leonie endlich ein paar Worte an mich. Sie sagt sie in einem Tonfall, der keinen Zweifel daran lässt, dass sie mich persönlich für die Behelligung ihrer feinen Nase verantwortlich zu machen gedenkt.

»Ach was«, sage ich, obwohl auch meine Geruchssensoren inzwischen massenhaft ungewohnte Partikel in der Luft vermelden, zwanzig Zigaretten täglich zum Trotz. Aber ich bin für den Moment glücklich, dass Leonie wieder mit mir spricht.

»Es tut mir leid wegen gestern«, hüstle ich unbeholfen, aber Leonie will das nicht hören.

»Hier brennt's!«, kreischt sie plötzlich los.

Ich bleibe gelassen. Das Beschreien von Katastrophen aller Art ist Leonies große Leidenschaft. Meist geht es dabei um mich und meine zahllosen charakterlichen Mängel.

»Hier kann es nicht brennen«, sage ich dennoch beruhigend, um das zart aufgesprossene Gesprächspflänzlein nicht gleich wieder im Keim zu ersticken. Obwohl, irgendetwas könnte hier wirklich brennen. Der Hund der beiden Kinder gegenüber jault jedenfalls, als hätte seine letzte Stunde geschlagen. Auch die übrigen Fahrgäste des Doppelstockwagens 4D der S16 befinden sich spürbar in Aufruhr.

»Tu doch was, wofür bist du Polizist?«, herrscht mich Leonie an. Sie ist aufgesprungen, in ihren weit aufgerissenen braunen Augen spiegeln sich ernste Besorgnis und die übliche Skepsis bezüglich meiner Tatkraft.

»Soll ich ein Fernsehteam bestellen?«, versuche ich witzig zu sein und erhebe mich als Letzter von meinem Sitz.

Umgehend werde ich von Leonie umklammert. Über ihre Schultern hinweg sehe ich gelben Rauch aus dem unteren Abteil aufsteigen. Und zwar deutlich mehr, als ihn die üblichen S-Bahn-Kiffer zu Stande bringen. Die Kinder nebenan schluchzen jetzt vor Angst und krallen sich ins Fell des heiser bellenden Hundes, ihre Mutter wedelt mit der Zeitung unwirsch durch die neblig gewordene Luft.

Vorn, wo unaufhörlich Rauch aufsteigt, steht ein krawattierter Held bereit, mit einem Aktenkoffer bewaffnet in die Tiefe zu springen und dem Feuerfeind entgegenzutreten. Hinter ihm haben sich schaulustige Schüler zusammengerottet, die ihn lautstark ermutigen. Eine mittelalterliche Chimäre mit einem in den Schminkkasten gefallenen Kopf auf einem gewaltigen Leib taumelt uns auf mageren Stelzen durch den Gang entgegen und schreit panisch nach der Notbremse.

Das bitte nicht! Noch sind wir mitten im Tunnel. Ich muss etwas unternehmen, bevor die allgemeine Hektik in Panik umschlägt, und werfe einen schnellen Blick hinter mich. Auch dort dringt gelber Qualm die Treppen hoch. Eine brünette Frau beugt sich schützend über eine welke Yuccapalme von der Größe eines mittleren Einfamilienhauses. Eine hagere ältere Frau hat zu beten begonnen. Der abgewetzte Kiffer neben ihr döst. Vermutlich träumt er angesichts der Riesenpalme vor sich von seiner Zeit im Dschungel, als er noch Affen retten wollte. Vielleicht ist er aber auch ein Fixer auf seiner letzten Fahrt, schließlich befinden wir uns in der Zürcher S-Bahn auf dem Weg vom rechten Zürichseeufer, der so genannten Goldküste, ins Stadtzentrum. Vier Reihen weiter treten irgendwelche Bekloppten mit ihren Schuhen wild gegen die Fenster. All das erfasst mein kriminalistisch geschultes Auge innerhalb von Sekundenbruchteilen. Ein Auge, das schon Dramatischeres gesehen hat als einen kleinen S-Bahn-Brand mit einer Yuccapalme als möglicherweise prominentester Toten. Kein Grund zur Aufregung, nur ein bisschen Rauch. Unangenehm zweifellos, aber meine Zahnfleischentzündung im vergangenen Jahr war sicherlich schlimmer.

»Fred, tu etwas, ich will hier nicht verbrennen!«, keucht mir Leonie ins Ohr. Noch immer hält sie mich fest umklammert.

»Glaub mir«, sage ich, »die Chance, in der Zürcher S-Bahn zu verbrennen, ist nicht größer, als auf den Malediven unter ein Schneebrett zu geraten.« Ich löse mich aber doch von ihr und pflanze mich im Gang auf. »Ruhe bewahren!«, brülle ich mit allem, was ich habe, und strecke meinen Ausweis in die Höhe. »Ich bin Polizist! Bleiben Sie alle, wo Sie sind!«

Die Yuccapalmenfrau hinter uns lacht hysterisch auf, die hagere Alte unterbricht ihr Gebet. Die Schüler verstummen, der krawattierte Held mit dem Aktenkoffer dreht sich erleichtert um in der Hoffnung, dass endlich jemand dumm genug ist, hinabzusteigen in das Feuer.

Jetzt, da ich dieses Tollhaus zur Ruhe gebracht habe, muss ich mir allerdings eingestehen, dass ich keinen Plan habe, wie es weitergehen soll. Ich weiß lediglich, dass mir das Feuer immer weniger gefällt. Neben dem unablässig aufsteigenden gelben Rauch glaube ich, jetzt auch Flammen auflodern zu sehen. Und noch immer rollen wir durch diesen Sarg von Tunnel. Die Augen aller Wageninsassen sind erwartungsfroh auf mich gerichtet. Hätte ich das Feuer per Knopfdruck ersticken können, wäre ich unsterblich geworden in den Köpfen dieser fehlgeleiteten Pendlerschafe auf dem Weg zur täglichen Beschäftigungsschlachtbank. Aber mit dem mutigen Gebrüll um Ruhe habe ich mein Pulver leider voreilig verschossen.

Leonie merkt das naturgemäß als Erste, schließlich sind wir seit über zwanzig Jahren verheiratet. »Was jetzt, großer Meister?«, schreit sie höhnisch, und hätte sie nicht ein Hustenanfall jäh gestoppt, hätte sie wohl einmal mehr von meinem gescheiterten Versuch erzählt, unser automatisches Garagentor zu reparieren. Ein Versuch, der in der Katastrophe eines zerstörten Minis – ihres Minis – endete. Leonie hustet wie ein schwindsüchtiger Dampfzug, sie wendet sich ab und die Menge erkennt, dass sich nicht mal die Frau an meiner Seite ein Wunder von mir erhofft.

»Wartet mit der Notbremse, bis wir aus dem Tunnel sind«, bringe ich noch heraus, aber meine weisen Worte gehen in einem wütenden Geheul unter; dem üblichen Geheul, das entsteht, wenn sich vermeintliche Retter als ganz normale Irdische voller Probleme entpuppen.

Von hinten kommt plötzlich mehr Rauch als von vorn, was die Fluchtrichtung der rasenden Menge vorzeichnet. Bevor ich mich auf meinen Sitz retten kann, werde ich umgerannt, mein Ausweis fliegt wie in Zeitlupe davon, die Horde tobt über mich hinweg und wird vom Bastardhund verbellt und von Leonie übel beschimpft. Meine Knochen bleiben wie durch ein Wunder heil, ich krieche geschlagen unter die Sitzgruppe. Das Licht fällt aus, irgendwo zersplittert ein Fenster, der entstehende Luftzug presst den Rauch endgültig in meine jetzt höllisch schmerzenden Lungen. Meine Augen brennen und ich kann nur hoffen, dass das, was sich da in meinen rechten Oberarm verbeißt, wirklich Leonie ist und nicht die Yuccapalmenfrau oder Schwester Gebet.

»Ich liebe dich«, huste ich über die Schulter zurück, einfach damit es nochmals gesagt ist, und ernte dafür einen triumphierend wirkenden, feuchten Hustenanfall in meinem Nacken.

Endlich kommt der Zug aus dem Tunnel heraus und bremst kreischend. Die letzten aufrecht Stehenden werden vom brüsken Bremsmanöver hinweggefegt und poltern fluchend zu Boden. Ich sehe nichts mehr, höre durchs Geschrei der Erstickenden aber immerhin vage eine Sirene heulen. Mein Magen krümmt sich zusammen, ich übergebe mich klaglos. Ade, du schöne Welt, die du mir immerhin zwei halbwegs geratene Kinder, einen einigermaßen interessanten Beruf und widerstandsfähige Gelenke beschert hast.

»Ich dich auch, Meister, ich dich auch!«, vernehme ich noch Leonies krächzende Stimme. Dann warte ich auf die versprochenen Harfenklänge.

Der Kollege

 

»Hallo Papa«, sagt von weit her die Stimme meiner Tochter und langsam sickert es in mein Bewusstsein, dass ich diesem Teufelszug offenbar doch lebend entronnen bin.

Ich öffne vorsichtig die Augen und finde mich in einem Spitalzimmer wieder. Über mir hängt eine Aufstehhilfe aus Chromstahl, zu meiner Rechten steht ein futuristisch wirkendes Gefährt mit einem krakelig beschrifteten Tropfbehälter, dessen Inhalt mittels eines dünnen Schlauchs in die Vene meines rechten Unterarms geführt wird. Die Hand dieses Arms steckt in einem gewaltigen Verband. Mein Körper ist in ein spitaleigenes weißes Grabtuch gehüllt. Draußen fiepen Vögel. Es riecht nach Desinfektionsmittel. Anna sitzt bei mir auf dem Bett und lächelt mich beruhigend an. Sie hat ihre langen schwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und ist ungeschminkt. Ein schönes Kind, denke ich, obwohl sie immerhin schon sechsundzwanzig ist.

»Hallo«, sage ich schwach. »Wo kommst du denn her?«

»Na hör mal«, antwortet sie empört. »Ich bin natürlich direkt von der Arbeit hergeeilt, als ich von dem Anschlag hörte.«

»Anschlag?«

»So sagen sie es zumindest im Radio. Hast du Schmerzen?«, will sie wissen.

»Es geht«, untertreibe ich maßlos. Meine Lungen brennen, mein Kopf brummt, die Augen tränen. »Wie geht's Leonie?«, fahre ich erschrocken hoch.

Anna legt mir besänftigend die Hand auf die Schulter und drückt mich wieder in die Kissen zurück. »Sie hat eine leichte Rauchvergiftung wie du, Papa, nichts Schlimmes. Sie liegt einen Stock höher und wird morgen wahrscheinlich ebenfalls nach Hause können.«

Erleichtert atme ich aus, ein wüster Hustenkrampf ist die Folge.

»Leichte Rauchvergiftung!«, keuche ich, als ich wieder Luft bekomme. »Würde mich interessieren, wie man nach einer schweren aussieht!«

»Du hast dir zusätzlich noch eine Rippe geprellt und zwei Finger gebrochen«, sagt mir mein ältestes Kind.

»Verdammte Bastarde«, grummle ich.

»Monika wünscht dir auch gute Besserung und lässt dich grüßen«, fährt Anna mit leisem Trotz in der Stimme fort. Monika ist ihre Mutter und meine erste Frau. Mein Verhältnis zu ihr ist so herzlich, wie man es zwischen einer Gottesanbeterin und ihrem glückhaft entkommenen Männchen erwarten darf. Anna mag uns beide, aber ihre Mutter im Zweifelsfalle noch ein bisschen mehr. Damit habe ich mich abgefunden.

»Danke«, sage ich der Einfachheit halber. »Haben eigentlich alle Fahrgäste überlebt?«, will ich wissen.

»Meines Wissens schon. Aber ihr könnt von Glück sagen, dass ihr im oberen Abteil wart, denn die im unteren hat's um einiges schwerer erwischt.«

»Man könnte meinen, ich hätte nur eine leichte Erkältung«, moniere ich.

»Ach, Papa«, sagt sie und umarmt mich fest. »Es war sicher schrecklich in diesem Zug. Ich bin froh, dass es nicht schlimmer gekommen ist.«

»Ja, ja!«, hüstle ich.

»Brauchst du noch was?«, fragt sie mich und in diesem Moment stürmt ein junger Assistenzarzt ins Zimmer. Seinem einfältigen Grinsen nach könnte er einer TV-Serie entsprungen sein. Er lässt seine notgeilen Augen genießerisch über Annas wohlgeformten Körper wandern, was ihm von meiner Seite her blanken Hass einträgt.

»Schaust du mal rein, wenn wir wieder zu Hause sind?«, wende ich mich, ihn ignorierend, an Anna. »Wir könnten zusammen ...«

»Na, na, Herr Staub!«, unterbricht mich der Arzt. »Lassen Sie uns erst mal nach Ihrer Rippe schauen. Und guten Tag, Frau, ähm ... Sie sind sicher die Tochter des Patienten, oder?«

»Staub«, nennt sie unseren gemeinsamen Nachnamen, aber die Hand gibt sie ihm nicht.

Recht so, Anna, denke ich mir. Komm mir ja nicht mit einem schmierigen Wicht wie diesem nach Hause! Wobei ihr gegenwärtiger Freund schon erstaunliche zehn Monate aktuell und als Buchhändler sehr erfolgreich ist, wenn ich mich recht entsinne.

Wie auch immer, Anna verabschiedet sich mit einem dicken Kuss auf meine Stirn und überlässt mich dem Jungspund, der ein wenig auf mir herumdrückt und feststellt, dass ich noch immer Schmerzen habe. Nein, meint er außerdem, meine Frau könne ich noch nicht besuchen, man würde mir aber Bescheid geben.

Endlich verschwindet er und wird durch ein nett lächelndes, weiß gewandetes Wesen mit asiatischem Äußeren ersetzt, das mir wortlos frischen Tee reicht und die Fernbedienung auf das blaue Schränklein neben dem Bett legt.

Doch ich bin sogar für die Glotze zu erschöpft und beschließe, ein wenig zu schlafen. Aber wie immer, wenn ich wirklich schlafen will, tauchen Leute auf. Mein Arbeitskollege und Freund Michael Neidhart verwirft unter dem Türrahmen immerhin entschuldigend die Hände, lächelt mir dann aufmunternd zu und setzt sich auf einen Plastikstuhl neben mein Krankenlager.

»Wie fühlst du dich, Fredy?«, fragt er mich.

Neidhart ist einer meiner wenigen Untergebenen, die ich wirklich mag. Mit neunundzwanzig von einer High-Tech-Firma entlassen, hatte er in einem Straßencafé ein Stelleninserat der Kantonspolizei entdeckt, in dem nach Informatikspezialisten gefahndet wurde. Schnell hatte sich herausgestellt, dass Neidhart mehr konnte, als eine Excel-Tabelle zu erstellen, und seit gut zwei Jahren arbeitet er direkt unter mir. Mit mir, muss ich korrekterweise sagen, denn ich betrachte den ›hübschen Michael‹, so sein Spitzname, als mindestens ebenbürtig. Die Erfolge unserer Abteilung Besondere Verfahren sind in meinen Augen weit mehr Neidharts gründlicher Arbeit am Computer zu verdanken als meiner Intuition. Privat weiß ich von ihm, dass er Fußball liebt, seine Ferien in Argentinien verbringt, schwul ist und allein lebt.

»Habt ihr schon etwas herausbekommen?«, knurre ich zurück. Noch immer verspüre ich ein heftiges Stechen in meiner Brust.

»Es sieht übel aus«, antwortet er. »Die beiden Feuer wurden ohne Zweifel absichtlich gelegt. Der oder die Täter stellten zwei Kinderwagen in den Zug. Statt Babys lagen aber Nebelkerzen drin.«

»Die Dinger, die sie in Italien auf die Fußballplätze werfen?«, frage ich und Michael bejaht. Er ist Fan von Inter Mailand, warum auch immer. Jeden Monat fährt er mindestens einmal mit dem Pendolino ins Giuseppe-Meazza-Stadion, um einem 0:0 beizuwohnen. Gibt es mal kein 0:0 und Inter verliert, kehrt er von der Stätte der Niederlage mit Augen zurück, die tagelang noch stumpfer sind als jene gameboysüchtiger Teenager. Und die sind ziemlich stumpf, wie ich an meinem eigenen Sohn Per beobachten konnte, der sich derzeit auf den Malediven als Surflehrer vergnügt.

»Und was meinst du, was wollen die?«, frage ich ihn.

Neidhart lacht und zeigt sein strahlendes Gebiss. »Wir sind dran, Fredy. Vergiss nicht, es ist erst vier Stunden her.«

»Wer befasst sich mit der Sache?«

»Außer uns noch Christa, Birgit und Müller 5 von der städtischen Ermittlung. Und Hiltebrand und Dörig von der Spezialabteilung 4. Der Chef hat einen Krisenstab zusammengestellt. Du stehst auch auf der Liste, als Vorsitzender. Christa vertritt dich im Moment.«

Ich stöhne vernehmlich. Ausgerechnet Christa. Finster blicke ich in ein Blumenbouquet, das wohl Anna hinterlassen hat.

»Konntest du irgendwas sehen?«, fragt mich Neidhart.

»Nichts habe ich gesehen, das war ja das Problem«, gebe ich zur Antwort und krümme mich unvermittelt in einem wüsten Hustenanfall.

Michael erhebt sich. »Lass dir Zeit, Fredy. Komm wieder ins Büro, wenn du dich fit fühlst!«

»Im nächsten Leben, meinst du.«

»Und melde dich, wenn du etwas brauchst«, lacht er und klopft mir zum Abschied beruhigend auf den Oberarm.

 

Als ich erwache, sitzt Leonie neben mir. Sie hat ein blaues Auge, sieht aber sonst ganz passabel aus. Schönheit vergeht nicht, auch nicht mit mittlerweile fünfundvierzig Jahren. Die feinen Fältchen unter ihren Augen und am Hals gefallen mir und die ersten grauen Haare reißt sie sich morgens regelmäßig einzeln aus. Leonie ist zwei Tage die Woche Anwältin und befasst sich hauptsächlich mit Urheberrechtsfragen. Sie fiel mir einst in der Kronenhalle auf, wo sie einer renitenten Kellnerin klar zu machen versuchte, welches die richtige Temperatur für einen Espresso sei. Das ist schon lange her, fast zweiundzwanzig Jahre. Besser gehalten als ihr Äußeres haben sich lediglich ihre Kampfeslust und die dünkelhafte Haltung zu gutem Kaffee.

»Ich dachte, ich sehe mal nach, wie es um meinen Helden steht«, sagt sie und ihre Lippen umschmeichelt der Anflug eines Lächelns.

»Du scheinst ja schon wieder ziemlich munter zu sein«, entgegne ich.

»Na klar. Sie sagen, ich könne jederzeit nach Hause.«

»Ja, dann mach das doch. So spannend ist es hier wahrlich nicht.«

»Wenn man die ganze Zeit schläft, bestimmt nicht!«

Am liebsten hätte ich sie gebeten, Zigaretten zu beschaffen, denn meine Lungen sind für neuen giftigen Rauch bereit. Mehr als bereit: Schon spüre ich in mir eine leicht nervöse Aggressivität hochsteigen, die nicht nur auf Leonies Anwesenheit zurückzuführen ist.

»Weiß Per Bescheid?«, frage ich. »Anna war schon hier.«

»Das habe ich mitbekommen, sie hat auch mich besucht. Und unser Sohn hat kein Natel, wie du weißt. Ich habe ihm ein E-Mail geschickt und werde es heute Abend telefonisch versuchen.«

»Kannst du nicht mit diesem Junghirsch von Arzt sprechen? Ich will auch nach Hause.«

»Er sagt, du sollst noch eine Nacht hier bleiben, wegen der Brüche.«

Ich blicke wenig begeistert auf meine bandagierte rechte Hand. Zum Glück rauche ich mit der linken.

Der Brief

 

Am nächsten Morgen um elf lassen sich mich endlich gehen. Ich verzichte darauf, Leonie an einem ihrer freien Tage zu behelligen, und nehme mir ein Taxi. Unsere Terrassenwohnung befindet sich in Küsnacht am Zürichsee, leicht erhöht über dem Dorf, dort wo die Allmendstraße kopfsteingepflastert und nur für Anwohner frei ist. In einer überaus ruhigen Gegend, fernab von Unterhaltungshöhepunkten wie rauchigen Bars oder schicken Kulturtempeln. Aber mit toller Aussicht auf das untere Seebecken und den alten Dorfkern samt den Gebäuden des Lehrerseminars, in dem unser Sohn Per vor einem Jahr mit Ach und Krach die Matura schaffte. Das Küsnachter Tobel liegt ganz in der Nähe und manchmal trabe ich eine Runde am Bach entlang, hoch bis zum Alexanderstein und zurück, verspottet meist vom Geschrei der in dieser Gegend allgegenwärtigen Krähen.

Wir wohnen hier seit viereinhalb Jahren und ich kenne im Unterschied zu Leonie mehr oder weniger niemanden in dieser wohlhabenden Schlafgemeinde, nicht mal die Leute in den Terrassenwohnungen über und unter uns. Mir ist das recht. Leonie hingegen ist leidenschaftliche Smalltalkerin und kennt das halbe Dorf. Darüber hinaus ist sie fanatische Reiterin und findet hier unzählige Naturfreunde vor, die es ebenso wie sie das Größte finden, auf Huftieren über die ewig gleichen kiesigen Waldwege zu klackern. Ihr Pferd Glorious steht bei einem Bauern am nahe gelegenen Rumensee stets für sie bereit. Die Einzigen, die es sonst noch nutzen dürfen, sind eine Frau Studer, die uns ständig zum Essen einladen will, sowie meine Tochter Anna. Wenn es nach Leonie ginge, hätten wir außer des Pferdes nicht nur noch ein weiteres Tier in Form eines Hundes, sondern ich würde auch keine Zigaretten mehr rauchen und bessere Anzüge tragen. Aber ich bin nun mal weder ein ausgesprochener Tierfreund noch ein Model, sondern Polizist. Weil ich mal dachte, dass Verbrecher weg von der Straße müssten. Das war noch, bevor ich realisierte, dass Verbrecher nicht nur auf der Straße rumlungern, sondern auch in Gegenden wie unserer in Villen hausen. Einige von Leonies Reiterfreunden sind Vermögensverwalter, Unternehmensberater, Wirtschaftsanwälte. Eine Bande von Heuchlern, meiner Meinung nach, die ihren Lebenszweck darin sieht, Gelder, egal welcher Herkunft, zu verstecken, zu verwalten und zu vermehren. Gelder von Steuerflüchtlingen etwa, die zu Hause über den zunehmenden Zerfall ihres Landes jammern und nach drastischen Einschnitten in den Sozialstaat schreien. Mancher dieser ausländischen Schummler zieht auch gleich ganz hierher und kauft sich ein herrschaftliches Haus in der Nähe seines Beraters. Zum Beispiel im reichen Küsnacht, das einen niedrigen Steuerfuß kennt.

Trotzdem ist Zürich eine schöne Stadt. Ich bin hier aufgewachsen und möchte nirgendwo anders leben. Lieber noch als in der dösigen Vorortsgemeinde Küsnacht allerdings würde ich in der Stadt selbst wohnen, im Seefeld, in Wiedikon oder in Unterstrass, wo ich einst Kindergarten und die Primarschule besuchte. Aber dort kann Leonie nirgends herumreiten und zugegebenermaßen hat die Ruhe hier auch ihre Vorteile. Genauso wie der niedrige Steuerfuß.

 

Kaum habe ich auf unserem Wohnzimmersofa endlich eine einigermaßen bequeme Stellung gefunden und den Tages Anzeiger aufgeschlagen, klingelt das Telefon. Und leider reagiere ich grundsätzlich, wenn Telefone klingeln – ganz im Gegensatz zu Leonie, die einfach seelenruhig wartet, bis sich die Combox einschaltet. Ich fluche lauthals, denn bei jeder schnellen Bewegung schmerzt meine Rippe höllisch. Dann fällt mir das Telefon auch noch hinunter, weil ich den Hörer mit der linken Hand abheben muss.

»Ja?«, knurre ich wenig freundlich, als ich das Ding endlich am Ohr habe.

»Michael hier«, höre ich Neidharts Stimme. »Wie geht's dir?«

Irgendetwas an seiner Stimmlage gefällt mir nicht und ich frage: »Warum? Gibt's Schwierigkeiten?«

»Kann man so sagen«, antwortet er. »Meinst du, du kannst herkommen?«

»Was? Heute noch?«

»Sonst fahre ich zu dir raus«, sagt er.

»Bekommen wir einen neuen Kommandanten?«

»Wir sind in einer Stunde bei dir, okay?«

»Wir?«

»Okay?«

»Na schön«, willige ich ein. »Bring Zigaretten mit!«

 

Die Klingel bimmelt schon fünfzig Minuten später. Ich bin auf dem Sofa eingenickt und muss erst ins Bad, um mithilfe von kaltem Wasser wach zu werden. Eigentlich müsste ich mich auch noch rasieren, aber jemand begehrt ein weiteres Mal energisch um Einlass. Was kann denn so dringend sein?, frage ich mich.

Fünf Minuten später weiß ich es, es steht in großen schwarzen Lettern auf einem roten Papier in A4-Größe.

 

WIR WOLLEN ACHT MILLIONEN FRANKEN IN BAR. ODER DIE NÄCHSTE BAHN BRENNT RICHTIG. FRAGEN SIE FRED STAUB! HALTEN SIE DAS GELD BEREIT. WIR MELDEN UNS!

 

Ich blicke eine geschlagene Minute auf das Schreiben in meiner unversehrten linken Hand. Leider ändert sich am Inhalt nichts.

Ich lege das Blatt auf den Glastisch vor mir, damit ich rauchen kann. Lasse mir von Christa Briner Feuer geben. Sie zündet sich ebenfalls eine Zigarette an. Recht so, dann kann ich Leonie später wenigstens eine geeignete Schuldige für unser verrauchtes Wohnzimmer präsentieren.

Christa hat sich alle Stufen hinaufgearbeitet von der Verkehrspolizistin bis zur Chefin der Abteilung Ermittlung der städtischen Kriminalpolizei, Sektor West. Steht im Rang eines Detektivwachtmeisters. Ist geschieden. Keine Kinder. Keine Hobbys bekannt, außer Karate. Neben ihr sitzt eine neue Kollegin, die ich noch nicht so richtig kenne. Gret, hat sie sich vorgestellt. Sie wollte wegen des guten Rufs unserer Abteilung extra von Basel nach Zürich versetzt werden. Hat am Montag bei uns begonnen. Dann noch die städtische Polizeivorsteherin, Stadträtin Erika Läubli-Hofmann. Eine humorlose Mittvierzigerin mit einer Vorliebe für beigefarbene Hosenanzüge. Wie ihre glücklose Vorgängerin rekrutiert aus dem reichen Fundus an Hinterbänklern der in der Stadt seit Jahren tonangebenden Sozialdemokraten. Vegetarierin und Nichtraucherin. Trotzdem wenigstens etwas kompetenter als der Vorsteher der kantonalen Polizeidirektion. Und Kollege Neidhart natürlich, in einem blassrosafarbenen Businesshemd von Artigiano und mit dunklen Ringen unter seinen hellblauen Augen.

»Nun, Fredy«, ermuntert er mich.

Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, welches Wort auf dem Papier mir am wenigsten gefällt. Ich schätze, es ist mein Name.

»Vielleicht war es kein Zufall, dass gerade dieser Wagen gebrannt hat«, sage ich.

»Da hast du verdammt Recht, Fred.« Christa pustet explosionsartig Rauch aus und streckt sich durch, bis irgendwelche Wirbel knacken. Sie ist bald fünfzig, aber gertenschlank und gestählt durch tägliches Karatetraining. Ihre Augen sind grau, ihre Zähne gelb, ihre kurzen Haare schwarz gefärbt. So was wie Schminke kennt sie nicht, ihre Stimme erinnert an eine Kreissäge. »Verdammt Recht«, wiederholt sie sich. »Gefällt mir ganz und gar nicht. Das heißt nämlich, dass diese Knallchargen gewusst haben, dass du diesen Fall leiten wirst.«

»Oder bist du so berühmt?«, fügt Gret an.

Berühmter als du auf jeden Fall, hätte ich fast gesagt. Wofür hält sich diese Zicke? Sie kann kaum älter als fünfunddreißig sein, ihre Kleider riechen verdächtig nach H&M. Von der Figur her kann sie die Dinger allerdings tragen, muss ich eingestehen. Hübsch ist sie auch, mit ihren halblangen weißblonden Haaren, ihren blassblauen Augen und ihrer leicht schiefen, schmalen Nase. Ich frage mich, wie lange es dauern wird, bis sie mit Christa aneinander gerät.

»Tja«, sage ich und warte ab, was als Nächstes kommt.

»Verschiedene Zeugen sagen übereinstimmend aus, dass die Kinderwagen in Goldbach in den Zug geschoben wurden«, informiert mich Christa.

»Und warum brannten sie dann erst im Tunnel?«, frage ich.

»Das ist das Scheißbeunruhigende, Fred! Die Nebelkerzen wurden durch einen raffinierten Zeitzünder entflammt. Exakt während der Fahrt aus dem Bahnhof Tiefenbrunnen, vor dem Tunnel!« Christa ereifert sich wie immer, wenn sie es mit ruhigeren Gemütern zu tun hat, als sie selbst eins ist – also ungefähr bei rund sieben Milliarden Erdbewohnern. »Es sind demnach keine verdammten Amateure, will ich sagen!«

»Steigst du jeden Morgen in denselben Zug?«, fragt mich Neidhart.

Ich überlege. Oft gehe ich auch erst eine Stunde später aus dem Haus, ich bin kein Freund des allzu frühen Tages. »Nein, aber mit diesem fahre ich häufig. Leonie, das ist meine Frau, nimmt jeden Montag und Mittwoch diesen Zug. Meist fahren wir dann zusammen.«

»Wir wissen, dass Leonie deine Frau ist«, sagt Christa überflüssigerweise.

Ich überhöre sie und greife wieder zu dem roten Papier mit den schwarzen Buchstaben. »An wen richtete sich überhaupt dieses Schreiben?«, will ich wissen.

»Es traf heute Morgen mit der Post beim Direktor des Zürcher Verkehrsverbunds ZVV ein«, beantwortet Läubli-Hofmann meine Frage. »Er rief mich daraufhin gleich an.«

Und du sofort Christa, denke ich, aber das war auch richtig so. Die wiederum raste dann zu uns rüber. Keineswegs nur weil mein Name in dem Brief steht. Sondern vielmehr weil für so genannte ›komplexe‹ Fälle die Kantonspolizei zuständig ist, also meine Abteilung, und nicht ihre von der Stadtpolizei. So haben es unsere Leuchten von Politikern einst beschlossen und damit Jahre unnützen Hickhacks zwischen städtischer und kantonaler Kriminalpolizei auf dem Gewissen. Denn die Auffassungen beider Parteien, was genau unter einem komplexen Fall zu verstehen ist, gehen stark auseinander. Erst seit Kurzem funktioniert die Zusammenarbeit etwas besser.

»Das Schreiben wurde bei der Post in Wiedikon eingeworfen, das haben wir bereits eruiert«, sagt Gret.

»Wollen Sie zahlen?«, frage ich Läubli-Hofmann.

Sie zuckt die Schultern und blickt auf ihre klobige Uhr. »Der Regierungsrat, der Stadtrat und die Verwaltungsräte des Verkehrsverbunds treffen sich in einer Stunde. Ich wäre froh, wenn mir irgendjemand hier einen Rat geben könnte, wie wir uns verhalten sollen.«

Christa knurrt vernehmlich und der Rest schweigt. Niemand von uns glaubt auch nur im Entferntesten, dass bei einer Politikersitzung so etwas wie ein vernünftiger Entscheid herauskommen könnte; dafür sind wir alle zu lange Polizisten in diesem Kanton. Außer der Baslerin, aber dort dürfte es kaum viel anders sein.

»Was ist Ihre Meinung?«, gebe ich die unausgesprochene Frage zurück.

»Was wollen Sie hören, Herr Staub?«, nimmt Läubli-Hofmann mich ins Visier. »Das übliche Geschwätz, dass es sich der Staat nicht leisten kann, auf Erpressungen einzugehen? Weil dies ein Präjudiz wäre für künftige ...«

»Wir kennen den Sermon«, unterbricht Christa sie. »Sparen Sie ihn sich für Ihre Sitzung!«

Dafür erntet sie einen geharnischten Blick von Läubli-Hofmann, die immerhin ihre oberste Vorgesetzte ist und mit den Worten fortfährt: »Sie sind die Fachleute, oder? Also sagen Sie mir bitte, wie ernst diese Drohung zu nehmen ist!«

»Ich nehme sie sehr ernst«, sage ich und blicke der Politikerin direkt in ihre graugrünen Augen.

»Ich auch«, unterstützt mich Christa. Neidhart und die Kollegin aus Basel nicken stumm.

»Wir sollten diesen Leuten auf jeden Fall vorgaukeln, dass wir zahlen wollen. Vielleicht kriegen wir sie rechtzeitig«, sage ich und niemand widerspricht. »Wie viel Personal haben wir zur Verfügung?«

»Zwanzig Mann«, beantwortet Christa die Frage.

»Immerhin«, sage ich. »Aber vielleicht solltest besser du die Sache leiten.« Ich hebe demonstrativ meine einbandagierte Hand in die Höhe.